
Die Facharztweiterbildung in Physikalischer Medizin und Rehabilitation nimmt eine wichtige Stellung in der modernen Medizin ein, da hier nicht allein die Behandlung von Erkrankungen, sondern vor allem die Wiederherstellung, Erhaltung und Verbesserung der körperlichen Funktionsfähigkeit im Mittelpunkt steht. Gerade weil die Zahl der Menschen mit chronischen Beschwerden, nach Unfällen oder nach operativen Eingriffen stetig zunimmt, gewinnt dieses Fachgebiet zunehmend an Bedeutung. Zudem verbindet die Weiterbildung medizinisches Fachwissen mit praktischen sowie kommunikativen Fähigkeiten. Im folgenden Artikel werden daher der Aufbau, die Inhalte und die Anforderungen in der Weiterbildung zum Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation näher erläutert.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
Fachprofil und Tätigkeiten: Fachärzte für Physikalische Medizin und Rehabilitation beurteilen Funktionsstörungen nach Krankheit/Unfall, erstellen Rehabilitationspläne und koordinieren multiprofessionelle Therapien zur Wiedererlangung von Selbstständigkeit, Schmerzreduktion und beruflicher wie sozialer Reintegration.
Weiterbildung in der Schweiz: Die Facharztweiterbildung dauert 5 Jahre und umfasst 3 bis 4 Jahre fachspezifische Weiterbildung (muskuloskelettale und rehabilitative Medizin) sowie 1 bis 2 Jahre nicht-fachspezifische Weiterbildung (v.a. stationäre Allgemeine Innere Medizin und rehabilitationsnahe Fächer).
Arbeitsorte: Fachärzte für Physikalische Medizin und Rehabilitation arbeiten in Akutspitälern, Rehabilitationszentren, spezialisierten Rehakliniken, ambulanten Zentren, eigenen Praxen und interdisziplinären Gesundheitszentren in der ganzen Schweiz.
Facharzt Physikalische Medizin und Rehabilitation – Tätigkeiten
Nach einer Krankheit oder einem Unfall können körperliche Funktionen eingeschränkt sein. In solchen Fällen übernimmt der Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation eine wichtige Rolle, indem er den Gesundheitszustand beurteilt und einen individuellen Behandlungs- und Rehabilitationsplan erstellt. Die Massnahmen zielen darauf ab, die Funktionsfähigkeit des Körpers möglichst vollständig wiederherzustellen oder vorhandene Einschränkungen zu verringern. Dadurch sollen Selbstständigkeit, Lebensqualität, Schmerzlinderung sowie die Rückkehr in den Alltag, ins Berufsleben und in die soziale Integration gefördert werden. Mehr zum Arbeitsalltag, Karriere und Lohn im Fachgebiet hier:
Übersicht aller Facharztausbildungen und Fachrichtungen:
Weiterbildung Facharzt Physikalische Medizin und Rehabilitation – Voraussetzungen
Um die Facharztweiterbildung im Bereich Physikalische Medizin und Rehabilitation beginnen zu können, benötigt man zunächst ein abgeschlossenes Medizinstudium mit einem eidgenössischen Arztdiplom. Alternativ kann ein gleichwertiger und anerkannter ausländischer Abschluss genutzt werden.
Weiterbildung Facharzt Physikalische Medizin und Rehabilitation – Dauer und Gliederung
Die Weiterbildung zum Rehabilitationsmediziner dauert insgesamt fünf Jahre und wird in einen fachspezifischen und einen nicht-fachspezifischen Teil gegliedert:
3 bis 4 Jahre fachspezifische Weiterbildung
Zunächst absolvieren die angehenden Fachärzte eine fachspezifische Weiterbildung von drei bis vier Jahren. Während dieser Zeit arbeiten sie ein bis drei Jahre in der stationären muskuloskelettalen Rehabilitation sowie zusätzlich ein bis drei Jahre im Bereich der Physikalischen Medizin und Rehabilitation. Bis zu zwei Jahre der Weiterbildung können auch in anderen rehabilitativen Fachgebieten erfolgen. Ausserdem besteht die Möglichkeit, bis zu zwölf Monate als Praxisassistent in anerkannten Arztpraxen tätig zu sein.
1 bis 2 Jahre nicht-fachspezifische Weiterbildung
Ergänzend zur fachspezifischen Ausbildung absolvieren die Ärzte eine ein- bis zweijährige nicht-fachspezifische Weiterbildung. Diese umfasst mindestens ein Jahr in der stationären Allgemeinen Inneren Medizin. Ein weiteres Jahr kann in rehabilitationsnahen Fachrichtungen wie Geriatrie, Kardiologie oder Neurologie angerechnet werden.
