
Wer als Facharzt arbeiten will, muss nach dem Studium eine Facharztausbildung absolvieren. Die Weiterbildung zum Facharzt oder zur Fachärztin dauert in der Schweiz je nach Fachrichtung in der Regel mindestens fünf Jahre. Darüber hinaus ist sie äußerst anspruchsvoll. Dieser Artikel beleuchtet diese wichtige Zwischenstation auf dem Weg in den Arztberuf.
Das Wichtigste in Kürze
- Voraussetzung: Abgeschlossenes Medizinstudium mit eidgenössischem Arztdiplom oder anerkanntem Auslandsabschluss
- 45 Facharzttitel möglich, z. B. Allgemeine Innere Medizin, Chirurgie oder Kardiologie, plus 52 privatrechtliche Schwerpunkte wie Geriatrie oder Neonatologie und 7 interdisziplinäre Schwerpunkte
- Weiterbildungsdauer: Mindestens 5 bis 6 Jahre an anerkannten Stätten (SIWF-Liste), inklusive e-Logbuch und arbeitsplatzbasierter Assessments (AbA)
- Facharztprüfung: Schriftlich (MC-Fragen Englisch) und mündlich, Anmeldung mit Fristen – „Praktischer Arzt“ (3 Jahre) verkürzt Zeit in manchen Fächern
- Nächster Schritt: SIWF-Website für Weiterbildungsstätten, Logbuch und Prüfungen nutzen
Voraussetzungen
Um eine Weiterbildung zum Facharzt oder zur Fachärztin in der Schweiz zu beginnen, ist ein abgeschlossenes Studium der Humanmedizin notwendig. Studierende in der Schweiz erwerben bei erfolgreichem Abschluss des Medizinstudiums das eidgenössische Arztdiplom. Dieser Abschluss ermöglicht es den angehenden Ärzten, bereits unselbstständig in einer Arztpraxis oder einem Spital tätig zu sein. Das Arztdiplom gilt gleichermaßen als Voraussetzung für die Facharztweiterbildung.
Abschlüsse aus dem Ausland können ebenfalls anerkannt werden.
Weiterbildung: Praktischer Arzt
Zudem ist die Möglichkeit gegeben, den eidgenössischen Weiterbildungstitel “Praktischer Arzt” zu erwerben. Hiermit erhalten die Ärzte die Kompetenz, mit eigener Verantwortung im Gebiet der medizinischen Grundversorgung zu arbeiten. In diesem Zusammenhang ist die geforderte dreijährige Weiterbildung eine Minimalvorgabe, welche eine selbstständige ärztliche Tätigkeit in der ganzen Schweiz ermöglicht.
Durch die dreijährige Weiterbildung zum Praktischen Arzt ist aber noch keine fachärztliche Kompetenz bzw. ein Facharzttitel gegeben. Der Titel “Praktischer Arzt” ist überdies für den Erwerb des unten genannten Facharzttitels Allgemeine Innere Medizin relevant. Wer bereits “Praktischer Arzt” ist, kann durch die bereits erlangte Basisausbildung die Facharztprüfung in der Allgemeinen Inneren Medizin 3 Jahre früher ablegen.
Facharzttitel und Schwerpunktsetzung
Ärzte können in der Schweiz 45 unterschiedliche Facharzttitel erwerben. Im Zuge dessen spezialisieren sie sich in einem bestimmten Fachgebiet der klinischen und nicht-klinischen Medizin.
Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sich in 52 (Klinische Notfallmedizin und Wirbelsäulenchirurgie gibt es in mehreren Fachbereichen) weiteren privatrechtlichen Schwerpunkten und fortzubilden. Das dient einerseits der Vertiefung der individuellen Kenntnisse in einem Teilfachgebiet. Andererseits können Mediziner diverse sogenannte Fähigkeitsausweise erwerben. Die Ausweise belegen hierbei, dass Erfahrung über bestimmte Behandlungsmethoden, Untersuchungen und technische Fertigkeiten in Fortbildungsgängen gesammelt wurden.
Facharzttitel im Überblick
- Allergologie und klinische Immunologie
- Allgemeine Innere Medizin
- Anästhesiologie
- Angiologie
- Arbeitsmedizin
- Chirurgie
- Dermatologie und Venerologie
- Endokrinologie / Diabetologie
- Gastroenterologie
- Gefässchirurgie
- Gynäkologie und Geburtshilfe
- Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
- Hämatologie
- Handchirurgie
- Herz- und thorakale Gefässchirurgie
- Infektiologie
- Intensivmedizin
- Kardiologie
- Kinder- und Jugendmedizin
- Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
- Kinderchirurgie
- Klinische Pharmakologie und Toxikologie
- Medizinische Genetik
- Medizinische Onkologie
- Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
- Nephrologie
- Neurochirurgie
- Neurologie
- Nuklearmedizin
- Ophthalmologie
- Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
- Pathologie
- Pharmazeutische Medizin
- Physikalische Medizin und Rehabilitation
- Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
- Pneumologie
- Prävention und Public Health
- Psychiatrie und Psychotherapie
- Radiologie
- Radio-Onkologie / Strahlentherapie
- Rechtsmedizin
- Rheumatologie
- Thoraxchirurgie
- Tropen- und Reisemedizin
- Urologie
52 privatrechtliche Schwerpunkte
- Allgemeinmedizin:
- Geriatrie
- Klinische Notfallmedizin
- Anästhesiologie:
- Klinische Notfallmedizin
- Chirurgie:
- Chirurgische Senologie
- Klinische Notfallmedizin
- Spezialisierte Traumatologie
- Viszeralchirurgie
- Dermatologie: Dermatopathologie
- Gastroenterologie: Hepatologie
- Gynäkologie
- Operative Gynäkologie und Geburtshilfe
- Gynäkologische Onkologie
- Fetomaternale Medizin
- Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie
- Urogynäkologie
- Gynäkologische Senologie
- Hals-Nasen-Ohren Heilkunde (Oto-Rhino-Laryngologie):
- Hals- und Gesichtschirurgie
- Phoniatrie
- Herz- und thorakale Gefäßchirurgie
- Klinische Notfallmedizin
- Infektiologie: Infektionsprävention und -kontrolle
- Kinder- und Jugendmedizin:
- Pädiatrische Endokrinologie-Diabetologie
- Pädiatrische Gastroenterologie und Hepatologie
- Pädiatrische Kardiologie
- Neonatologie
- Pädiatrische Nephrologie
- Neuropädiatrie
- Pädiatrische Onkologie-Hämatologie
- Pädiatrische Pneumologie
- Pädiatrische Rheumatologie
- Entwicklungspädiatrie
- Kindernotfallmedizin
- Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie: Forensische Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
- Kinderchirurgie:
- Spezialisierte Kinderchirurgie
- Kindernotfallmedizin
- Neurochirurgie: Wirbelsäulenchirurgie
- Ophthalmologie: Ophthalmochirurgie
- Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates:
- Klinische Notfallmedizin
- Spezialisierte Traumatologie
- Wirbelsäulenchirurgie
- Pathologie:
- Zytopathologie
- Molekularpathologie
- Psychiatrie und Psychotherapie:
- Alterspsychatrie und -psychotherapie
- Konsiliar- und Liaisonpsychatrie
- Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
- Psychiatrie und Psychotherapie der Abhängigkeitserkrankungen
- Radiologie:
- Pädiatrische Radiologie
- Diagnostische Neuroradiologie
- Invasive Neuroradiologie
- Urologie:
- Neuro-Urologie
- Urologie der Frau
- Komplexe Endo-Urologie
- Rekonstruktive Urologie
- Onko-Urologie
Mehr dazu hier:
7 interdisziplinäre Schwerpunkte
Zusätzlich gibt es diese interdisziplinären Schwerpunkte, die für mehrere Fachrichtungen zugänglich sind:
- Ernährungsmedizin
- Interventionelle Schmerztherapie
- Manuelle Medizin
- Neuropathologie
- Palliativmedizin
- Psychosomatische und Psychosoziale Medizin
- Sport- und Bewegungsmedizin
Weiterbildungsstätten
Die Facharztausbildung erfolgt an anerkannten Weiterbildungsstätten. Dazu gehören beispielsweise Ambulatorien, Arztpraxen, Kliniken, Institute, Spezialanstalten und Spitäler. Die an diesen Weiterbildungsstätten absolvierte Facharztausbildung entspricht der EU-Richtlinie (Richtlinie 2005/36, Art. 25 Ziffer 2 und 3) und wird im europäischen Ausland anerkannt.
Auf der Website des SIWF (Schweizerisches Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung) kann man alle anerkannten Weiterbildungsstätten sowie die möglichen Weiterbildungen zur Fachärztin oder zum Facharzt einsehen. Überdies besteht die Möglichkeit, über eine Suchmaske gemäß eigener Kriterien zu suchen.
