
Die Weiterbildung zum Facharzt für Prävention und Public Health bereitet Assistenzärzte gezielt darauf vor, die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern, Krankheiten zu verhindern und gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen. Dabei bewegen sie sich oft an den Schnittstellen zwischen Medizin, Forschung, Verwaltung und Politik. Die Facharztausbildung vermittelt daher nicht nur medizinisches Fachwissen, sondern kombiniert dieses mit sozialwissenschaftlichen, politischen und organisatorischen Kompetenzen. Wer sich im Rahmen seiner ärztlichen Laufbahn für gesellschaftliche Gesundheitsfragen, Datenanalyse und strategisches Gesundheitsmanagement interessiert, findet in dieser Weiterbildung ein anspruchsvolles und zukunftsorientiertes Tätigkeitsfeld.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Fachprofil und Tätigkeiten: Fachärzte für Prävention und Public Health analysieren Gesundheitsdaten, konzipieren und evaluieren Public-Health-Programme und nehmen Einfluss auf gesundheitspolitische Entscheidungen, um die Bevölkerungsgesundheit langfristig zu verbessern.
- Weiterbildung in der Schweiz: Nach Medizinstudium und eidgenössischem Arztdiplom folgt eine 5‑jährige Weiterbildung mit 2 Jahren klinischer, nicht fachspezifischer Tätigkeit und 3 Jahren fachspezifischer Weiterbildung inklusive theoretischem MPH-Studium (60 ECTS) und praktischer Tätigkeit an anerkannten Weiterbildungsstätten.
- Inhalte & Anforderungen: u.a. Epidemiologie, Biostatistik, Gesundheitsökonomie, Gesundheitsrecht, Politologie, Umwelt- und Sozialmedizin sowie Projekt- und Führungskompetenzen; zusätzlich werden wissenschaftliche Publikation, evidenzbasierte Entscheidungsfindung und ein elektronisches Logbuch der Lernziele verlangt
- Prüfung: Die Facharztprüfung ist mündlich, dauert insgesamt rund 60–75 Minuten und besteht aus drei Teilen zu einer fremden Publikation, einer selbst gewählten Publikation sowie einem vorbereiteten Allgemeinthema aus Public Health; bestanden wird bei mindestens 12 Gesamtpunkten ohne gravierend ungenügende Teilnote.
- Arbeitsorte: Einsatzorte sind vor allem Bundes- und Kantonsbehörden, kommunale Gesundheitsdienste, Spitäler, Universitäten, Forschungsinstitute, internationale Organisationen, Krankenkassen, Unternehmen im Gesundheitssektor, NPOs sowie Beratungsmandate und teilweise eigene Praxis.
Facharzt Prävention und Public Health – Tätigkeiten
Fachärzte für Prävention und Public Health arbeiten an der Schnittstelle zwischen Medizin, Gesellschaft und Politik. Ihr Ziel ist es, die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern, Krankheiten vorzubeugen und gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen. Dafür betrachten sie die körperlichen, psychischen, sozialen und politischen Bedingungen, die Gesundheit und Krankheit beeinflussen.
Ein zentraler Bestandteil ihrer Arbeit ist die Analyse und Gestaltung von Massnahmen im Gesundheitswesen. Sie entwickeln, leiten und evaluieren Programme, die der Prävention, Gesundheitsförderung und Früherkennung dienen. Darüber hinaus befassen sie sich mit Themen wie Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, um fundierte Grundlagen für gesundheitspolitische Entscheidungen zu schaffen. Mehr zu Aufgaben, Karriere und Gehalt in der Fachrichtung hier:
Übersicht aller Facharztausbildungen und Fachrichtungen:
Weiterbildung Facharzt Prävention und Public Health – Voraussetzungen
Um die Weiterbildung zum Facharzt für Prävention und Public Health zu beginnen, ist ein abgeschlossenes Medizinstudium erforderlich. Ausserdem müssen Ärzte über ein eidgenössisches Arztdiplom verfügen.