Zusatzmöglichkeiten
Zusätzlich müssen während der Weiterbildungen folgende Leistungen erbracht werden:
- Teilnahme an von der SGPMR organisierten, ganztägigen Weiter- und Fortbildungsveranstaltungen im
Umfang von mindestens 10 Tagen und 60 Credits- mindestens 1 Jahreskongress der SGPMR
- mindestens 1 Symposium Muskuloskelettale Medizin
- Erwerb von mindestens einem der folgenden Fähigkeitsausweise:
- “Röntgenaufnahmen im niedrigen und mittleren Dosisbereich (KHM)”
- “Strahlenschutz in der Physikalischen Medizin und Rehabilitation und Rheumatologie (SGPMR /
SGR”
Facharzt Physikalische Medizin und Rehabilitation – Inhalte der Weiterbildung
Die Weiterbildung vermittelt schrittweise die fachlichen Kenntnisse und praktischen Fähigkeiten, die für die Tätigkeit als Facharzt der Physikalischen Medizin und Rehabilitation erforderlich sind. Die Inhalte sind nach Kompetenzgraden (in Klammern) gegliedert, welche den zunehmenden Ausbildungsstand widerspiegeln:
- Kompetenzgrad 1 umfasst grundlegende Kenntnisse.
- Kompetenzgrad 2 steht für vertieftes Wissen und praktische Anwendung unter Supervision oder in interdisziplinärer Zusammenarbeit.
- Kompetenzgrad 3 bezeichnet das sichere Beherrschen der Inhalte, das eine selbstständige spezialärztliche Tätigkeit ermöglicht.
Allgemeine Rehabilitationsmedizin
Grundlagen
- Anatomie und Physiologie der Gelenk-, Wirbelsäulen- und Muskelfunktionen (3)
- Anatomie, Biochemie, Physiologie und Pathophysiologie des neurologischen Systems, Mechanismen der Plastizität des Nervensystems und der Muskeln und gestörter Sensomotorik (3)
- Physiologie, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Schmerzes (3)
- International Classification of Functioning, Disability and Health (3)
- Psychische, berufliche und soziale Auswirkungen von akuten und chronischen Erkrankungen und Unfallfolgen auf die Patienten, ihre Umgebung und die Gesellschaft (3)
- Kenntnisse der medikolegalen Beurteilung (3)
Diagnose
- Indikationsstellung und Interpretation der Befunde von:
- konventionellen Röntgenaufnahmen des Achsenskeletts, Beckens und der Extremitäten, der peripheren Gelenke
sowie der Ultraschalluntersuchung des Bewegungsapparates (3) - Magnetresonanztomographie und Computertomographie des Bewegungsapparates und des Nervensystems, Skelett-Szintigraphie, PET/SPECT und Osteodensitometrie (2)
- konventionellen Röntgenaufnahmen des Achsenskeletts, Beckens und der Extremitäten, der peripheren Gelenke
- Indikation und Interpretation von Laboruntersuchungen bei allgemeininternistischen Erkrankungen (3)
- Assessment der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Basis-Lungenfunktion (3)
- Assessment von akuten und chronischen Schmerzerkrankungen (3)
- Indikationsstellung und Interpretation der Befunde von: Elektrodiagnostik, Funktionsdiagnostik (2)
- Assessment des Ernährungsstatus und allgemeiner Lebensqualität (3)
- Kenntnisse über Arbeitsplatzassessments (1)
Therapie
- Grundlagen, Indikationen und Kontraindikationen:
- spezifischer Methoden der aktiven und passiven Bewegungstherapie und der passiven physikalischen Massnahmen (3)
- der Ergonomie-Instruktion wie Rücken und Gelenkschule und Ergonomie-Training (3)
- der orthopädietechnischen Versorgung (3)
- ernährungstechnischer Massnahmen, inklusive Indikationsstellung zur Einlage einer PEG Sonde (2)
- spezifischer Methoden kreativer Therapien (2)
- Hilfsmittel und deren Einsatz (3)
- Indikationen für orthopädisch-chirurgische und neurochirurgische Eingriffe (3)
- Prinzipen der Ernährungsberatung und -therapie im Rahmen der Rehabilitationsmedizin (3)
Praxis
- Umsetzen der ICF-Klassifikation, Erkennen der Patientenbedürfnisse, Durchführen eines multiprofessionellen Rehabilitations-Assessments, Definition der Rehabilitationsziele und Aufstellen des Rehabilitationsplanes für stationäre und ambulante Therapiekonzepte (3)
