
Die Kinderchirurgie ist ein hoch spezialisiertes Fachgebiet der Medizin, das sich ganz den Bedürfnissen junger Patienten widmet. Von der Geburt bis zum Ende des Wachstums behandelt sie Erkrankungen, Fehlbildungen und Verletzungen, die besondere chirurgische Kenntnisse erfordern. Dabei verbindet sie modernste Operationstechniken mit einem einfühlsamen Umgang, denn Kinder brauchen nicht nur medizinische Präzision, sondern auch Vertrauen und Zuwendung. Für Ärzte bietet die Kinderchirurgie ein spannendes, interdisziplinäres Arbeitsfeld mit hoher Verantwortung und der Möglichkeit, das Leben von Kindern nachhaltig zu verbessern. Im Folgenden wird erläutert, wie der Weg in dieses Fachgebiet aussieht, welche Aufgaben es umfasst und welche Perspektiven es bietet.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Ausbildungsweg: Medizinstudium mit eidg. Arztdiplom, danach 6 Jahre Weiterbildung (4–5 Jahre klinische Kinderchirurgie, 1–2 Jahre chirurgische Basisweiterbildung/andere Disziplinen); Abschluss mit Facharztprüfung (schriftlich + praktisch-mündlich)
- Aufgabenprofil: Kombination aus Akutversorgung und langfristiger Betreuung: Behandlung angeborener Fehlbildungen, Erkrankungen und Unfallfolgen; prä-, peri- und postoperative Betreuung; Neugeborenenchirurgie und Kinderurologie; Einsatz moderner, minimal-invasiver Techniken; interdisziplinäre Zusammenarbeit
- Arbeitsorte: vor allem Spitäler/Krankenhäuser (OP, Notfall, Tagesklinik, Intensivstation), Neonatologie/Perinatalzentrum
- Mögliche Spezialisierungen: Kindernotfallmedizin (2 Jahre, 1 Jahr während der Facharztausbildung anrechenbar) und Spezialisierte Kinderchirurgie (3 Jahre nach Facharzttitel) für besonders anspruchsvolle Eingriffe
- Lohn: je nach Region, Erfahrung und Position stark variabel; Beispiel Kanton Zürich: Assistenzarzt ca. CHF 8‘105, Chefarzt ca. CHF 13‘977; in chirurgischen Leitungsfunktionenzwischen CHF 19‘000 und CHF 46‘000
Wie wird man Kinderchirurg?
Um Kinderchirurg zu werden, braucht man zuerst ein abgeschlossenes Medizinstudium mit dem eidgenössischen Arztdiplom. Danach folgt eine sechsjährige Weiterbildung, die wie folgt aufgebaut ist:
- 4 bis 5 Jahre fachspezifische Weiterbildung in der klinischen Kinderchirurgie
- 1 bis 2 Jahre nicht fachspezifischen Weiterbildung: Dazu gehört die chirurgische Basisweiterbildung, in der Einsätze in verschiedenen chirurgischen Fachrichtungen, wie Handchirurgie oder Gefässchirurgie, absolviert werden. Maximal ein weiteres Jahr kann in weiteren klinischen Disziplinen verbracht werden.
Mehr zur Weiterbildung zum Kinderchirurgen hier:
Übersicht aller Facharztausbildungen und Fachrichtungen in der Schweiz:
Kinderchirurgie – Aufgaben
Die Aufgaben eines Kinderchirurgen sind vielfältig und anspruchsvoll. Neben der Behandlung von angeborenen Fehlbildungen, Erkrankungen und Unfallfolgen umfasst die Kinderchirurgie auch die präoperative Abklärung, chirurgische Therapie sowie die peri- und postoperative Betreuung von Kindern und Jugendlichen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Neugeborenenchirurgie, wo komplexe Eingriffe wie die Korrektur von Zwerchfellhernien oder Darmfehlbildungen durchgeführt werden. In der Kinderurologie werden Erkrankungen der Harnwege und Geschlechtsorgane behandelt, beispielsweise die Zirkumzision bei Phimose oder die Korrektur von Hypospadie. Dabei nutzen sie modernste Operationstechniken und arbeiten oft eng mit anderen Fachärzten zusammen, um eine bestmögliche Versorgung sicherzustellen.
