
Die Facharztweiterbildung in der Nuklearmedizin stellt einen zentralen Baustein in der modernen, patientenorientierten Medizin dar. Sie verbindet naturwissenschaftliche Grundlagen mit innovativer Bildgebung und gezielten Therapieverfahren und ermöglicht dadurch eine frühe Diagnose sowie eine individualisierte Behandlung zahlreicher Erkrankungen. Während der mehrjährigen Weiterbildung erwerben Ärzte fundierte Kenntnisse in Diagnostik, Therapie, Strahlenschutz und Qualitätssicherung. Der folgende Artikel gibt einen strukturierten Überblick über Inhalte, Anforderungen und Ablauf der Facharztweiterbildung Nuklearmedizin.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Fachprofil: Funktionelle Diagnostik und Therapie mit radioaktiven Substanzen, Schwerpunkt auf molekularer Bildgebung und Radionuklidtherapie
- Weiterbildung (Schweiz): 5 Jahre Facharztausbildung: bis zu 5 Jahre fachspezifisch in der Nuklearmedizin, bis zu 2 Jahre in der Radiologie oder verwandten Fachrichtungen
- Inhalte & Anforderungen: Diagnostik, Therapie, Strahlenschutz, Qualitätssicherung
- Prüfung: Zweiteilige Facharztprüfung (Multiple Choice, Fallbeispiele, mündlich)
- Arbeitsorte: Spitäler, Kliniken, spezialisierte Zentren, Forschung
Facharzt Nuklearmedizin – Tätigkeiten
Die Nuklearmedizin nutzt radioaktive Stoffe zur Diagnostik und Therapie von Krankheiten. Im Mittelpunkt stehen dabei Funktion, Stoffwechsel und Aktivität von Organen, nicht nur deren Form – etwa bei Erkrankungen der Schilddrüse.
Ein zentrales Gebiet ist die molekulare Bildgebung, mit der krankhafte Prozesse oft früher als strukturelle Veränderungen erkannt werden können. Moderne Hybridbildgebung verbindet funktionelle mit anatomischen Informationen.
Neben der Diagnostik hat die Nuklearmedizin auch eine therapeutische Rolle, insbesondere in der Krebsbehandlung: Radioaktive Substanzen wirken gezielt im erkrankten Gewebe und schonen weitgehend die Umgebung. Zudem umfasst das Fachgebiet Strahlenschutz, Dosimetrie sowie Patienten- und Laboruntersuchungen. Mehr zu Aufgaben, Karriere und Gehalt als Nuklearmediziner hier:
Übersicht aller Facharztausbildungen und Fachrichtungen:
Weiterbildung Facharzt Nuklearmedizin – Voraussetzungen
Um Nuklearmediziner zu werden, braucht man zuerst ein abgeschlossenes Medizinstudium mit eidgenössischem Arztdiplom. In der Regel erfolgt dies nach erfolgreichem Abschluss des Studiums der Humanmedizin an einer Schweizer Universität oder einer international anerkannten Hochschule und wird vom Schweizerischen Bundesamt für Gesundheit (BAG) anerkannt.
Weiterbildung Facharzt Nuklearmedizin – Dauer und Gliederung
Die Weiterbildung zum Facharzt in der Nuklearmedizin dauert insgesamt fünf Jahre und ist folgendermassen gegliedert:
- 3 bis 5 Jahre fachspezifische Weiterbildung in der Nuklearmedizin: Während dieser Zeit muss man die Weiterbildungsstätte mindestens einmal wechseln, und zwar für mindestens ein Jahr.
- Bis zu 2 Jahre nicht fachspezifische Weiterbildung: Diese kann man entweder in der Radiologie oder in Schwerpunkten wie diagnostischer oder invasiver Neuroradiologie sowie pädiatrischer Radiologie absolvieren. Bis zu ein Jahr darf ausserdem in einem nahestehenden Gebiet erfolgen, zum Beispiel in der Allgemeinen Inneren Medizin, Endokrinologie oder Kardiologie.
Zusatzmöglichkeiten
Zusätzlich müssen im Laufe der Weiterbildung folgende Leistungen absolviert werden:
- Regelmässige Teilnahme an Jahresversammlungen und Fortbildungsveranstaltungen der Schweizerischen Gesellschaft für Nuklearmedizin oder äquivalente Veranstaltungen im Ausland
- Strahlenschutzkurs: Absolvierung eines BAG-anerkannten Strahlenschutzkurses mit Theorie, praktischer Anwendung und Abschlussprüfung gemäss Strahlenschutz-Ausbildungsverordnung
- Ultraschallkurs: Teilnahme an einem einführenden Ultraschallkurs “Schilddrüse”
- Präsentation eines Vortrags oder eines Posters an einem Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Nuklearmedizin
Facharzt Nuklearmedizin – Inhalte der Weiterbildung
Die Weiterbildung zum Facharzt für Nuklearmedizin vermittelt ein umfassendes Verständnis der diagnostischen und therapeutischen Anwendungen radioaktiver Substanzen in der Medizin. Sie verbindet theoretisches Fachwissen mit praktischen klinischen Fähigkeiten und befähigt zur selbstständigen Durchführung, Interpretation und Bewertung nuklearmedizinischer Untersuchungen und Therapien.