- Durchführen von Rehabilitationen im multiprofessionellen Team (3)
- Integration wissenschaftlicher Erkenntnisse aus Grundlagenforschung und Klinik in die Rehabilitationsbehandlung (3)
- Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für die angestammte und für der Behinderung angepasste Tätigkeit (3)
- Promptes Erkennen von lebens- und funktionsbedrohenden Komplikationen und Initiation der notwendigen lebens- und funktionsrettenden Massnahmen bis zur Übernahme durch eine akut-medizinische Einrichtung (3)
Pharmakotherapie
- Analgetika, nichtsteroidale Antirheumatika, Antidepressiva, Neuroleptika und Antiepileptika, Antiphlogistika, Kortikosteroide; Botulinumtoxin; Immunsuppressiva, antiosteoporotisch wirkende Medikamente, Chondroprotektiva, Viskosupplementation; Gastroprotektiva; diagnostisch verwendete Substanzen wie z.B. Kontrastmittel: Pharmakokinetik, klinisch relevante Neben- und Wechselwirkungen, vor allem auch mit Ko- und Selbstmedikation sowie Berücksichtigung des Alters und von Organinsuffizienzen bei der Dosierung einschliesslich ihres therapeutischen Nutzens bzw. der Kosten/Nutzen-Relation (3)
- Kenntnis der gesetzlichen Grundlagen über die Arzneimittelverschreibung wie Heilmittelgesetz, Betäubungsmittelgesetz, Krankenversicherungsgesetz und für den Arzneimittelgebrauch relevante Verordnungen, insbesondere Spezialitätenliste (3)
- Kenntnis der Arzneimittelprüfung in der Schweiz sowie die hierbei zu beachtenden ethischen und wirtschaftlichen Grundsätze (3)
Versicherungsmedizin
- Kenntnis der Sozialversicherungen (KVG, UVG, IVG, MVG): gesetzliche Grundlagen, Durchführungsorgane, Zielsetzungen, Geltungsbereich und Leistungen (3)
- Kenntnis der Privatversicherungen im medizinischen Bereich, insbesondere Zusatzversicherungen zur Kranken- und Unfallversicherung, Haftpflichtversicherung im Personenschadenbereich und Lebensversicherung: gesetzliche Grundlagen, Durchführungsorgane, Zielsetzungen, Geltungsbereich und Leistungen (3)
- Kenntnis der Patientenrechte, Aufklärungspflicht und Datenschutz. Haftung des Arztes, insbesondere bei Behandlungsfehlern (3)
- Kenntnisse der medikolegalen Beurteilung und Begutachtung (3)
Muskuloskelettale Rehabilitation
Grundlagen
- Krankheiten der Gelenke (degenerativ, entzündlich u.a.), der Wirbelsäule (degenerativ, entzündlich), des Knochens und Knorpels, der Weichteilgewebe (Muskeln, Sehnen, Bindegewebe) lokal, systemisch und entzündlich; posttraumatische Zustände (konservativ und/oder operativ behandelt), Zustände nach gelenkerhaltenden oder gelenkersetzenden Operationen und nach Operationen an der Wirbelsäule (3)
Diagnostische Verfahren
- Anamnesetechniken zur Differenzierung von degenerativen, entzündlichen und funktionellen Erkrankungen des Bewegungsapparates (3)
- Klinische Untersuchung des Bewegungsapparates (3)
- Kenntnisse der manual-medizinischen Untersuchung (2)
- Kenntnisse der funktionellen Untersuchung mit Bildverstärker (2)
- Kenntnisse der Sonographie am Bewegungsapparat (2)
- Kenntnisse der Ergonomischen Untersuchungen wie Evaluation und Basisteste der funktionellen Leistungsfähigkeit und Arbeitsplatzabklärungen wie Arbeitsanamnese und job match (3)
- Klinische und funktionelle Assessmentmethoden im Bereich des Bewegungsapparates (3)
- Kenntnisse von Biomechanischen Testverfahren (wie Ganganalyse) (1)
Therapeutische Verfahren
- Grundlagen, Indikationen und Kontraindikationen der manuellen Medizin (2)
- Grundlagen, Indikationen und Kontraindikationen von Infiltrationen ohne/mit Bildverstärker der Weichteile und peripherer Nerven, peripherer Gelenke inklusive Sakroiliakalgelenke, an der Wirbelsäule (Ligamenta interspinalia, Intervertebralgelenke inkl. Rami mediales, alle epiduralen Zugänge inkl. periradikuläre Infiltrationen) lumbal, thorakal und zervikal (2)
