
Der Facharzt für Angiologie ist Spezialist für das menschliche Gefässsystem und befasst sich Aufbau, Funktion und Erkrankungen von Venen, Arterien und dem Lymphsystem. Er ist im ambulanten sowie im stationären Bereich tätig und betreut Patienten mit akuten sowie chronischen Gefässerkrankungen. Dazu ist neben medizinischem Fachwissen auch ein hohes Mass an sozialer Kompetenz erforderlich.
Inhaltsverzeichnis
Die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten für ihre Arbeit erwerben Fachärzte für Angiologie in der zugehörigen Facharztausbildung. Dieser Beitrag fasst sämtliche Infos zur Weiterbildung und zur Tätigkeit als Angiologe in der Schweiz zusammen.
Das Wichtigste in Kürze
Fachprofil und Tätigkeiten: Angiologen diagnostizieren und behandeln Erkrankungen von Arterien, Venen und Lymphgefässen (z.B. pAVK, Varikose, Thrombosen, Lymphödeme, diabetischer Fuss) mit Schwerpunkt auf Ultraschall- und Katheter-gestützten Verfahren.
Weiterbildung in der Schweiz: Die Weiterbildung zum Facharzt für Angiologie dauert 6 Jahre (3–4 Jahre Angiologie, 2 Jahre nicht-fachspezifisch Innere Medizin/andere Fächer) und erfordert u.a. umfangreiche Duplexsonographie-, Angiographie- und interventionelle Erfahrungen sowie mehrere Fähigkeitsausweise.
Arbeitsorte: Angiologen arbeiten vor allem in Spitälern und spezialisierten Gefässzentren sowie in (Gruppen-)Praxen mit ambulanter Betreuung und enger interdisziplinärer Zusammenarbeit (v.a. Kardiologie, Gefässchirurgie, Radiologie, Neurologie).
Facharzt Angiologie – Tätigkeiten und Zuständigkeit
Die Angiologie ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin und befasst sich mit dem Gefässsystem des Menschen – also Arterien, Venen und Lymphgefäßen. Fachärzte für Angiologie arbeiten im Krankenhaus, in Praxen oder in spezialisierten Gefäßzentren. Ihr Arbeitsgebiet umfasst Diagnose, Behandlung und Prävention von Gefäßerkrankungen. Dazu gehören unter anderem arterielle Verschlusskrankheiten, Gefäßverengungen, Krampfadern, Thrombosen und Lymphödeme. Sie behandeln auch Folgeerkrankungen anderer Krankheiten, wie das diabetische Fußsyndrom.
Zur Diagnostik nutzen Angiologen körperliche Untersuchungen und bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Doppler/Duplex), Angiografie, MRT oder CT. Die Therapie kann medikamentös, physikalisch (zum Beispiel Kompression) oder invasiv erfolgen – etwa durch Aufweiten verengter Gefäße oder das Einsetzen von Stents.
Angiologen arbeiten häufig interdisziplinär mit Kardiologen, Gefäßchirurgen, Neurologen und Radiologen zusammen. mehr zur Tätigkeit, Karriere und Gehalt hier:
Übersicht aller Facharztausbildungen und Fachrichtungen:
Weiterbildung Facharzt Angiologie – Voraussetzungen
Zugelassen zur Weiterbildung zum Facharzt für Angiologie werden ausschliesslich Ärzte mit eidgenössischem (oder einem vom BAG anerkannten ausländischen) Arztdiplom.
Weiterbildung Facharzt für Angiologie – Dauer und Gliederung
Die Weiterbildung zum Facharzt für Angiologie dauert in der Regel sechs Jahre. Sie gliedert sich in folgende Abschnitte:
3 bis 4 Jahre fachspezifische Weiterbildung
Dieser Abschnitt wird direkt in der Angiologie absolviert. Mindestens ein Jahr der fachspezifischen Weiterbildung ist an einer anerkannten Weiterbildungsstätte der Kategorie A zu erbringen. Dazu zählen unter anderem Spitäler, Kliniken, medizinische Institute und Spezialanstalten und Ambulatorien. Bis zu sechs Monate Praxisassistenz in einer anerkannten Arztpraxis können angerechnet werden, davon maximal zwei Wochen als Stellvertretung. Weiterhin ist eine angiologische Forschungstätigkeit von bis zu sechs Monaten anrechenbar.
2 Jahre nicht-fachspezifische Weiterbildung
Mindestens ein Jahr der nicht fachspezifischen Weiterbildung im Bereich Allgemeine Innere Medizin ist ebenfalls an einer anerkannten Weiterbildungsstätte der Kategorie A, B oder I zu absolvieren. Ein Facharzttitel der Allgemeinen Inneren Medizin ist gleichwertig.
Für das Wahljahr stehen die folgenden Fachbereiche zur Auswahl:
- Allgemeine Innere Medizin
- Dermatologie und Venerologie
- Gefässchirurgie
- Hämatologie
- Herz- und thorakale Gefässchirurgie
- Kardiologie
- Radiologie
- Rheumatologie
Als Alternative zur klinischen Weiterbildung können sich angehende Fachärzte eine MD/PhD-Ausbildung von maximal einem Jahr anrechnen lassen.
Zusatzmöglichkeiten
Zusätzlich müssen innerhalb der Weiterbildung zum Facharzt für Angiologie folgende Leistungen erbracht werden:
- Teilnahme an mindestens drei Kongresstagen an Jahreskongressen der Union der Schweizerischen Gesellschaft für Gefässkrankheiten (USGG)
- Absolvieren des Kurses „Advanced Cardiac-Life-Support”
- Fähigkeitsausweis “Sonographie SGUM”
- Fähigkeitsausweis “Strahlenschutz in der Angiologie (SGA“
- Fähigkeitsausweis „Interventionelle Angiologie (SGA)“
Facharzt für Angiologie – Inhalte der Weiterbildung
Die Weiterbildung zum Facharzt für Angiologie vermittelt ein breites Spektrum an Inhalten. Während der fachspezifischen Weiterbildung erlernen die angehenden Fachärzte theoretische Kenntnisse über normale und pathologische Anatomie, Physiologie und Pharmakologie des Gefäss- und Kreislaufsystems, Grundlagen, Risikofaktoren und Präventionsmöglichkeiten der Gefässkrankheiten.
Praktische Kenntnisse
- Detaillierte Kenntnisse der organischen und funktionellen Krankheiten des Gefässsystems
- Fähigkeit, Anamnese und Status bei Patientinnen und Patienten mit Gefässkrankheiten aufzunehmen
- Kenntnis der wichtigsten Krankheiten in der Differentialdiagnose der Gefässkrankheiten
- Fähigkeit, einen angiologischen Abklärungsplan aufzustellen, durchzuführen und die entsprechenden differentialdiagnostischen und therapeutischen Folgerungen zu ziehen
- Kompetenz in der Kompressionstherapie inklusive Anmessen / Abgeben von Kompressionsmaterialien im Bereich der oberen und unteren Extremität
Diagnostische Methoden
Theoretische Kenntnisse, Indikationsstellung und Interpretation sowie selbständige praktische Durchführung folgender instrumenteller Methoden:
- Segmentale Oszillographie der oberen- und unteren Extremitäten
- nichtinvasive Messung des peripheren Arteriendruckes der oberen und unteren Extremitäten
- Anwendung von CW-Doppler-Ultraschall bei Erkrankungen von Arterien und Venen
- CW-dopplersonographisches Messen des Knöchel-Arm-Indexes (ABI)
- CW-Dopplersonographische und duplexsonographische Messungen unter Belastung/Provokationsstellung
- transkutane O2-Partialdruckmessung
- Gehprobe auf dem Laufbandergometer
- Kapillarmikroskopie
- Bildgebende und hämodynamische Ultraschall-Gefässuntersuchungen (unter Anleitung durchgeführt und dokumentiert). Insgesamt sind mindestens 1250 duplexsonographische Untersuchungen durchzuführen. Kenntnisse der speziellen vaskulären Ultraschalltechniken wie funktionelle Duplexsonographie, Messung und Gradierung von Stenosen, Flussvolumenmessung, Perfusionsmessung (CEUS), 3D-Gefässultraschall. In jedem der 4 Gefässterritorien müssen mindestens 250 duplexsonographische Untersuchungen (je die Hälfte der Untersuchungen muss supervidiert sein):
- periphere Arterien
- periphere Venen
- abdominelle Gefässe
- supraaortale Gefässe
- Umfassende Abklärung und Interpretation von Risikofaktoren (Beispiele: Messung von Intima-Media-Dicke, Mediakalzinose, Knöchel-Arm-Index (ABI), Interpretation von Lipid- und Glukoseprofilen)
Theoretische Kenntnisse, Indikationsstellung und Wertung folgender Methoden
- digitale und konventionelle Angiographien
- Angio-Computertomographie- und Magnetresonanz-Angiographien
- Phlebographien, als Basis und im Rahmen der Lumen eröffnenden invasiven venösen Therapie
- Plethysmographie
- Lymphographien
- nuklearmedizinische Methoden
- direkte arterielle Druckmessung
- spezielle Mikrozirkulationsuntersuchungen
- direkte dynamische Venendruckmessung
- haemostaseologische Untersuchungen
Angiographien
Der Kandidat ist als Assistent anwesend bei mindestens 60 diagnostischen und 60 therapeutischen Angiographien. Eingriffe als Operateur sind für diejenigen Kandidaten vorgesehen, die den Fähigkeitsausweis „Interventionelle Angiologie (SGA)“ anstreben.
Diagnostische Angiographien:
- Konventionelle Angiographien und digitale Substraktionsangiographien
- Diagnostische Phlebographien
- Kontrollangiographien / Phlebographien nach erfolgter chirurgischer oder endovaskulärer Behandlung
- Angiographien während PTAs/Stent-Implantationen
Therapeutische Angiographien:
- Sondieren von Zielgefässen unter Durchleuchtungs- oder Sonographiekontrolle
- Vorschieben von Dilatationskathetern (arteriell oder venös) unter Durchleuchtungs- oder Sonographiekontrolle
- Perkutane kathetertechnische Angioplastien / Stenteinlagen in Becken- und Beinarterien sowie Nieren- und Viszeralarterien
Andere therapeutische Massnahmen
Zu den weiteren therapeutischen Massnahmen gehört zum einen die Anwesenheit bei mindestens 10 endovenösen Katheter-basierten Bein-Varizenbehandlungen. Diese sind entweder als Assistent oder als durchführender Therapeut unter Supervision eines Trägers des Fähigkeitsausweises „Endovenöse thermische Ablation von Stammvenen bei Varikose“ erforderlich. Diese können zum Erwerb dieses Fähigkeitsausweises angerechnet werden.
Auch die Anwesenheit bei mindestens 20 Sklerotherapien (flüssig oder mittels Schaum) und mindestens 20 Phlebektomien als Assistent oder als durchführender Therapeut unter Supervision ist erforderlich.
Dazu kommt die Kompetenz in der selbständigen klinischen Indikation, in der Durchführung und in der Überwachung folgender Behandlungen:
- Risikofaktoren (Hypertonie, Hyperlipidämie, Diabetes, Nikotinabusus)
- Antikoagulation, insbesondere auch Einsatz der direkten oralen Antikoagulantien (DOAK) und zusätzlich möglichen Arten der Antikoagulation inklusive periinterventionelles Management, Dauer und Intensität der Medikation. Thrombozytenaggregationshemmung. Lysetherapie.
- vasoaktive Medikamente
- konservative Behandlung arteriell bedingter peripherer Nekrosen
- Gehtraining bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit
- konservative Behandlung der chronischen venösen Insuffizienz
- Kenntnisse der Wundbehandlung
- Kenntnisse der Bandagierung
- Kenntnisse und Kompetenz, Kompressionsstrümpfe anzumessen, diese zu verordnen / abzugeben
- Therapie von Varizen (Sklerosierung, Mini-Phlebektomie, Kompression)
- Therapie der Varikophlebitis / der oberflächlichen Beinvenenthrombosen
- konservative Behandlung des primären, sekundären und lokalen Lymphödems
- Medikamentöse Therapie und Management der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie
- Infusionen von vasoaktiven gefässerweiternden Medikamenten
- Kenntnisse der endovenösen Katheter-basierten Bein-Varizentherapie
- Therapie von lokalen perkutaner Katheterkomplikationen (Aneurysma spurium)
- AV-Fistelmapping und AV-Fistelbeurteilung bei Hämodialyseproblemen
Kenntnis der Indikation, Überwachung und Verlaufskontrolle folgender Behandlungen:
- physiotherapeutische Massnahmen bei Gefässkrankheiten
- intermittierende pneumatische Kompression bei arteriellen und venösen Erkrankungen
- perkutane transluminale Kathetertherapie (arteriell und venös)
- rekonstruktive Gefässchirurgie (Thrombendarteriektomie (TEA), periphere Bypässe, offene und endovaskuäre Aortenprothesen thorakal und abdominal)
- intraoperative Sonographie bei Gefässoperationen
- hohe Amputation
- Grenzzonenamputationen
- Venenchirurgie des oberflächlichen und tiefen Systems
- Intraarterielle Infusionen
- Lappenplastik (vor allem präoperative Abklärung mittels Perforatorenmarkierung)
- Nierentransplantation (duplexsonographische prä-, intra- und postoperative Kontrolle)
- Gefässmalformationen und Gefässtumore
- Diabetisches Fuss-Syndrom
Weiterbildung Facharzt Angiologie – Facharztprüfung
Den Facharzttitel dürfen Mediziner erst nach erfolgreich bestandener Facharztprüfung tragen. Die Prüfung ist in allen Fachbereichen obligatorisch und wird von den jeweiligen Fachgesellschaften organisiert. Im Fachgebiet Angiologie fällt diese Aufgabe der Schweizerischen Gesellschaft für Angiologie/Gefässmedizin zu.
Die Prüfung zum Facharzt für Angiologie besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Während der schriftlichen Prüfung beantworten die Kandidaten 80 Multiple Choice-Fragen in 120 Minuten. Die Fragen umfassen die Teilgebiete Theorie, Erkrankungen des arteriellen Systems, Erkrankungen des tiefen und des oberflächlichen Venensystems und Erkrankungen des Lymphsystems.
Der zweite Teil ist als mündlich strukturierte Prüfung zu absolvieren. Innerhalb von 20 bis 30 Minuten müssen die Kandidaten anhand von mindestens drei Patientendokumentationen eine klinische Entscheidung treffen und eine Duplex-Ultraschalluntersuchung durchführen.
Dokumentation und Logbuch
Während der Facharztweiterbildung wird ein elektronisches Logbuch geführt. Dort werden Lernziele, Weiterbildungszeiten, durchgeführte Eingriffe, besuchte Kurse/Kongresse und andere relevante Aktivitäten dokumentiert. Es dient zur Überprüfung des Ausbildungsstandes und ist Voraussetzung für die Zulassung zur Facharztprüfung.
Facharzt Angiologie – Passende Jobs
Angiologen arbeiten vor allem in Krankenhäusern und spezialisierten Gefäßzentren, wo sie diagnostische und therapeutische Eingriffe durchführen. Viele sind auch in Praxen oder Gruppenpraxen tätig und betreuen Patienten ambulant. Da die Behandlung von Gefäßerkrankungen häufig mehrere Fachrichtungen betrifft, arbeiten Angiologen oft eng mit Kardiologen, Gefäßchirurgen, Neurologen und Radiologen zusammen.
Jobs als Arzt in der Angiologie
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Häufige Fragen zur Facharztausbildung Angiologie
- 1. Wie läuft die Weiterbildung zum Facharzt für Angiologie in der Schweiz ab?
- 2. Wo arbeiten Angiologen in der Schweiz am häufigsten und wie sind die Jobchancen?
- 3. Wie entwickelt sich das Gehalt für Angiologen in Schweizer Spitälern und Praxen?
Die Weiterbildung in der Schweiz umfasst insgesamt 6 Jahre mit 3 bis 4 Jahren fachspezifischer Angiologie und 2 Jahren nicht-fachspezifischer Weiterbildung in Innerer Medizin oder verwandten Fächern. Ein Teil muss an anerkannten Weiterbildungsstätten der Kategorie A, B oder I absolviert werden, inklusive Nachweis zahlreicher Duplex- und Angiographieprozeduren.
Angiologen finden Stellen vor allem in Akutspitälern, Universitätskliniken und spezialisierten Gefässzentren in Ballungsräumen wie Zürich, Bern, Basel oder Lausanne sowie in angiologischen Praxen. Durch die alternde Bevölkerung und die hohe Prävalenz vaskulärer Erkrankungen sind die Jobchancen in der Angiologie in der gesamten Schweiz sehr gut.
Das Einkommen von Angiologen in der Schweiz hängt von Kanton, Spitalstufe, Dienstalter und Funktion (Assistenzarzt, Oberarzt, Leitender Arzt, Chefarzt) sowie von einer allfälligen Tätigkeit in Praxis oder Gruppenpraxis ab. Allgemeine Informationen zu Lohnbändern und Verdienstmöglichkeiten für Ärzte in der Schweiz finden sich in den speziellen Arztlohn-Übersichten.