Theoretische Kenntnisse
Basiswissenschaften
- Physik und Apparatekunde
- Biostatistik
- Epidemiologie
- Pharmakologie
- Immunologie
- Anatomie und Physiopathologie
- Radiochemie, Radiopharmazie
- Biokinetik, Radiobiologie und Risikoeinschätzung
- Strahlenschutz (rechtliche Grundlagen und praktische Durchführung)
- Medizinisch-rechtliche Aspekte
- Bildverarbeitung und Informatik
- Molekulare Bildgebung
- Qualitätssicherung
- Fähigkeit, wissenschaftliche Arbeiten kritisch zu analysieren, zu interpretieren und zusammenzufassen
Praktische Kenntnisse und Fähigkeiten
Pharmakotherapie
- Kenntnis der gebräuchlichen (Radio-) Pharmaka: Pharmakokinetik, klinisch relevante Neben- und Wechselwirkungen, sowie Berücksichtigung des Alters und von Organinsuffizienzen bei der Dosierung, Kosten-Nutzenrelation
- Kenntnis der Wechselwirkungen von allgemein gebräuchlichen Pharmaka mit in der Nuklearmedizin verwendeten (Radio-) Pharmaka
- Kenntnis der gesetzlichen Grundlagen über die Arzneimittelverschreibung (Heilmittelgesetz, Betäubungsmittelgesetz, Krankenversicherungsgesetz und die für den Arzneimittelgebrauch relevanten Verordnungen, insbesondere Spezialitätenliste)
- Kenntnisse über die Arzneimittelprüfung in der Schweiz sowie die hierbei zu beachtenden ethischen und wirtschaftlichen Grundsätze
Klinische Fähigkeiten
- Anamneseerhebung und korrekter klinischer Status
- Beurteilung nuklearmedizinischer Untersuchungen unter Berücksichtigung der Anamnese, des klinischen Status und der erhaltenen Befunde
- Differentialdiagnose auf Grund der erhaltenen Befunde
- Beurteilung der Indikationsstellung und etwaiger Kontraindikationen und Risiken der nuklearmedizinischen Untersuchung oder Therapie, sowie Erkennen von damit verbundenen pharmakologischen oder physiologischen Massnahmen, unter Berücksichtigung einer “Evidence-based Medicine”
- Durchführung der verschiedenen nuklearmedizinischen Therapieformen, einschliesslich der damit verbundenen Nachsorge
- Durchführung der nuklearmedizinischen Diagnostik inklusive der dazu gehörenden Stress-Tests
- Qualitätssicherung im Rahmen der durchgeführten Diagnostik und Therapie
- Beurteilung von nuklearmedizinischen Untersuchungen hinsichtlich ihrer Aussagekraft und Indikation im Vergleich mit anderen bildgebenden und nicht-bildgebenden Verfahren
- Verantwortungsübernahme für die Sicherheit des Patienten während seines Aufenthaltes in der nuklearmedizinischen Abteilung
- Beherrschung von Notfallsituationen, Wiederbelebungsmassnahmen
- Fähigkeit bei Hybridbildgebung, die Schnittbild-Anatomie und -Pathologie zu kennen und im Befund zu integrieren
Spezifische Weiterbildung in Nuklearmedizin
Technische Kompetenzen
- Markierung von Radiopharmaka und Blutzellen
- Verabreichung von Radiopharmaka und Röntgenkontrastmitteln
- Datenverarbeitung, Informatik, Bildverarbeitung
- Qualitätskontrolle der gebräuchlichen Apparate und Radiopharmaka
- Dosimetrie in Diagnose und Therapie
- Strahlenschutz im Umgang mit offenen Radionukliden und den gebräuchlichen nuklearmedizinischen Geräten
- Strahlenschutz im Umgang mit CT ohne Kontrastmittel zur Schwächungskorrektur und Lokalisationsdiagnostik
- Grundlagen der Einstelltechnik
In vivo Diagnostik
Mindestens 3’500 dokumentierte, selbständig durchgeführte und befundete Untersuchungen, die das gesamte Spektrum der Nuklearmedizin betreffen, müssen nachgewiesen werden. Für jede Kategorie ist jeweils ein Richtwert für die Anzahl der Untersuchungen angegeben.