Praktische Kenntnisse
- Anwenden der manuellen Medizin (2)
- Diagnostische und therapeutische Infiltrationen ohne/mit Bildverstärker der Weichteile und peripherer Nerven, peripherer Gelenke inklusive Sakroiliakalgelenke, an der Wirbelsäule (Ligamenta interspinalia, Intervertebralgelenke inkl. Rami mediales, alle epiduralen Zugänge inklusive periradikuläre Infiltrationen) lumbal (2)
- Diagnostische und therapeutische Infiltrationen thorakal und zervikal (1)
Neurologische Rehabilitation
Grundlagen
- Kennzeichen neurologischer Syndrome wie zerebrale Syndrome, Rückenmarksyndrome, myoklonisches Syndrom, meningeale und Hirndrucksyndrome, Syndrome des peripheren Nervensystems, Schmerzsyndrome und neurogene Dysfunktionen innerer Organe (3)
- Kennzeichen neuropsychologischer Syndrome, zerebrale Verhaltensstörung und psychosomatischer Syndrome (3)
- Kennzeichen zerebrovaskulärer Erkrankungen, Traumen, Entmarkungskrankheiten, Stammganglienerkrankungen, entzündlicher Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems, degenerative Erkrankungen, Tumoren, Schwindel, Epilepsien, neurogener Schmerzsyndrome, Muskelerkrankungen, Polyneuropathien und Erkrankungen der Hirn- und Spinalnerven, Schlafstörungen (3)
- Kennzeichen muskulärer Syndrome, wie Muskeldystrophien, Myopathien und Myositiden (3)
Diagnostische Verfahren
- Spezifische neurologische und neuro-orthopädische Untersuchung (3)
- Liquorpunktion zur Diagnostik (3)
- Prinzipien der neuropsychologischen und psychiatrischen Untersuchung im allgemeinen und neuropsychologische und logopädische Testverfahren (3)
- Neurologische Assessmentverfahren (3)
- Nichtinvasive Diagnostik der zerebralen Zirkulation (3)
Therapeutische Verfahren
- Grundlagen, Indikationen und Kontraindikationen spezifischer Methoden der neurorehabilitativen Physiotherapie (3)
- Grundlagen, Indikationen und Kontraindikationen spezifischer Methoden der Logopädie (3)
- Grundlagen, Indikationen und Kontraindikationen spezifischer Methoden neuropsychologischer Verfahren (3)
- Medikamentöse und nicht medikamentöse Therapie neurologischer Krankheiten (W), speziell der Spastizität, des Schmerzes und der neuropsychiatrischen Syndrome bei Hirnverletzten (3)
- Kenntnisse der chirurgischen Verfahren und Therapien im Bereich der Neurochirurgie, ORL, Ophthalmologie, Chirurgie der peripheren Nerven, neuro-urologische und neuroproktologische Interventionen, etc (2)
- Grundlagen, Indikationen und Kontraindikationen spezifischer Methoden der Ergotherapie in der Neurorehabilitation (3)
Praktische Kenntnisse
- Erstellen eines Rehabilitationsplans und Durchführen multiprofessioneller Rehabilitationen von Patienten mit spezifischen neurologischen Syndromen als Team-Leiter und Koordinator in allen Phasen der Rehabilitation: akutmedizinisches Zentrum, stationäre, teilstationäre und ambulante Rehabilitation, soziale und berufliche Wiedereingliederung, Re-Rehabilitation (3)
- Kenntnisse der Behandlung der fokalen Spastizität durch intramuskuläre Botulinum-Toxin Injektionen, Phenolisation und Alkoholisation motorischer Nerven (2)
Paraplegiologische Rehabilitation
Grundlagen
- Definitionen und Begriffe der kompletten und inkompletten Lähmung (ASIA), der spastischen und schlaffen Lähmung, der Paraplegie und Tetraplegie, der entzündlichen und nicht entzündlichen Rückenmarkläsionen, der Conus-Cauda-Läsion, der autonomen Dysreflexie, des Arteria spinalis anterior-Syndroms, der Brown-Séquard-Symptomatik, des spinalen Schocks und dessen Auswirkungen speziell auf das Herz-Kreislaufsystem und die Motorik der glatten und quergestreiften Muskulatur sowie des zentromedullären Syndroms (3)
- Pathophysiologie des Rückenmarkschadens (3)