Typische Aufgaben sind zum Beispiel:
- Behandlung von Nabel- und Leistenbrüchen
- Operation von Darmverschlüssen
- Eingriffe an inneren Organen
- Behandlung von Verletzungen, etwa nach Unfällen
- Versorgung von Infektionskrankheiten
- Behandlung von Allergien
- Anwendung minimal-invasiver Techniken wie (3D-) Laparoskopie
Die Kinderchirurgie erfordert nicht nur chirurgisches Fachwissen, sondern auch ein hohes Mass an Empathie und Kommunikationsfähigkeit, da die Behandlung von Kindern und der Umgang mit ihnen und ihren Eltern besondere Sensibilität verlangt. Neben den Operationen spielt auch die Begleitung der jungen Patienten eine wichtige Rolle. Kinderchirurgen betreuen sie vor und nach dem Eingriff, erklären die Behandlung und stehen im engen Austausch mit den Eltern, um Ängste zu nehmen und Fragen zu beantworten.
Für wen ist die Fachrichtung Kinderchirurgie interessant?
Die Kinderchirurgie ist vor allem für Ärzte spannend, die bereits einen chirurgischen Hintergrund haben und diesen weiter spezialisieren möchten. Sie arbeiten interdisziplinär mit Fachbereichen wie Anästhesie, Radiologie, Ergotherapie, Physiotherapie und auch mit Hausärzten zusammen. Dabei erfordert der Beruf ein hohes Mass an Präzision, zum Beispiel bei mikrochirurgischen Eingriffen. Ebenso wichtig ist die Freude am Umgang mit Kindern und ihren Eltern, da die Betreuung immer das gesamte Umfeld umfasst. Besonders erfüllend ist, dass Kinderchirurgen schon bei Neugeborenen und Kindern von Anfang an die Lebensbedingungen entscheidend verbessern und deren Entwicklung positiv fördern können.
Wo kann man als Kinderchirurg arbeiten?
Kinderchirurgen arbeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens. Am häufigsten sind sie in Krankenhäusern und Spitälern tätig, wo sie sowohl geplante Eingriffe durchführen als auch Notfälle versorgen. Auch in Notfallabteilungen, Tageskliniken oder auf Intensivstationen übernehmen sie wichtige Aufgaben. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Neonatologie, oft in enger Zusammenarbeit mit der Frauenklinik, oder das Perinatalzentrum, wo sie bereits Neugeborene mit speziellen Bedürfnissen betreuen. Damit bietet die Kinderchirurgie ein vielseitiges Arbeitsumfeld, das sowohl Akutversorgung als auch langfristige Betreuung umfasst.
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Spezialisierungen und Weiterbildungen
Nach der Facharztausbildung können Kinderchirurgen ihr Wissen durch zusätzliche Spezialisierungen vertiefen. Ein Schwerpunkt liegt in der Kindernotfallmedizin. Diese Weiterbildung dauert zwei Jahre, wobei ein Jahr bereits während der Facharztausbildung in Kinderchirurgie angerechnet werden kann. In diesem Bereich geht es um die Betreuung von dringlichen Notfallpatienten, was ein hohes Mass an Fachkompetenz erfordert. Da die Fälle oft sehr komplex sind, übernehmen Kinderchirurgen die Führung eines Notfallteams, treffen Entscheidungen bei mehreren gleichzeitig eintreffenden Notfällen und leiten rechtzeitig notwendige Spezialuntersuchungen ein.
Eine weitere Möglichkeit ist die Spezialisierte Kinderchirurgie. Diese Weiterbildung baut auf dem abgeschlossenen Facharzttitel auf und dauert drei Jahre. Sie konzentriert sich auf chirurgische Eingriffe mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad. Dafür benötigen Kinderchirurgen vertiefte Kenntnisse sowie gezielte Schulungen in speziellen Bereichen der Kinderchirurgie, um auch besonders anspruchsvolle Operationen sicher durchführen zu können.
Kinderchirurgie – Wie hoch ist der Lohn?
Der Lohn von Fachärzten in der Kinderchirurgie hängt stark von Region, Berufserfahrung und konkreten Tätigkeiten ab. In vielen Fällen ist er durch Gesamtarbeitsverträge geregelt. Ein Assistenzarzt im Kanton Zürich verdient laut Lohnbuch beispielsweise im Durchschnitt rund CHF 8‘105, während ein Chefarzt etwa CHF 13‘977 erhält. In chirurgischen Fachrichtungen, zu denen auch die Kinderchirurgie gehört, können die Einkommen je nach Position und Verantwortung deutlich höher liegen und Werte zwischen CHF 19‘356 und CHF 45‘739 erreichen. Mehr zum Arztgehalt in der Schweiz:










