
Die Weiterbildung zum Facharzt für Pneumologie umfasst die Prävention, Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Lunge und Atemwege. Sie dauert sechs Jahre und gliedert sich in Allgemeine Innere Medizin sowie eine fachspezifische pneumologische Ausbildung. Inhalte sind theoretische Kenntnisse, praktische Fertigkeiten und klar definierte Mindestzahlen an Untersuchungen. Den Abschluss bildet eine strukturierte Facharztprüfung mit mündlichem und schriftlichem Teil. Im Folgenden werden Tätigkeiten, Weiterbildungsinhalte, Aufbau und Prüfung im Überblick dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste auf einen Blick
Voraussetzungen: Eidgenössisches Arztdiplom oder anerkanntes ausländisches Diplom, Weiterbildungsstelle an SIWF-anerkannter Institution
• Gesamtdauer: 6 Jahre ärztliche Weiterbildung
• Aufbau: 3 Jahre Allgemeine Innere Medizin, 2-3 Jahre Pneumologie, bis zu 1 Jahr optionale Anrechnung (z. B. Intensivmedizin oder Forschung)
• Inhalte: Theoretische und praktische Kompetenzen in Prävention, Diagnostik und Therapie von Lungenerkrankungen, Schlaf- und Beatmungsmedizin
• Zusatzanforderungen: Teilnahme an mindestens zwei pneumologischen Fachkongressen; Dokumentation: Verpflichtende Führung eines Logbuchs
• Abschluss: Facharztprüfung mit mündlichem und schriftlichem Teil
Facharzt Pneumologie – Tätigkeiten
Ein Facharzt für Pneumologie beschäftigt sich in seinem Berufsalltag mit der Struktur und Funktion der gesunden als auch kranken Atmungsorgane. Als Pneumologe behandelt man Patienten mit Atemwegs- oder Lungenerkrankungen. Dazu zählen Krankheiten wie zum Beispiel Asthma, Lungenentzündungen, Lungenembolien, chronische Bronchitis, Bronchialkarzinom (Lungenkrebs) oder Tuberkulose.
Die Tätigkeit in der Pneumologie umfasst die Prävention, die diagnostische und therapeutische Massnahmen zur Behandlung von Lungenerkrankungen. Pneumologen klären vorbeugend über Krankheiten auf, erstellen Behandlungspläne, führen medizinische Massnahmen durch, bedienen die nötigen medizinisch-technischen Geräte, interpretieren die Ergebnisse und beraten Patienten und Angehörige. Dabei arbeiten sie ebenfalls mit anderen Fachgebieten zusammen, zum Beispiel mit der Allergologie/Immunologie, Intensivmedizin, Schlafmedizin, Arbeitsmedizin und Thoraxchirurgie. Mehr zu Arbeit, Karriere und Gehalt in der Facharztrichtung hier:
Übersicht aller Facharztausbildungen und Fachrichtungen:
Weiterbildung Facharzt Pneumologie – Voraussetzungen
Um die Weiterbildung in Pneumologie in der Schweiz beginnen zu können, müssen klare formale Voraussetzungen erfüllt sein. Zwingend erforderlich ist ein eidgenössisches Arztdiplom oder ein vom Bundesamt für Gesundheit anerkanntes ausländisches Medizinstudium. Erst danach ist der Einstieg in die ärztliche Weiterbildung möglich.
Zusätzlich muss eine Weiterbildungsstelle an einer vom SIWF anerkannten Weiterbildungsstätte vorliegen. Persönlich setzt die Weiterbildung ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein, Belastbarkeit sowie Interesse an internistischer und technisch-diagnostischer Medizin voraus.
Weiterbildung Facharzt Pneumologie – Dauer und Gliederung
Die Weiterbildung zum Pneumologen gliedert sich in drei Bereiche und dauert im Gesamten sechs Jahre:
- Die fachspezifische klinische Weiterbildung in der Pneumologie dauert zwei bis drei Jahre. Mindestens zwei Jahr davon muss man allerdings im gesamten Spektrum der klinischen Pneumologie absolvieren. Davon wiederum muss ein Jahr an einer anerkannten Weiterbildungsstätte der Kategorie A absolviert werden. Bis zu sechs Monate können in der fachspezifischen Weiterbildung als Praxisassistenz in einer anerkannten Arztpraxis angerechnet werden (davon vier Wochen als Stellvertretung).
- Weitere drei Jahre verbringen angehende Pneumologen in der klinischen Allgemeinen Inneren Medizin, dem nicht-fachspezifische Teil der Weiterbildung. Ein Wechsel der Weiterbildungsstätte während der Weiterbildung ist möglich und auch erwünscht.
- Optionales Jahr: Angehende Pneumologen können sich bis zu einem Jahr in der Intensivmedizin oder eine pneumologische Forschungstätigkeit anrechnen lassen. Dabei wird empfohlen vorab die Titelkommission anzufragen. Alternative: maximal ein Jahr einer abgeschlossenen MD/PhD Ausbildung. Die Tätigkeit muss nicht unbedingt auf dem Gebiet des angestrebten Facharzttitels sein.
Neben den Fachbereichen ist ausserdem die Teilnahme an Kongressen geregelt. Mindestens zwei Jahresversammlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Pneumologie oder zwei analoge Veranstaltungen im Ausland müssen die Ärzte während der Weiterbildung besucht haben. Grundsätzlich müssen die Ärzte in Weiterbildung regelmässig Logbuch führen.
Weiterbildung Facharzt Pneumologie – Inhalt
Die Weiterbildung in der Pneumologie vermittelt ein umfassendes Kompetenzspektrum, das theoretisches Fachwissen und praktische Fertigkeiten systematisch miteinander verbindet. Ziel ist es, angehende Pneumologen zur selbstständigen und verantwortungsvollen Tätigkeit im gesamten Fachgebiet zu befähigen. Die Inhalte orientieren sich dabei am Weiterbildungsprogramm des SIWF und decken alle relevanten diagnostischen, therapeutischen und präventiven Bereiche ab. Folgende Liste deckt die theoretischen und praktischen Kompetenzen, die während der Weiterbildung erlernt werden, ab:
Theoretische Kompetenzen
- Kenntnisse der Anatomie, Physiologie, pathologischen Anatomie und Pathophysiologie der Atmungsorgane
- Verständnis der in der Pneumologie verwendeten labortechnischen und bildgebenden diagnostischen Verfahren
- Kompetenz in Prävention, Diagnostik und Therapie von Lungen- und Pleuraerkrankungen, besonders der allergischen, immunologischen, berufsbedingten, neoplastischen Lungenkrankheiten
- Kompetenz in Prävention, Diagnostik und Therapie von infektiösen Lungenkrankheiten, einschliesslich der Tuberkulose und deren Resistenzprobleme
- Verständnis der chirurgischen, chemo- und radiotherapeutischen Behandlungsprinzipien von Lungenkrankheiten
- Fähigkeit, wissenschaftliche Arbeiten kritisch zu analysieren, zu interpretieren und zusammenzufassen
- Detaillierte Kenntnisse der organischen und funktionellen Krankheiten der Atmungsorgane und des Lungenkreislaufes
- Kompetenz in Schlafmedizin
- Kompetenz in respiratorischer Intensivmedizin und Intermediate Care
- Kompetenz in der Prophylaxe von Lungenkrankheiten (Berufskrankheiten, Allergie, Infektionskrankheiten, Luftverschmutzung, Raucherentwöhnung)
- Kompetenz in der Behandlung und Prävention der Tuberkulose
- Kompetenz in der der Diagnostik von berufsbedingten Lungenerkrankungen
- Kompetenz in der Diagnostik und Behandlung von Lungenembolien und pulmonal-arterieller Hypertonie (inkl. Anwendung der Antikoagulation und Beurteilung von Rechtsherzkatheterbefunden)
- Fähigkeit zur richtigen Einschätzung von Indikation, Wirkungsweise, Risiko und Kosten/Nutzen-Verhältnis diagnostischer, und therapeutischer Massnahmen
- Kompetenz in der pulmonalen Rehabilitation
Praktische Kompetenzen und Fertigkeiten
- Klinische Untersuchungsmethoden;
- Selbständige Interpretation von Thorax-Röntgenbildern (inklusive CT des Thorax) und Fähigkeit zur kritischen Diskussion anderer bildgebender Methoden