- Pathophysiologie der neurogenen Blasen-, Darm- und Sexualfunktionsstörungen (3)
- Besondere Gefährdung des Querschnittgelähmten für Thromboembolien (3)
- Besondere Gefährdung des Querschnittgelähmten für Atemstörungen (3)
- Plegiebedingte Komplikationen (3)
- Begriff der ganzheitlichen Rehabilitation (comprehensive care) mit Schwergewicht der medizinischen und beruflichen Reintegration sowie der familiären, gesellschaftlichen, sportlichen und psychisch-seelischen Rehabilitationsmöglichkeiten (3)
- Grundlagen der akutmedizinischen Behandlung eines Querschnittgelähmten (2)
Diagnose
- Klinisch-neurologische Diagnostik und Einteilung der Querschnittläsionen nach der American Spinal Cord Injury Association (ASIA) und Frankel-Klassifikation (3)
- Functional Independance Measure (FIM) (3)
- Spinal Cord Independance Measure (SCIM) (3)
- Kenntnisse der urodynamischen Untersuchungen (Grundlagen) (2)
- Kenntnisse der biomechanischen Testverfahren (1)
Therapie
- Kenntnisse der in der Paraplegiologie wichtigen physiotherapeutischen und ergotherapeutischen Verfahren (3)
- Kenntnisse der wichtigsten Blasen- und Darmentleerungsmöglichkeiten (3)
- Kenntnisse der Prinzipien der Muskeltranspositionsoperationen beim Tetraplegiker und der operativen und konservativen Wirbelfraktur- und Dekubitusbehandlung(2)
- Kenntnisse der Lagerungstechniken und Spezialbetten, Tunnellagerung, Seit-Seit-Lagerung (3)
- Kenntnisse der prophylaktischen Massnahmen (3)
- Kenntnisse der wesentlichen Hilfsmittel wie Rollstuhl, Sitzkissen, Orthesen (3)
- Kenntnisse der Konzepte der lebenslangen ambulanten Nachsorge (3)
- Kenntnisse der Respiratorsysteme und Zwerchfellstimulation (2)
- Kenntnisse der antispastischen Therapie, Anwendung von Botulinumtoxin, antibiotische Therapie bei Infekten sowie intrathekale Applikation von Analgetika und Antispastika (3)
Praxis
- Kenntnisse des unterstützten Abhustens, Kenntnisse bei respiratorabhängiger Tetraplegie, Trachealkanüle Management, bronchoskopisches Absaugen (2)
- Durchführen von Isolationsmassnahmen bei multiresistenten Keimen (2)
- Transurethrales Katheterisieren, Einlage einer suprapubischen Urinableitung, sonographische Resturin-Bestimmung, Blasenpunktion (2)
- Anlegen und Überwachen einer Thoraxdrainage (2)
- Grundlagen der Ernährungstherapie inklusive Indikationsstellung zur Einlage einer PEG Sonde (2)
Pulmonale (respiratorische) Rehabilitation
Grundlagen
- Kenntnisse der rehabilitationsrelevanten Aspekte von chronischer Bronchitis, chronisch obstruktiver Lungenerkrankungen, Asthma bronchiale, restriktiven Lungenkrankheiten, Cystischer Fibrose, pulmonal relevanten neuromuskulären Erkrankungen und Zustand nach Thoraxoperationen sowie Lungen- und Thoraxtrauma (2)
- Konzept der ICF-basierten pulmonalen Rehabilitation (2)
Diagnostische Verfahren
- Anamnesetechniken zur Differenzierung von bronchialen, pulmonalen, pleuralen, thorakalen, zerebralen oder funktionellen Geschehen (2)
- Indikationen und Aussagekraft der rehabilitationsrelevanten funktionellen diagnostischen Methoden wie grosse Lungenfunktion, arterielle Blutgasanalyse, Oxymetrie, Ergospirometrie, Ergometrie mit Oxymetrie (VO2 max Test) sowie AIA-Test (2)
- Lungenspezifisches Assessment für Lebensqualität (CRQ, SGRQ) (2)
Therapeutische Verfahren
- Kenntnisse der Lagerungstherapie, Husten- und Atemtechniken, autogene Drainage, Atemmuskeltherapie und -training sowie unspezifische Inhalationstherapie (2)
- Kenntnisse der speziellen Formen der Medizinischen Trainingstherapie bei pulmonalen Erkrankungen wie high intensity training und sauerstoff gestütztes Training (2)
- Kenntnisse der verschiedenen Beatmungsmethoden (2)
- Kenntnisse der für die pulmonale Rehabilitation relevanten medikamentösen Therapie (2)
Praktische Kenntnisse
