
Ein Facharzt Rheumatologie behandelt Patienten mit verschiedenen rheumatischen Erkrankungen. Die Arbeit eines Rheumatologen umfasst die Diagnostik, das Erstellen von Behandlungsplänen, die Durchführung von Therapiemassnahmen und auch Präventionsarbeit sowie die Rehabilitation von rheumatischen Erkrankungen. Die Arbeit erfordert eine Facharztweiterbildung in Rheumatologie. Alle Infos zu Gliederung, Dauer und Inhalt der Weiterbildung liefern wir in dieser Übersicht.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Fachprofil & Tätigkeiten: Diagnostik, Therapie, Prävention und Rehabilitation rheumatischer Erkrankungen des Bewegungsapparates und systemischer Autoimmunerkrankungen
- Weiterbildung in der Schweiz: Sechsjährige Facharztausbildung nach Medizinstudium mit Innerer Medizin, spezialisierter Rheumatologie, Logbuch, Fortbildungen und Facharztprüfung
- Arbeitsorte: Universitäts- und Kantonsspitäler, Reha- und Schmerzkliniken, rheumatologische Fachpraxen, versicherungsmedizinische Institutionen sowie Forschung und Lehre.
Tätigkeiten Facharzt Rheumatologie – Tätigkeiten
Ein Facharzt für Rheumatologie hat sich auf rheumatische Erkrankungen spezialisiert. Dazu gehören degenerative und entzündliche Krankheiten der Gelenke und Wirbelsäule, Weichteilerkrankungen, Knochen- und Stoffwechselkrankheiten sowie infektiöse und neoplastische Erkrankungen von Organen des Bewegungsapparates.
Weiterhin gehören akute und chronische Schmerzkrankheiten, funktionelle Störungen mit Symptomen am Bewegungsapparat, systemische autoimmune und autoinflammatorische Erkrankungen des Bindegewebes und der Blutgefässe zum Behandlungsfeld eines Rheumatologen. Darüber hinaus sind auch Krankheiten der inneren Organe und des Nervensystems Teil des Alltags in der Rheumatologie, insofern sie mit den genannten Krankheiten im direkten Zusammenhang stehen.
Rheumatologen sind nicht nur medizinisch tätig, sondern leisten auch einen Beitrag in der Prävention, Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit, etwa zur Vermeidung chronischer Gelenkerkrankungen.
Mehr zu Tätigkeit, Gehalt und Karriere als Rheumatologe hier:
Übersicht aller Facharztausbildungen und Fachrichtungen:
Weiterbildung Facharzt Rheumatologie – Voraussetzungen
Die Facharztausbildung in Rheumatologie in der Schweiz erfordert ein abgeschlossenes Medizinstudium (eidgenössisches Arztdiplom oder anerkanntes ausländisches Diplom), zwei Jahre Weiterbildung in Allgemeiner Innerer Medizin, gefolgt von einer drei- bis vierjährigen spezialisierten Weiterbildung (davon mindestens 2 Jahre in der Schweiz) an anerkannten Weiterbildungsstätten, sowie das Bestehen der Facharztprüfung.
Weiterbildung Facharzt Rheumatolgie – Dauer und Gliederung
Die Weiterbildung zum Facharzt für Rheumatologie dauert insgesamt sechs Jahre und gliedert sich in mehrere Abschnitte.
Fachspezifischer Teil: Drei bis vier Jahre Weiterbildung in der Rheumatologie. Davon müssen mindestens zwei Jahre an einer Weiterbildungsstätte der Kategorie A absolviert werden. Aufteilung:
-
- Bis zu ein Jahr kann durch eine wissenschaftliche Tätigkeit mit Schwerpunkt Rheumatologie ersetzt werden.
- Alternativ kann eine abgeschlossene MD/PhD-Ausbildung mit bis zu einem Jahr angerechnet werden.
- Ebenso kann bis zu ein Jahr Tätigkeit als Praxisassistenz in einer anerkannten Arztpraxis angerechnet werden (maximal vier Wochen je sechs Monate als Stellvertretung).