Hinweis zur Zeitplanung
e-Logbuch und arbeitsplatzbasierte Assessments
Das e-Logbuch ist ein elektronisches Logbuch, in welchem Assistenzärzte und Assistenzärztinnen ihre Weiterbildung dokumentieren. Somit bildet das e-Logbuch den Verlauf der Facharztausbildung ab.
Die im e-Logbuch erfassten Daten werden zentral beim SIWF gespeichert und können ferner als PDF heruntergeladen oder ausgedruckt werden.
Arbeitsplatz-basierte Assessments (AbA) dienen zur strukturierten Beurteilung der ärztlichen Tätigkeit im klinischen Alltag. AbA werden deshalb auch als Feedback-Instrument bezeichnet. Sie dienen überdies als Grundlage für Feedbackgespräche mit den Ausbildern. Dazu zählen etwa Mini Clinical Evaluation Exercise (Mini-CEX) oder Direct Observation of Procedural Skills (DOPS).
Assistenzärzte und Assistenzärztinnen sollen hierbei pro Kalenderjahr mindestens vier solcher AbA absolvieren. Ein AbA ist weniger als Prüfung, sondern vielmehr als eine individuelle Standortbestimmung zu verstehen. Das Ziel infolgedessen ist, die eigenen Lernmöglichkeiten aufzuzeigen.
Facharztprüfung
Das Bestehen der Facharztprüfung ist Voraussetzung für den Erwerb des Facharzttitels. Gestaltung, Dauer und Inhalt der Prüfung variieren dabei je nach Fachgebiet. Eine Prüfungszulassung erhalten ausschließlich Ärzte und Ärztinnen, die ein eidgenössisches Arztdiplom besitzen. Sofern ein ausländisches Diplom vom BAG anerkannt ist, dürfen ausländische Ärzte ebenso die Prüfung ablegen.
Grundsätzlich wird empfohlen, die Facharztprüfung im letzten Jahr oder nach Abschluss der Ausbildung zum Facharzt oder zur Fachärztin abzulegen. In einigen Fachbereichen sollte zudem den ersten schriftlichen Teil der Prüfung im ersten oder zweiten Jahr der Facharztweiterbildung anstreben.
Tipp
In der Regel bestehen die Prüfungen sowohl aus einem schriftlichen, als auch aus einem mündlichen Teil. Sie dauern ferner insgesamt mehrere Tage. Der schriftliche Teil besteht aus Multiple-Choice-Fragen in englischer Sprache. Für die Facharztprüfung wird außerdem eine Prüfungsgebühr fällig, die noch vor der Prüfung bezahlt werden muss. Eine Anmeldung zur Facharztprüfung ist notwendig. Die Anmeldefristen enden in der Regel mindestens zwei Monate vor dem Prüfungstermin.
Man muss allerdings beachten, dass in einigen Fachbereichen Bestimmungen gelten, wie lange die einzelnen Prüfungsteile auseinander liegen dürfen. So dürfen im Fachgebiet Neurologie zum Beispiel höchstens drei Jahre zwischen schriftlicher und mündlicher Prüfung vergehen.
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Viel Erfolg bei Deiner Facharztweiterbildung!
Häufige Fragen zur Facharztausbildung in der Schweiz
- Welche Voraussetzungen brauche ich für die Facharztweiterbildung in der Schweiz?
- Wie viele Facharzttitel und Schwerpunkte gibt es in der Schweiz?
- Was ist der „Praktische Arzt“-Titel und welchen Vorteil bringt er?
Du benötigst ein eidgenössisches Arztdiplom nach abgeschlossenem Medizinstudium oder eine Anerkennung deines Auslandsabschlusses. Danach kannst Du an anerkannten Weiterbildungsstätten starten.
Es gibt über 40 eidgenössische Facharzttitel (z. B. Anästhesiologie, Neurologie) und 37 privatrechtliche Schwerpunkte (z. B. Geriatrie, Pädiatrische Onkologie) für Spezialisierungen.
Nach 3 Jahren Weiterbildung erhältst du den Titel „Praktischer Arzt“ für grundversorgende Tätigkeiten. Er ermöglicht selbstständige Arbeit und verkürzt die Facharztprüfung in Allgemeiner Innerer Medizin um 3 Jahre. Man muss dafür noch eine Prüfung ablegen (die selbe wie für Innere Medizin, man besteht mit 10% weniger Punkten).