- Kenntnisse der krankheitsspezifischen Rehabilitation bei Asthma, chronischer Bronchitis, chronisch obstruktiver Lungenerkrankungen, Cystischer Fibrose, restriktiver Lungenkrankheiten und Zustand nach Thoraxoperationen oder Thoraxtraumata (2)
- Kenntnisse der typischen Komplikationen im Rahmen der pulmonalen Rehabilitation (2)
Kardiovaskuläre Rehabilitation
Grundlagen
- Kenntnisse der rehabilitationsrelevanten Aspekte von Erkrankungen des Herz/KreislaufSystems, insbesondere atheromatöse und ischämische Herzkrankheiten, HerzklappenErkrankungen, Kardiomyopathien, hypertensive Herzkrankheit, Herzrhythmus- und Reizleitungsstörungen und Erkrankungen der peripheren Arterien und der Aorta (2)
- Kenntnisse der Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen, insbesondere Pathophysiologie von Diabetes und arterieller Hypertonie (2)
- Konzept der ICF-basierten kardiovaskulären Rehabilitation (2)
Diagnostische Verfahren
- Systematische Anamnese zur Erkennung einer kardialen, extrakardialen oder funktionellen Erkrankung, insbesondere bei der Differenzialdiagnose einer ischämischen Herzkrankheit, einer Herzklappen-Erkrankung oder anderer Herzkrankheiten und Herzrhythmusstörungen (2)
- Indikation und Aussagekraft der rehabilitationsrelevanten funktionellen diagnostischen
Methoden wie Belastungstests mit verschiedenen Protokollen (Laufband, Fahrrad-Ergometer, Ergometer mit Armkurbel), 24-Stunden-EKG, 24-Stunden-Blutdruck-messung,
Echokardiographie und Stress-Echokardiographie sowie Spiroergometrie (2) - Wichtigste Assessments der kardiovaskulären Rehabilitation (2)
Therapeutische Verfahren
- Kenntnisse der Bewegungstherapie bei Herz/Kreislauf-Patientinnen / -Patienten: Faktoren des Konditionszustandes, Verbesserung der körperlichen Kondition, Indikationen und
Kontraindikationen für körperliche Belastung, Grundprinzipien der Verordnung von körperlichem Training (optimale Intensität, Dauer, Häufigkeit und Art der Übungen), Ausdauertraining, Krafttraining, spezielles Training bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit,
schwerer Herzinsuffizienz, nach Herztransplantation und bei morbider Adipositas sowie
Entspannungstherapie (2) - Prinzipien der stationären und ambulanten Rehabilitation und Heim-Programme (2)
- Grundprinzipien des therapeutischen Unterrichts und Motivationsgespräches (2)
Praktische Kenntnisse
- Kenntnisse der Patientenbetreuung auf dem Gebiet der kardiovaskulären Rehabilitation
und der Sekundärprävention von Herz/Kreislauf-Erkrankungen im Rahmen eines multiprofessionellen Behandlungskonzeptes (2) - Erstellen eines kardiovaskulären Risikoprofils (2)
- Wichtigste Komplikationen, die bei der kardiovaskulären Rehabilitation auftreten können (2)
Pädiatrische Rehabilitation
Grundlagen
- Meilensteine der psychomotorischen Entwicklung und Reifung, Flüssigkeits- und Nahrungsbedarf in Funktion des Alters (2)
- Störungen des Wachstums wie Kleinwuchs, Grosswuchs, Untergewicht, Übergewicht sowie Mikro- und Makrozephalie (2)
- Angeborene und erworbene Fehlbildungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates
wie kongenitale und idiopathische Skoliosen, Beinlängendifferenzen, Fussdeformitäten
(z.B. Klumpfuss und Plattfuss), Hüftgelenksdysplasien und Luxationen, Morbus Perthes
und Epiphysiolysis capitis femoris, Agenesie, Phokomelie, Hemimelie, Hypoplasie, Dysplasie und Atrophie (2) - Genetisch bedingte Krankheiten wie spinale Muskelatrophie und Muskeldystrophien (2)
- Angeborene und erworbene Fehlbildungen, Erkrankungen und Verletzungen des zentralen Nervensystems und deren neuroorthopädische Auswirkungen wie infantile Zerebralparese, traumatische Hirnverletzungen und Myelomeningozele (2)
- Versicherungsrechtliche Aspekte bei Kindern und Jugendlichen (2)
Diagnostische Verfahren