Nicht-fachspezifischer Teil: Mindestens ein Jahr in Allgemeiner Innerer Medizin (Kategorie A) ist verpflichtend, maximal drei Jahre sind möglich.
Ein weiteres Jahr kann in verwandten Fachgebieten absolviert werden, beispielsweise in einem dieser Fachgebiete:
- Allergologie und klinischer Immunologie
- Angiologie
- Endokrinologie/Diabetologie
- Gastroenterologie
- Hämatologie
- Handchirurgie
- Kardiologie
- Medizinischer Onkologie
- Nephrologie
- Neurologie
- Orthopädischer Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
- Plastischer Chirurgie
- Physikalischer Medizin und Rehabilitation
- Pneumologie
Während der gesamten Weiterbildung ist ein regelmässig geführtes Logbuch verpflichtend. Zusätzlich müssen wissenschaftliche Publikationen und Fortbildungen nachgewiesen werden.
Angehende Rheumatologen müssen außerdem mindestens zwei Fortbildungsveranstaltungen der Schweizerischen Gesellschaft für Rheumatologie (SGR) von mindestens einem Tag Dauer besuchen oder alternativ 14 Fortbildungs-Credits erwerben. Zudem ist der Erwerb des Fähigkeitsausweises „Strahlenschutz in der physikalischen Medizin, Rehabilitation und Rheumatologie“ zwingende Voraussetzung für die Anerkennung des Facharzttitels.
Inhalte der Weiterbildung Rheumatologie
Die Weiterbildung vermittelt sowohl theoretisches Wissen als auch praktische Erfahrung. Neben den medizinischen Grundlagen werden auch Themen wie Ethik, Gesundheitsökonomie, Pharmakotherapie, Patientensicherheit und Qualitätssicherung behandelt.
Theoretische Kenntnisse
- Naturwissenschaftliche Grundlagen: Umfassende Kenntnisse in Anatomie, Biochemie, Physiologie, Biomechanik, Genetik, Immunologie sowie Zell- und Molekularbiologie
- Krankheitslehre: Tiefgreifendes Wissen über rheumatische Erkrankungen (Epidemiologie, Ätiologie, Pathogenese, Diagnostik und Therapie)
- Pharmakologie: Spezielle Kenntnisse in der Behandlung mit immunmodulatorischen Substanzen sowie medikamentöser Schmerztherapie
- Lebensphasen: Wissen über altersspezifische Probleme (Kindheit bis Geriatrie) und Besonderheiten während der Schwangerschaft
- Interdisziplinäre Ansätze:
- Grundlagen der Psychosomatik
- Physiotherapeutische Methoden (Erstellung und Überwachung von Programmen)
- Operative Möglichkeiten der Chirurgie am Bewegungsapparat (inkl. Zweitmeinungskompetenz)
- Kenntnisse über komplementärmedizinische Methoden (Nutzen/Risiken)
- Diagnostische Verfahren:
- Stellenwert neuro-physiologischer Untersuchungen (z. B. Elektroneuromyographie)
- Anwendung und Interpretation von Scores/Assessments (DAS, RADAI, WOMAC, HAQ)
- Interpretation von Immun- und Infektserologie
- Spezielle Therapien & Hilfsmittel:
- Kenntnisse über Synoviorthese und orthopädische Hilfsmittel
- Palliativmedizinische Möglichkeiten bei schweren Systemerkrankungen (Fatigue, Schmerz, Mobilität)
- Wissenschaft: Methoden der Forschung und kritische Analyse von Publikationen
Praktische Kenntnisse
- Klinische Kernkompetenzen:
- Erhebung fachspezifischer Anamnesen und Durchführung klinischer Untersuchungen
- Beurteilung und Betreuung von Patienten aus fachlich benachbarten Disziplinen
- Bildgebung & Funktionsdiagnostik:
- Indikationsstellung und Beurteilung (Röntgen, CT, MRI, Szintigraphie, PET)
- Kompetenz in der Knochendichtemessung
- Ultraschall am Bewegungsapparat (inkl. Zertifizierung und 200 supervidierten Untersuchungen)
- Indikation und Interpretation der Kapillarmikroskopie
- Interventionen & Labor:
- Durchführung von Punktionen, Infiltrationen und Injektionen (vorgeschriebene Fallzahlen, teils sonographisch kontrolliert)
- Mikroskopische Untersuchung der Synovialflüssigkeit
- Notfall & Rehabilitation:
- Management rheumatologischer Notfälle
- Kompetenz in der Rehabilitation bei Krankheiten des Stütz- und Bewegungsapparates
- Versicherungsmedizin:
- Erstellung von Gutachten (IV, SUVA etc.) unter Berücksichtigung der gesetzlichen Grundlagen
- Nachweis spezifischer Gutachten oder entsprechender Kursmodule (SIM)
Facharztprüfung Rheumatologie
Die Facharztprüfung in Rheumatologie besteht aus einer schriftlichen und einer mündlich-praktischen Prüfung:
Schriftliche Prüfung:
- 80 Multiple-Choice-Fragen, Dauer drei Stunden, Sprache Englisch.
