
Die Facharztrichtung Rechtsmedizin ist ein spannendes, interdisziplinäres Feld, in dem sich Medizin, Wissenschaft und Justiz miteinander verbinden. Hier stehen nicht die Behandlung von Patienten, sondern die Aufklärung von Todesfällen, die Analyse von Verletzungen und die Erstellung von Gutachten im Mittelpunkt. Für viele Mediziner ist sie eine faszinierende Alternative zu klassischen klinischen Fächern – anspruchsvoll, analytisch und von grosser gesellschaftlicher Bedeutung.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Fachprofil und Aufgaben: Rechtsmedizin verbindet Medizin, Wissenschaft und Recht; Fokus auf Aufklärung von Todesfällen, Verletzungsanalysen und Gutachtenerstellung; vielfältige Aufgaben in Obduktionen, forensischer Toxikologie, Genetik und Forschung
- Weiterbildung in der Schweiz: mindestens 5 Jahre Weiterbildung nach Medizinstudium, davon 3 Jahre rechtsmedizinisch, 1 Jahr klinische Weiterbildung und 6 Monate in Pathologie
- Arbeitsorte: Einsatz an universitären/kantonalen rechtsmedizinischen Instituten, Polizei- und Justizbehörden, Laboren oder als Gutachter; Forschung und Lehre sind oft Teil der Tätigkeit
- Gehalt: Assistenzärzte verdienen durchschnittlich CHF 56'000 bis CHF 63'600; Fachärzte mit Erfahrung können über CHF 120'000 verdienen
Wie wird man Rechtsmediziner?
Der Weg zum Facharzt für Rechtsmedizin in der Schweiz führt über ein abgeschlossenes Medizinstudium und das eidgenössische Arztdiplom. Danach folgt die strukturierte Weiterbildung gemäss den Vorgaben des Schweizerischen Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF). Sie dauert mindestens fünf Jahre.
Von diesen fünf Jahren müssen mindestens drei an einer anerkannten rechtsmedizinischen Weiterbildungsstätte in der Schweiz absolviert werden. Ein Jahr entfällt auf eine klinische Weiterbildung – häufig in Innerer Medizin, Chirurgie, Psychiatrie oder Notfallmedizin. Zusätzlich ist ein halbes Jahr in Allgemeiner Pathologie vorgeschrieben. Diese Kombination sorgt dafür, dass angehende Fachärzte sowohl klinische als auch pathologische Zusammenhänge verstehen. Nach bestandener Prüfung verleiht das SIWF den Titel „Facharzt für Rechtsmedizin (FMH)“. Mehr zur Weiterbildung hier:
Übersicht aller Facharztausbildungen und Fachrichtungen in der Schweiz:
Rechtsmedizin – Aufgaben
Das Aufgabengebiet in der Rechtsmedizin umfasst alle Bereiche, in denen medizinische und rechtliche Fragen zusammentreffen. Im Zentrum steht die Untersuchung von Todesfällen, insbesondere solcher mit unklarer oder gewaltsamer Ursache. Rechtsmediziner führen Obduktionen durch, dokumentieren Verletzungen und rekonstruieren Geschehensabläufe, um Ursache und Zeitpunkt des Todes festzustellen.
Aber entgegen der verbreiteten Annahme werden nicht nur Leichen untersucht. Ein weiterer Schwerpunkt ist die forensische Begutachtung lebender “Opfer”. Dazu zählen Untersuchungen bei Körperverletzungen, sexuellen Übergriffen oder Verkehrsunfällen. Rechtsmediziner beurteilen dabei Verletzungsmuster, Alkoholisierung, Drogenkonsum oder Fahrtauglichkeit.
Auch die forensische Toxikologie und Genetik gehören zu ihrem Arbeitsfeld. Sie analysieren Blut-, Gewebe- und Haarproben auf Gifte, Medikamente oder Betäubungsmittel und erstellen DNA-Profile zur Identifikation von Personen oder Spuren.
Darüber hinaus sind Fachärzte für Rechtsmedizin wichtige Gutachter in Straf- und Zivilverfahren. Ihre Expertise trägt zur Beurteilung von Schuld, Verantwortung oder Fahreignung bei. Neben der praktischen Tätigkeit sind viele auch in Forschung und Lehre aktiv, etwa in den Bereichen forensische Bildgebung, Molekulargenetik oder neue Methoden der Todeszeitbestimmung.
Für wen ist die Fachrichtung Rechtsmedizin interessant?
Die Fachrichtung Rechtsmedizin richtet sich an Ärzte, die über ein hohes analytisches Denken, Genauigkeit und emotionale Stabilität verfügen. Wer sich für medizinische Zusammenhänge, forensische Fragestellungen und juristische Aspekte interessiert, findet hier ein spannendes Betätigungsfeld.
Besonders geeignet ist die Fachrichtung für Personen, die sich weniger für direkte Patientenversorgung, dafür aber für wissenschaftliche, technische und detektivische Arbeit begeistern. Der Alltag ist geprägt von interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Polizei, Staatsanwaltschaft, Pathologen und Naturwissenschaftlern. Neben medizinischem Wissen sind logisches Denken, Belastbarkeit und Kommunikationsstärke entscheidend.
Auch wissenschaftlich orientierte Ärzte kommen in diesem Fach auf ihre Kosten. Die Forschungsfelder sind vielfältig – von der Weiterentwicklung der forensischen Bildgebung („Virtopsy“) über molekulare Nachweismethoden bis hin zur Verbesserung toxikologischer Analysen.
Wer eine Tätigkeit sucht, die gesellschaftliche Relevanz mit wissenschaftlicher Präzision verbindet, trifft mit der Rechtsmedizin eine gute Wahl.
Wo kann man als Rechtsmediziner arbeiten?
Fachärzte für Rechtsmedizin arbeiten in der Schweiz überwiegend an universitären oder kantonalen Instituten für Rechtsmedizin, beispielsweise in Zürich, Bern, Basel oder Lausanne. Diese Einrichtungen sind meist Teil der medizinischen Fakultäten und übernehmen sowohl Forschung als auch Lehre.
Daneben gibt es Einsatzmöglichkeiten bei Polizei- und Justizbehörden, in forensisch-toxikologischen Laboren oder in der Verkehrsmedizin. Auch die Erstellung von Gutachten für Versicherungen oder Gerichte gehört zu den typischen Tätigkeiten. In seltenen Fällen arbeitet ein Rechtsmediziner selbstständig als medizinischer Gutachter in spezialisierten Gutachterbüros.
Da das Fach stark wissenschaftlich geprägt ist, spielen Lehrtätigkeit und Forschung eine zentrale Rolle. Viele Fachärzte engagieren sich in der Ausbildung von Medizinstudierenden oder beteiligen sich an nationalen und internationalen Forschungsprojekten. Besonders die Schweiz gilt mit ihren modernen rechtsmedizinischen Instituten als führend in Bereichen wie forensischer Bildgebung oder DNA-Technologie.
Die Arbeitszeiten sind meist geregelter als in vielen klinischen Fächern, allerdings können Notfälle – etwa bei plötzlichen Todesfällen oder Katastrophen – auch ausserhalb der regulären Arbeitszeit auftreten.
Passende Jobs
Rechtsmedizin – Wie hoch ist der Lohn?
Wie in den meisten Fachrichtungen hängt der Lohn in der Rechtsmedizin von Erfahrung, Funktion und Arbeitgeber ab. Da die meisten Fachärzte in der Schweiz im öffentlichen Dienst oder an Universitäten tätig sind, richten sich die Löhne nach kantonalen Gehaltsstrukturen.
Ein Assistenzarzt verdient in der Schweiz im Durchschnitt zwischen CHF 56‘000 bis CHF 63‘600 pro Jahr. Mit dem Facharzttitel steigt das Einkommen deutlich an. Leitende Ärzte oder Institutsleiter erreichen Gehälter von über CHF 120’000. Diese Gehaltsangaben sind allgemeine Angaben und nicht spezifisch für die Rechtsmedizin. Da die Rechtsmedizin keine klassische Spitalfunktion ist, kann das Gehalt tendenziell leicht unter dem Durchschnitt der Spitalgehälter liegen.
Private Gutachter oder forensische Experten mit Spezialisierungen – etwa in forensischer Genetik oder Toxikologie – können, je nach Auftragstätigkeit, höhere Einkommen erzielen. Insgesamt zählt die Rechtsmedizin zu den soliden, aber nicht überdurchschnittlich lukrativen Fachrichtungen. Wichtiger als der finanzielle Aspekt ist für viele die sinnstiftende und hochrelevante Tätigkeit. Mehr zum Arzt-Lohn in der Schweiz hier:
Häufige Fragen zu Rechtsmedizin
- Welche Voraussetzungen muss man für die Weiterbildung in der Rechtsmedizin in der Schweiz erfüllen?
- Wo arbeitet ein Rechtsmediziner in der Schweiz?
- Wie hoch ist das Gehalt eines Facharztes für Rechtsmedizin in der Schweiz?
Um Rechtsmediziner zu werden, ist ein abgeschlossenes Medizinstudium sowie das eidgenössische Arztdiplom erforderlich. Danach folgt eine strukturierte 5-jährige Weiterbildung gemäss den Vorgaben des SIWF, die unter anderem einen klinischen und pathologischen Anteil umfasst.
Hauptarbeitsplätze von Rechtsmedizinern sind universitäre und kantonale rechtsmedizinische Institute, wie in Zürich, Bern oder Lausanne. Weitere Möglichkeiten bestehen bei Polizei- und Justizbehörden sowie in spezialisierten Laboren und als Gutachter für Gerichte und Versicherungen.
Das Gehalt eines Facharztes in der Rechtsmedizin liegt, abhängig von Position und Arbeitgeber, durchschnittlich über CHF 120’000 pro Jahr. Assistenzärzte verdienen zwischen CHF 56’000 und CHF 63’600 jährlich.