- Anamnese, körperliche Untersuchung und Gespräch in Bezug auf das Alter und das
Problem des Kindes (2) - Rehabilitative Assessments: kindbezogene Skalen und Messmethoden, korreliert zur ICF (2)
Therapeutische Verfahren
- Grundlagen, Indikationen, Zielsetzungen, Kontraindikationen der Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Hippotherapie bei Kindern und Jugendlichen (2)
Praktische Kenntnisse
- Massnahmen bei kinderärztlichen Notfällen, insbesondere bei akuten Atemnot- und Erstickungssyndromen (Asthmaanfall, Krupp-Syndrom, Fremdkörperaspiration), Herzerkrankungen (Rhythmusstörungen), Schockzuständen, Komazuständen, Krampfanfällen,
Hirndrucksyndromen und anhaltendem Erbrechen (2) - Dem Alter des Kindes angepasste Messung des Blutdrucks, Venenpunktionen, intramuskuläre Injektionen, Harnblasenkatheterisierung, einfache Tests des Gehörs und der Sehschärfe und Verordnung von Medikamenten (2)
- Anpassen von redressierenden Verbänden, z.B. bei neurogenen Spitzfüssen (2)
Rehabilitation bei geriatrischen Patienten
Grundlagen
- Grundlegendes Wissen im Bereich der allgemeinen inneren Medizin und Akutgeriatrie,
speziell Erkrankungen und medizinische Komplikationen, welche die Rehabilitation betagter Patientinnen und Patienten beeinflussen können, Herzkreislauf, Infekte und medizinische Notfälle (3) - Kenntnisse des physiologischen und pathologischen Alterns, Einfluss der altersabhängigen Faktoren auf die Gesundheit (3)
- Kenntnisse der häufigsten geriatrischen Syndrome wie Malnutrition, Funktionsverlust der
Sinnesorgane, Demenz, Depression, Delir, Inkontinenz, Immobilität und Sturz (3) - Kenntnisse der häufigsten chronischen Krankheiten und Behinderungen im Alter wie orthopädische Erkrankungen, post-stroke Rehabilitation und Rehabilitation bei internistischen Leiden (3)
Diagnostische Verfahren
- Geriatrische Anamnese unter Einbezug der Eigenheiten der Symptomatologie bei Betagten und der altersspezifischen Veränderungen wie Vigilanz, affektiver Zustand, und Urteilsfähigkeit (3)
- Testverfahren im Rahmen des multidimensionalen geriatrischen Assessments wie Mentalstatus-Untersuchungen (Glasgow Coma Scale, Mini-Mental-Status, CAM bei Delir und
geriatric depression scale bei Depression), Mobilitäts- und Gleichgewichtserfassung wie
Tinetti-Test, Timed-Up-and-Go-Test und Functional Reach-Test sowie funktionelle Teste
wie Barthel oder FIM (3)
Therapeutische Verfahren
- Kenntnisse der Therapieprinzipien der im Alter häufigsten neurologischen und muskuloskelettalen Rehabilitationsindikationen bei Stroke, Multiple Sklerose, Parkinson und Frakturen der Wirbelkörper, des Radius, des Humerus und hüftnaher Frakturen (3)
Allgemeine Innere Medizin
- Kompetenzen, welche sich ein angehender Allgemeiner Internist im ersten Jahr seiner Weiterbildung in Allgemeiner Innerer Medizin aneignet (3)
Weiterbildung Facharzt Physikalische Medizin und Rehabilitation – Facharztprüfung
Die Facharztprüfung besteht aus einem schriftlichen sowie einem mündlich-praktischen Teil, wobei beide Prüfungen separat bewertet werden und zwingend bestanden sein müssen, damit die Gesamtprüfung als erfolgreich gilt. Die Schlussbeurteilung lautet entsprechend entweder “bestanden” oder “nicht bestanden”.
Die schriftliche Prüfung entspricht dem Examen des European Board of Physical and Rehabilitation Medicine und wird als Multiple-Choice-Prüfung durchgeführt. Sie dauert insgesamt drei Stunden und umfasst 100 Fragen. Diese Prüfung findet dezentralisiert gleichzeitig in ganz Europa statt und wird vom European Board organisiert. Sowohl die Auswertung der Prüfung als auch die Festlegung der Bestehensgrenze erfolgen zentral durch das European Board. Darüber hinaus wird die schriftliche Prüfung ausschliesslich in englischer Sprache abgelegt.