- Zentralnervensystem (100)
- Bewegungsapparat (600)
- Herz- und Kreislaufsystem (400)
- Respirationstrakt (300)
- Gastrointestinaltrakt (40)
- Urogenitalsystem (400)
- Endokrine Organe (400)
- Sonographie mit / ohne Feinnadelpunktion der Schilddrüse und Halsregion (100)
- davon unter Supervision bzw. in einer Schilddrüsenambulanz (mindestens) (50)
- Hämatopoetisches und lymphatisches System (100)
- Tumoren und Infektionen (900)
Nuklearmedizinisches Labor
- Herstellung von Radiopharmaka einschliesslich Qualitätskontrolle unter Supervision (≥10 Ansätze)
Therapie
Für die Qualifikation müssen mindestens 80 Therapien mit offenen Strahlenquellen bei gut- und bösartigen Erkrankungen bzw. Radiofrequenz-/Thermoablationen gutartiger Schilddrüsenknoten durchgeführt werden.
Dabei sind Indikationsstellung, Dosimetrie, Strahlenschutz sowie die Betreuung der Patienten einschliesslich Nachkontrollen nachzuweisen. Gefordert werden zudem vertiefte Kenntnisse insbesondere in der Radiojodtherapie, Radiosynoviorthese, Radioimmun- und Radiopeptidtherapie, Radioembolisation, Knochenschmerztherapie sowie der Radiofrequenz-/Thermoablation von Schilddrüsenknoten.
Strahlenschutz
- Optimales therapeutisches oder diagnostisches Verfahren wählen
- Therapeutisches oder diagnostisches Verfahren hinsichtlich Dosisminimierung von Patient und Personal optimieren sowie Referenzwerte (Diagnostische Referenzwerte) berücksichtigen
- Einhaltung der Grenzwerte im Strahlenschutz sicherstellen
- Publizierte Guidelines betreffend Verschreibungskriterien umsetzen
- Patient oder Tierhalter über Nutzen und Risiko informieren
- Kontroll- oder Überwachungsbereiche festlegen und die dazugehörigen Massnahmen definieren
- Qualitätskontrollen von medizinischen Anlagen beziehungsweise Radiopharmazeutika durchführen
- Funktionstüchtigkeit der erforderlichen Messgeräte sicherstellen
- Strahlenmessungen durchführen und die Messresultate interpretieren
- Strahlenschutzkonforme Arbeitsmethoden mit Anlagen unter Berücksichtigung des Optimierungsprinzips festlegen und überwachen
- Strahlenschutzkonforme Arbeitsmethoden mit Anlagen anwenden
- Bewilligungswesen organisieren und die Korrespondenz mit den zuständigen Behörden sicherstellen
- Administration der beruflich strahlenexponierten Personen organisieren, die individuelle Dosimetrie der beruflich strahlenexponierten Personen analysieren und gegebenenfalls notwendige Massnahmen treffen
- Betriebsinterne Weisungen erstellen und deren Einhaltung kontrollieren
- Bewilligungsinhaber bei Fragen zum Strahlenschutz beraten
- Andere Personen im strahlenschutz-gerechten Verhalten aus- und fortbilden sowie instruieren
- Grenzen der eigenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen im Strahlenschutz kennen und nötigenfalls Spezialisten hinzuziehen
Nicht-fachspezifische Weiterbildung
- Radiologie: Grundlagen und Prinzipien radiologischer Verfahren im Hinblick auf die Indikationsstellung und Befundung
- Radio-Onkologie: Grundlagen und Prinzipien der Behandlung von gut- und bösartigen Erkrankungen mit ionisierenden Strahlen im Hinblick auf die Indikationsstellung und Erarbeitung onkologischer Gesamtkonzepte
- Onkologie: Grundlagen und Prinzipien der Diagnostik und Therapie sowie Nachkontrolle bei malignen Erkrankungen
- Kardiologie: Grundlagen und Prinzipien der Grundversorgung von Patienten mit Herz- und Kreislauferkrankungen, insbesondere auch in Notfallsituationen. Durchführung und Interpretation von EKG, Belastungs-EKG
- Endokrinologie: Grundlagen und Prinzipien der Diagnostik und Behandlung endokrinologischer Erkrankungen mit den Schwerpunkten Schilddrüse und Nebenniere
- Radiophysik, Radiochemie/-pharmazie, Radiobiologie, Bioengineering: Naturwissenschaftliche Grundlagen des jeweiligen Gebietes inklusive der jeweiligen Labortechniken
- Neurologie: Grundlagen und Prinzipien der Diagnostik und Behandlung neurologischer Erkrankungen mit dem Schwerpunkt Demenzerkrankungen
Qualitätsförderung, wissenschaftliche Grundlagen
Erforderlich sind Kenntnisse der aktuellen Fachliteratur und gültiger Leitlinien für nuklearmedizinische Diagnostik und Therapie, insbesondere der SGNM, DGN und EANM.