Mündlich-praktische Prüfung:
- Dauer sechs bis sieben Stunden. Die Kandidaten beantworten neun umschriebene Fragen auf Basis klinischer Fälle oder Patientendokumente. Abgefragt werden Kenntnisse aus sämtlichen Weiterbildungsinhalten sowie praktische Fertigkeiten in der Untersuchungstechnik und der Beurteilung bildgebender Verfahren.
Die Prüfung kann in Deutsch, Französisch oder Italienisch durchgeführt werden. Auf Wunsch des Kandidaten ist auch Englisch möglich.
Prüfungsgebühren:
- Schriftlich: CHF 600
- Mündlich: CHF 900
Beide Prüfungen müssen bestanden werden, um den Facharztitel zu erlangen.
Jobs als Arzt in der Rheumatologie
Fachärzte für Rheumatologie arbeiten in der Schweiz in unterschiedlichen medizinischen Einrichtungen:
- Universitäts- und Kantonsspitälern
- Rehabilitationskliniken
- Rheumatologischen Fachpraxen
- Reha- oder Schmerzambulanzen
- Militärischen oder versicherungsmedizinischen Institutionen
Darüber hinaus sind Rheumatologen in Forschung und Lehre tätig, etwa an Universitäten oder in klinischen Studien.
Da die Zahl der rheumatischen Erkrankungen mit der alternden Bevölkerung zunimmt, sind die Berufsaussichten sehr gut. Der Facharzttitel Rheumatologie FMH bietet ein breites Spektrum an Karrieremöglichkeiten – von der klinischen Patientenversorgung bis hin zu wissenschaftlicher Arbeit und Leitungsfunktionen.
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Häufige Fragen zur Weiterbildung zum Facharzt für Rheumatologie
- Wie lange dauert die Facharztweiterbildung Rheumatologie in der Schweiz?
- Welche Voraussetzungen brauche ich, um in der Schweiz Rheumatologe zu werden?
- Wie sind die Berufsaussichten für Rheumatologen in der Schweiz?
Die Weiterbildung zum Facharzt für Rheumatologie dauert in der Schweiz insgesamt sechs Jahre und kombiniert Innere Medizin, spezialisierte Rheumatologie und ein Jahr in verwandten Fächern.
Voraussetzung für Beginn und erfolgreichen Abschluss einer Facharztausbildung in Rheumatologie sind: ein eidgenössisches oder anerkanntes Arztdiplom, klinische Erfahrung in Innerer Medizin sowie ein geführtes Logbuch.
Zusätzlich sind SGR-Fortbildungen, der Fähigkeitsausweis Strahlenschutz und das Bestehen der Facharztprüfung erforderlich.
Durch die alternde Bevölkerung und viele chronische Erkrankungen des Bewegungsapparats besteht eine hohe Nachfrage nach Rheumatologen.
Dies führt zu sehr guten Jobchancen in Spitälern, Praxen, Reha-Kliniken sowie in Forschung, Lehre und Versicherungsmedizin.