Der mündliche Teil der Facharztprüfung besteht aus einer mündlichen und praktischen Problembearbeitung, bei der der Kandidat von zwei Examinatoren geprüft wird. Grundlage bilden zwei Patientendossiers, anhand derer die fachlichen Kenntnisse, praktischen Fertigkeiten sowie die sozialen und kommunikativen Kompetenzen beurteilt werden. Die Bewertung erfolgt nach einem vorgegebenen Punktesystem mit definiertem Antwortkatalog. Pro Patientendossier stehen mindestens 15 Minuten Vorbereitungszeit sowie anschliessend 15 bis 20 Minuten Prüfungszeit zur Verfügung. Die mündliche Prüfung kann auf Deutsch oder Französisch abgelegt werden; auf Wunsch ist sie auch auf Italienisch oder Englisch möglich.
Für jeden Prüfungsteil erhebt die Fachgesellschaft einen Unkostenbeitrag. Dieser beträgt CHF 1’000 für Mitglieder und CHF 1’200 für Nichtmitglieder pro Prüfungsteil.
Dokumentation und Logbuch
Während der gesamten Weiterbildung muss ein elektronisches Logbuch geführt werden, in dem nicht nur alle Lernziele, sondern auch die absolvierten Weiterbildungszeiten sowie besuchten Kurse und Kongresse festgehalten werden. Darüber hinaus werden weitere relevante Aktivitäten dokumentiert. Dieses Logbuch bildet die Grundlage für die regelmässige Evaluation des Ausbildungsfortschritts und ist gleichzeitig eine zwingende Voraussetzung für die Zulassung zur Facharztprüfung.
Facharzt Physikalische Medizin und Rehabilitation – Passende Jobs
Fachärzte für Physikalische Medizin und Rehabilitation verfügen über ein breites Spektrum an beruflichen Einsatzmöglichkeiten. Sie sind häufig in Spitälern tätig, wo sie Patienten nach Operationen, Unfällen oder schweren Erkrankungen betreuen. Darüber hinaus arbeiten sie in Rehabilitationszentren, in denen sie Menschen während der stationären oder ambulanten Rehabilitation begleiten und gleichzeitig die verschiedenen therapeutischen Massnahmen koordinieren. Zudem sind sie in weiteren medizinischen Einrichtungen beschäftigt, etwa in spezialisierten Rehakliniken, ambulanten Zentren oder in einer eigenen Arztpraxis. Nicht zuletzt bieten auch interdisziplinäre Gesundheitszentren vielfältige und attraktive Arbeitsmöglichkeiten in diesem Fachbereich.
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Häufige Fragen zur Facharztausbildung Physikalische Medizin und Rehabilitation
- Wie läuft die Weiterbildung zum Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation in der Schweiz ab?
- Wo kann ich als Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation in der Schweiz arbeiten?
- Für wen ist die Fachrichtung Physikalische Medizin und Rehabilitation in der Schweiz besonders geeignet?
In der Schweiz dauert die Weiterbildung zum Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation 5 Jahre und kombiniert stationäre muskuloskelettale Rehabilitation, Physikalische Medizin, Allgemeine Innere Medizin und rehabilitationsnahe Fächer wie Neurologie, Kardiologie oder Geriatrie. Zusätzlich sind Kurse der SGPMR, Fähigkeitsausweise (z.B. Strahlenschutz) und eine Facharztprüfung erforderlich.
Reha-Ärzte finden Stellen in universitären Zentren (z.B. Zürich, Bern, Basel, Lausanne), regionalen Spitälern, spezialisierten Rehakliniken sowie in ambulanten Rehazentren und Praxen. Die Einsatzmöglichkeiten reichen von neurologischer über muskuloskelettale bis hin zu geriatrischer und kardiovaskulärer Rehabilitation.
Die Fachrichtung Physikalische Medizin und Rehabilitation eignet sich für Ärzte, die gerne interdisziplinär arbeiten, langfristige Rehabilitationsprozesse begleiten und den Fokus auf Funktionsverbesserung, Teilhabe und Versicherungsmedizin legen. Besonders attraktiv ist es für Medizinstudierende und Assistenzärzte, die Patienten auf ihrem Weg zurück in Beruf und Alltag in einem Schweizer Setting betreuen möchten.