Dazu gehören wichtige Qualitätsparameter nuklearmedizinischer (und relevanter radiologischer) Bildgebung sowie Auditing- und Qualitätssicherungsmechanismen. Weiterhin werden Kenntnisse über den Aufbau und die Qualitätskriterien klinisch-nuklearmedizinischer Studien, statistische Kennzahlen zur technischen Leistungsfähigkeit, diagnostischen Genauigkeit und klinischen Relevanz von Bildgebungsverfahren sowie das Fortbildungsprogramm und die Fortbildungspflicht verlangt.
Weiterbildung Facharzt Nuklearmedizin – Facharztprüfung
Die Facharztprüfung für Nuklearmedizin ist Teil der Weiterbildung und gliedert sich in zwei Teilprüfungen, die unterschiedliche Aspekte des Fachgebiets abdecken.
Die erste Teilprüfung erfolgt in Form einer Multiple-Choice-Prüfung. Sie ist in mehrere Prüfungsblöcke unterteilt, wobei sich jeder Block einem klar definierten Themengebiet der Nuklearmedizin widmet. Dadurch wird das breite theoretische Grundlagenwissen systematisch überprüft.
Die zweite Teilprüfung bewertet sowohl das theoretische Wissen als auch die klinischen Fähigkeiten der Kandidaten. Sie beginnt mit einem schriftlichen Abschnitt, der aus etwa 60 fallbasierten Multiple-Choice-Fragen besteht und eine Bearbeitungszeit von rund drei Stunden umfasst. Daran schliesst sich eine Fallvorstellung von fünf bis zehn Minuten an. Ergänzt wird diese Prüfung durch einen mündlichen Abschnitt von etwa einer Stunde, in dem der Kandidat anhand der Interpretation und Diskussion klinischer Beispiele aus dem gesamten Spektrum der Nuklearmedizin geprüft werden.
Jede Teilprüfung wird separat benotet. Die Prüfung gilt insgesamt als bestanden, wenn eine Gesamtnote von mindestens 4,0 erreicht wird, keine Einzelnote unter 3,0 liegt und höchstens eine Einzelnote unter 4,0 ist. Das Ergebnis wird abschliessend als „bestanden“ oder „nicht bestanden“ festgelegt.
Dokumentation und Logbuch
Während der gesamten Weiterbildung ist ein elektronisches Logbuch zu führen. Darin werden sämtliche Lernziele, absolvierte Weiterbildungsabschnitte, durchgeführte Untersuchungen, besuchte Kurse und Kongresse sowie weitere relevante Tätigkeiten systematisch dokumentiert. Das Logbuch bildet die Grundlage für die regelmässige Beurteilung des Ausbildungsfortschritts und stellt zugleich eine zwingende Voraussetzung für die Zulassung zur Facharztprüfung dar.
Facharzt Nuklearmedizin – Passende Jobs
Nuklearmediziner arbeiten vor allem in Spitälern und Universitätskliniken, wo sie an der Diagnostik und Therapie von Patienten beteiligt sind. Ausserdem finden sie Beschäftigung in spezialisierten nuklearmedizinischen Instituten, in Privatkliniken oder in medizinischen Zentren. Weitere Arbeitsfelder sind Forschung und Lehre an Hochschulen sowie Tätigkeiten in der pharmazeutischen Industrie, zum Beispiel in der Entwicklung von Radiopharmaka oder im Bereich Strahlenschutz.
Auf der Suche nach einer passenden Stelle?
Häufige Fragen zur Weiterbildung Facharzt Nuklearmedizin
- Bei welchen Krankheiten wird Nuklearmedizin eingesetzt?
- Sind Radiologie und Nuklearmedizin das Gleiche?
- Welche Risiken birgt die Nuklearmedizin?
Die Nuklearmedizin wird unter anderem bei Schilddrüsenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Knochenerkrankungen, Entzündungen und Infektionen eingesetzt, um Funktionsstörungen zu erkennen und gezielt zu behandeln.
Nein, Radiologie fokussiert vor allem auf strukturelle Bildgebung wie Röntgen oder MRT, während die Nuklearmedizin Funktion und Stoffwechsel von Organen sichtbar macht.
Die Risiken der Nuklearmedizin sind gering und meist strahlenbedingt, etwa eine minimale Strahlenexposition; Nebenwirkungen können bei therapeutischen Anwendungen auftreten, bleiben aber in der Regel kontrollierbar.