- Interpretation mikroskopischer Untersuchungen von Sputum, Pleuraflüssigkeit und bronchoalveolärer Lavage
- Kenntnisse der allgemeinen Allergologie und klinischen Immunologie, Interpretation immunserologischer Untersuchungen sowie der entsprechenden präventiven und therapeutischen Methoden
- Kenntnisse von Spezialtherapien: Rehabilitation, Aerosole und Inhalationstechniken, Atemphysiotherapie, Sauerstofftherapie, CPAP-Therapie, nicht-invasive Ventilation (NIV) bei akuten und chronischen Atmungsproblemen und mechanische Heimventilation
- Kenntnisse der pharmazeutischen Produkte und Substanzen, die heute in der Diagnostik und Therapie in der Pneumologie und benachbarten Spezialitäten Verwendung finden (Pharmakokinetik, Neben- und Wechselwirkungen; einschliesslich des therapeutischen Nutzens (Kosten-Nutzenrelation)), sowie der rechtlichen Grundlagen für die Verschreibung und Kontrolle von Medikamenten in der Schweiz
- Selbständige Durchführung und Interpretation von respiratorischen Polygraphien und Therapie nächtlicher Atemstörungen
- Kenntnisse über die Möglichkeiten und Limiten der Thorakoskopie und Thorakotomie
- Kenntnisse der Möglichkeiten und Grenzen der interventionellen Bronchoskopie
- Kenntnisse der Möglichkeiten und Grenzen der Endosonographie (Endobronchialer Ultraschall EBUS)
- Beherrschen von Technik und Interpretation der Basis – Lungenfunktionsprüfung wie Spirometrie,Blutgasanalyse, Messung der Diffusionskapazität für CO, Interpretation bodyplethysmographischer Untersuchungen, transkutane Oxymetrie, 6-Minutengehtest, Ergospirometrie und unspezifische Bronchoprovokationsteste, Interpretation der Atemmechanik
- Selbständiges Durchführen von flexiblen Laryngoskopien (Empfehlung: mind. 100), flexiblen Bronchoskopien und invasiver diagnostischer Massnahmen wie Bronchialschleimhautbiopsie, transbronchiale Biopsie, transbronchiale Feinnadelaspiration und bronchoalveoläre Lavage
- Beherrschung der Pleurasonographie, Pleurapunktion und Pleurabiopsie sowie -drainage
- Beherrschen von Technik und Interpretation der Larynx-pH-Metrie
- Beherrschung der Diagnostik und Therapie der Lungenembolien und pulmonal-arteriellen Hypertonie
- Durchführung und Interpretation von Prick-Tests mit Aeroallergenen sowie Tuberkulintest oder andere Teste zur Tuberkuloseabklärung
- Selbständiges Abfassen pneumologischer Gutachten
Facharztprüfung Pneumologie
Um die Facharztprüfung in der Pneumologie abzuschliessen, müssen die Kandidaten eine strukturierte mündliche Prüfung und eine schriftliche Prüfung absolvieren. Die mündliche Prüfung basiert auf einer Diskussion über mehrere Patientendossiers. Dabei werden die Fallbeschreibungen, Laborbefunde, Röntgenbilder, funktionelle Untersuchungen, sowie weitere Illustrationen verwendet. Die Dauer der Prüfung beträgt 60 bis 90 Minuten. Auf Wunsch des Kandidaten kann die Prüfung in deutscher oder französischer Sprache erfolgen. Italienisch ist ebenfalls möglich, vorausgesetzt es ist ein italienisch-sprachiger Examinator verfügbar. Wenn der Kandidat einverstanden ist, kann die Prüfung ausserdem auch auf Englisch stattfinden. Während der Prüfung wird Protokoll geführt. Auf Wunsch kann der Kandidat eine Kopie des Protokolls erhalten. Die Schriftliche Prüfung besteht aus 90 Multiple-Choice-Fragen, für welche die Kandidaten drei Stunden Zeit haben. Diese Prüfung erfolgt in englischer Sprache und findet am Ort des jeweiligen Jahreskongresses der ERS (European Respiratory Society) sowie zeitgleich zum Kongress statt.
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