Weiterbildung Facharzt Prävention und Public Health – Dauer und Gliederung
Die Weiterbildung zum Facharzt für Prävention und Public Health dauert insgesamt fünf Jahre, gegliedert in folgende Abschnitte:
2 Jahre nicht fachspezifische Weiterbildung: Zwei Jahre fallen auf eine klinische Tätigkeit. Diese kann in allen Fachgebieten absolviert werden, die zu einem eidgenössischen Weiterbildungstitel führen. Bis zu sechs Monate dieser Zeit können in einer anerkannten Arztpraxis angerechnet werden, wobei maximal vier Wochen als Stellvertretung zählen dürfen.
3 Jahre fachspezifische Weiterbildung: Ein Jahr davon besteht aus einer theoretischen Ausbildung im Umfang von 60 ECTS-Punkten. Diese kann im Rahmen nationaler oder internationaler Studiengänge erfolgen, die mit dem Diplom „Master of Public Health“ abschliessen. Gleichwertige Abschlüsse können ebenfalls anerkannt werden. Zusätzlich sind zwei Jahre praktische Weiterbildung an anerkannten Weiterbildungsstätten für Prävention und Public Health erforderlich. Mindestens ein Jahr wird an einer Weiterbildungsstätte der Kategorie A absolviert, höchstens sechs Monate dürfen an einer Einrichtung der Kategorie C stattfinden. Unter bestimmten Voraussetzungen wird auch eine Forschungstätigkeit als Weiterbildung anerkannt.
Zusatzmöglichkeiten
Als Zusatzleistung sollte im Rahmen der Weiterbildung eine wissenschaftliche Publikation als Erst- oder Letztautor in einer peer-reviewten Fachzeitschrift verfasst werden. Alternativ kann auch eine anerkannte Dissertation eingereicht werden. Diese Leistungen dienen dem Nachweis vertiefter wissenschaftlicher Kompetenz und fördern die Fähigkeit, Forschungsergebnisse kritisch zu bewerten und in die Praxis der öffentlichen Gesundheit einzubringen.
Facharzt Prävention und Public Health – Inhalte der Weiterbildung
Folgende theoretische Kenntnisse und Kompetenzen werden in der theoretischen Weiterbildung erlernt. Ausserdem werden sie im Rahmen der praktischen Weiterbildung angewandt und vertieft.
Kenntnisse
- Epidemiologie, einschliesslich Studien und Forschungsmethoden
- Biostatistik und Demographie
- Prävention und Gesundheitsförderung
- Gesundheitsrecht
- Gesundheitsökonomie
- Politologie
- Gesundheitssystem
- Gesundheit und physische, chemische und biologische Umwelt
- Gesundheit und soziale Umwelt
Kompetenzen
Im Rahmen der fachspezifischen theoretischen Weiterbildung folgende Kompetenzen erworben:
- Beschreibung und Bewertung von Krankheits- und Gesundheitsproblemen der Bevölkerung und Information der Zielgruppen in geeigneter Form
- Planung und Evaluierung von epidemiologischen Studien, eigenständige Durchführung von statistischen Analysen, Interpretation der Resultate und deren adäquat Kommunikation
- Gesundheitsförderungs- und Präventionskonzepte und -prinzipien kritisch zu reflektieren und anzuwenden
- Beschreibung und kritische Evaluierung von Public Health-Interventionen und Strategien
- Konzeption, Implementierung und Evaluation wirksamer Public Health-Interventionen der Gesundheitsförderung und Prävention unter Berücksichtigung der erfolgskritischen sozialen und kulturellen Unterschiede von Bevölkerungsgruppen
- Beschreibung und Bewertung von Gesundheitspolitiken und Reformprozesse vor dem rechtlichen, politischen und ökonomischen Hintergrund
- Konzeption und Evaluation wirksamer Interventionen auf Systemebene
- Evidenzbasierte und verständliche Stellungnahme zu Public Health Fragen aus der Bevölkerung und von Entscheidungsträgern in Politik, Wissenschaft, Verwaltung und Verbänden
Lernzielkatalog Prävention und Public Health
Für die Weiterbildung werden bestimmte Lernziele festgelegt. Dafür wird in insgesamt sechs Aufgabenbereiche unterschieden und die Lernziele entsprechend aufgeteilt.
Aufgabenbereich I: Public Health (PH)-relevante Forschungs- oder Evaluationsprojekte konzipieren und durchführen
- Mit Auftraggebern Forschungs-/ Evaluationsaufträge klären und definieren
- Forschungsstand zusammenfassen und kritisch bewerten (Evidenzen, Forschungslücken)
- Forschungs-/ Evaluationsprojekt konzipieren (Fragestellungen, Studiendesign, Projektplan, Projektbudget, Instrumente, etc.)
- Forschungsprojekte oder Evaluationsprojekte auf Machbarkeit, ethische Unbedenklichkeit beziehungsweise Interessenkonflikte hin reflektieren
- Forschungs-/ Evaluationsprojekt durchführen, dokumentieren und auswerten
- Forschungs-/ Evaluationsergebnisse für ein Fachpublikum aufbereiten und veröffentlichen
- Kosten für ein Programm oder Projekt zur Gesundheitsförderung / Prävention kalkulieren und Mittel einwerben oder abrufen
Aufgabenbereich II: Public Health-Programme und -Projekte steuern
- Zielgruppen und Zielsetzungen eines Programms oder Projekts zur Gesundheitsförderung /Prävention Daten- und Literatur basiert definieren
- Mit Auftraggebern Zielgruppe und Zielsetzungen klären und definieren
- Programm oder Projekt zur Gesundheitsförderung / Prävention konzipieren oder anpassen
- Programm oder Projekt auf Machbarkeit, ethische Unbedenklichkeit beziehungsweise Interessenkonflikte hin reflektieren
- Programm oder Projekt zur Gesundheitsförderung / Prävention umsetzen und evaluieren
- Relevante Erkenntnisse aus dem Programm oder Projekt für ein Fachpublikum aufbereiten und veröffentlichen
- Kosten für ein Dienstleistungs- oder Forschungsprojekt zur Gesundheitsförderung / Prävention kalkulieren und Mittel einwerben oder abrufen
Aufgabenbereich III: Gesundheitsdaten analysieren und -versorgung der Bevölkerung sicherstellen
- Gesundheitszustand und -determinanten der Bevölkerung auf kommunaler, kantonaler, nationaler Ebene analysieren und beschreiben
- Gesundheitsversorgung der Bevölkerung auf kommunaler, kantonaler, nationaler Ebene analysieren und beschreiben
- Eine Public Health Policy (weiter-)entwickeln
Aufgabenbereich IV: Mitwirken/Advocacy an politischen Entscheidungsprozessen zu Public Health Themen
- Stellungnahmen zu Public Health relevanten Fragen erstellen
- Für den Gegenstandsbereich einer Health Policy rechtliche, ökonomische, soziale und politische Rahmenbedingungen des Schweizer Gesundheitswesens reflektieren
- Public Health-Positionen und Anliegen in Fachgremien oder gegenüber der Gesellschaft und Politik vertreten
Aufgabenbereich V: Verschiedene Zielgruppen zu Public Health-Themen informieren und/oder unterrichten
- Zielgruppe und Zielsetzung des Informationsangebots (inklusive Unterricht) mit Auftraggeber klären oder definieren
- Informationsangebot konzipieren und veröffentlichen
- Unterricht (mit-)konzipieren, vorbereiten und durchführen
Aufgabenbereich VI: Führungsrollen in Public Health Organisationen übernehmen
- Mitarbeit oder Übernahme der Projektkoordination
- Mitarbeitende und Teams anleiten und führen (situative, laterale oder vertikale Führung)
- Die eigene Projektgruppe oder Organisationseinheit repräsentieren
Weiterbildung Facharzt Prävention und Public Health – Facharztprüfung
Die Facharztprüfung für Prävention und Public Health wird mündlich durchgeführt und gliedert sich in drei Teile:
Im ersten Teil beantworten die Kandidaten Fragen zu einer wissenschaftlichen Publikation, die von der Prüfungskommission ausgewählt wird. Diese peer-reviewte Publikation wird spätestens einen Monat vor dem Prüfungstermin zugestellt und ist in der Regel in englischer Sprache verfasst. Die Dauer dieses Prüfungsteils beträgt etwa 20 bis 30 Minuten.
Der zweite Teil bezieht sich auf eine von dem Kandidaten selbst vorgeschlagene Publikation. Dabei kann es sich beispielsweise um einen wissenschaftlichen Artikel, einen Zeitungsbeitrag zu einem Public-Health-Thema oder eine Executive Summary eines offiziellen Berichts handeln. Das Dokument muss ebenfalls einen Monat vor der Prüfung eingereicht werden und kann in Deutsch, Französisch oder Englisch verfasst sein. Auch dieser Teil dauert rund 20 bis 30 Minuten.
Im dritten Teil wird ein allgemeines Thema aus dem Bereich Public Health zufällig ausgewählt. Die Themen liegen standardmässig in Deutsch und Französisch vor, und die Prüfung kann auch auf Italienisch abgelegt werden. Nach dem Ziehen des Themas steht den Kandidaten eine Stunde Vorbereitungszeit zur Verfügung (open book), bevor sie in einem 20- bis 30-minütigen Gespräch befragt werden.
Insgesamt dauert die Prüfung etwa 60 bis 75 Minuten. Alle drei Teile werden auf einer Notenskala von 1 bis 6 bewertet. Die Prüfung gilt als bestanden, wenn die Gesamtpunktzahl mindestens 12 beträgt, höchstens eine Note unter 4 liegt und keine der Noten 1 ist. Abschliessend wird das Ergebnis entweder als „bestanden“ oder „nicht bestanden“ bekanntgegeben.
Dokumentation und Logbuch
Während der gesamten Weiterbildung müssen die Teilnehmenden ein elektronisches Logbuch führen, in dem sie alle wichtigen Schritte und Aktivitäten dokumentieren. Dazu gehören sowohl die erreichten Lernziele als auch die absolvierten Weiterbildungszeiten, durchgeführten Operationen sowie besuchten Kurse und Kongresse. Auch weitere relevante Tätigkeiten werden darin festgehalten, sodass ein umfassendes Bild des individuellen Weiterbildungsfortschritts entsteht. Das Logbuch dient nicht nur der regelmässigen Überprüfung und Bewertung des Ausbildungsstands, sondern ist zugleich eine wichtige Voraussetzung für die Zulassung zur Facharztprüfung.
Facharzt Prävention und Public Health – Passende Jobs
Fachärzte für Prävention und Public Health sind vor allem in öffentlichen Institutionen, Universitäten und Gesundheitsämtern tätig. Zu ihren typischen Arbeitgebern zählen Behörden, Spitäler, Forschungsinstitute sowie internationale Organisationen im Gesundheitswesen. Ausserdem arbeiten sie auch in Lehre und Forschung oder übernehmen Aufgaben in Krankenkassen, Unternehmen des Gesundheitssektors und Non-Profit-Organisationen. Einige führen eigene Praxen oder arbeiten beratend, etwa in der Gesundheitsförderung oder Präventionsplanung.
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Häufige Fragen zur Facharztausbildung in Prävention und Public Health
- Wie lange dauert die Weiterbildung zum Facharzt für Prävention und Public Health und wie ist sie aufgebaut?
- Welche Voraussetzungen brauche ich für die Weiterbildung Prävention und Public Health?
- Wo arbeiten Fachärzte für Prävention und Public Health in der Schweiz und wie sind die Berufsaussichten?
Die Weiterbildung zum Facharzt für Prävention und Public Health dauert insgesamt fünf Jahre mit zwei Jahren klinischer, nicht fachspezifischer Tätigkeit und drei Jahren fachspezifischer Weiterbildung inklusive Master of Public Health (60 ECTS) oder gleichwertigem Abschluss. Hinzu kommen praktische Einsätze an anerkannten Weiterbildungsstätten sowie eine Facharztprüfung.
Für die Facharztweiterbildung Prävention und Public Health benötigst Du ein abgeschlossenes Medizinstudium und ein eidgenössisches Arztdiplom, um die Facharztweiterbildung Prävention und Public Health in der Schweiz zu beginnen. Zusätzliche klinische Erfahrung ist für die nicht fachspezifische Weiterbildungszeit von Vorteil.
In der Schweiz arbeiten Fachärzte für Prävention und Public Health vor allem in kantonalen und nationalen Gesundheitsämtern, Spitälern, Universitäten, Forschungsinstituten, Krankenkassen, NGOs und internationalen Gesundheitsorganisationen. Durch den steigenden Bedarf an Gesundheitsdaten, Präventionsstrategien und Public-Health-Politik gelten die Berufsaussichten als sehr gut.












