
In der Facharztrichtung Rheumatologie befassen sich Fachärzte mit Erkrankungen des Bewegungsapparats, des Bindegewebes und des Immunsystems. Der Rheumatologe diagnostiziert und behandelt entzündliche sowie degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates und systemische Autoimmunerkrankungen. In der Schweiz ist die Rheumatologie eine spezialisierte, internistisch geprägte Fachrichtung, die Ärzten vielfältige Tätigkeitsfelder in Klinik, Praxis und Forschung eröffnet.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
Voraussetzung: Medizinstudium mit eidgenössischem Arztdiplom (oder gleichwertige Anerkennung)
Weiterbildung (Schweiz): 6 Jahre nach SIWF (2–3 Jahre Allgemeine Innere Medizin, 3–4 Jahre Rheumatologie, 1 Jahr Wahlzeit)
Aufgaben: Diagnostik und Therapie entzündlicher, degenerativer und autoimmuner Erkrankungen von Gelenken, Knochen, Muskeln; Sonografie, Bildgebung, Labor; Injektionen/Gelenkpunktionen; Langzeitbetreuung
Therapien: NSAR, Kortikosteroide, DMARDs (konventionell/biologisch), JAK‑Inhibitoren; Verlaufsmonitoring
Arbeitsorte: Universitäts- und Kantonsspitäler, ambulante Praxen, Reha-Zentren, Gutachterstellen, Forschung/Pharma
Lohn: Assistenzarzt ca. CHF 80’000–110’000; Fach-/Oberarzt ca. CHF 130’000–180’000; Leitungen ca. CHF 180’000–220’000; Praxis oft höher
Wie wird man Rheumatologe?
Der Weg zum Facharzt für Rheumatologie beginnt mit dem Medizinstudium und dem Erwerb des eidgenössischen Arztdiploms oder einer gleichwertigen Anerkennung. Anschliessend folgt die strukturierte Weiterbildung gemäss der Weiterbildungsordnung des Schweizerischen Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF).
Die Weiterbildung dauert insgesamt sechs Jahre. Sie gliedert sich in:
- 2 bis 3 Jahre Allgemeine Innere Medizin
- 3 bis 4 Jahre fachspezifische Rheumatologie
- 1 Jahr Wahlzeit in einem verwandten Gebiet
Nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung und bestandener Prüfung wird der Titel „Facharzt für Rheumatologie (FMH)“ verliehen. Mehr zur Weiterbildung hier:
Übersicht aller Facharztausbildungen und Fachrichtungen in der Schweiz:
Rheumatologie – Aufgaben
Rheumatologen beschäftigen sich mit einem breiten Spektrum an Erkrankungen, die Knochen, Gelenke, Muskeln und das Immunsystem betreffen. Zu den häufigsten Krankheitsbildern gehören:
- Rheumatoide Arthritis
- Spondyloarthritiden (z. B. Morbus Bechterew)
- Systemischer Lupus erythematodes
- Vaskulitiden und Kollagenosen
- Gicht und Stoffwechselerkrankungen der Gelenke
- Osteoporose
- Weichteilrheumatismus und Fibromyalgie
Die ärztliche Tätigkeit umfasst die klinische Untersuchung, Labordiagnostik (inklusive serologischer und immunologischer Tests), Bildgebung (Ultraschall, Röntgen, MRT) sowie therapeutische Interventionen wie Gelenkpunktionen oder Injektionen. Rheumatologen setzen Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika, Kortikosteroide, krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs) und Biologika ein und überwachen deren Wirkung und Verträglichkeit.
Ein zentraler Aspekt der Arbeit ist die Langzeitbetreuung chronisch erkrankter Menschen. Die meisten rheumatologischen Erkrankungen verlaufen chronisch, weshalb eine enge und kontinuierliche ärztliche Begleitung notwendig ist.
Darüber hinaus übernehmen Rheumatologen auch gutachterliche Tätigkeiten, beispielsweise für Versicherungen, Renten- und IV-Stellen, wenn es um die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit oder bleibender Einschränkungen geht.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit spielt in der Rheumatologie eine grosse Rolle. Rheumatologen arbeiten eng mit Physiotherapeuten, Orthopäden, Radiologen, Immunologen, Dermatologen, Nephrologen und weiteren Facharztrichtungen zusammen.
Viele Rheumatologen sind zudem wissenschaftlich tätig – beispielsweise in der Erforschung neuer Therapien, der Entwicklung von Biomarkern oder in Studien zur Medikamentensicherheit. Aufgrund der Nähe zur Immunologie und Inneren Medizin bietet das Fach ein grosses wissenschaftliches Potenzial.
In den letzten Jahren hat sich die Rheumatologie zudem stark gewandelt. Mit der Einführung moderner Biologika und zielgerichteter Therapien (z. B. JAK-Inhibitoren) konnten viele Krankheitsverläufe, die früher zu schweren Gelenkzerstörungen führten, deutlich verbessert werden. Die frühzeitige Diagnose und eine konsequente Therapieplanung sind heute entscheidend, um bleibende Schäden zu vermeiden. Rheumatologen begleiten ihre Patienten dabei eng, passen Therapien an und überwachen Krankheitsaktivität mit modernen Verlaufsparametern und bildgebenden Verfahren.
Für wen ist die Fachrichtung Rheumatologie interessant?
Die Rheumatologie ist ideal für Ärzte, die eine Mischung aus internistischer Komplexität, Langzeitbegleitung und therapeutischer Vielfalt wünschen. Wer nicht nur akute Fälle, sondern auch chronische Krankheitsverläufe verstehen und begleiten möchte, findet hier ein reizvolles Umfeld.
Wer sich für die Rheumatologie entscheidet, sollte Freude an langfristiger Patientenbetreuung, komplexer Diagnostik und interdisziplinärer Arbeit haben. Da viele Patienten über Jahre in Behandlung bleiben, entsteht ein Vertrauensverhältnis, das von Empathie und Verlässlichkeit geprägt ist. Auch das Erklären komplexer Krankheitsmechanismen und Therapieschritte gehört zum Alltag. Wer Freude daran hat, Zusammenhänge zu vermitteln und langfristige Beziehungen zu pflegen, wird in der Rheumatologie besonders gefordert – und belohnt.
Wer Interesse an immunologischen Mechanismen, chronischen Erkrankungen und systemischer Medizin hat, findet in der Rheumatologie eine passende Spezialisierung. Der Fachbereich erfordert strukturiertes Vorgehen, Beobachtungsgabe und Genauigkeit – insbesondere bei der Beurteilung unspezifischer Symptome oder schleichender Krankheitsverläufe.
Auch Ärzte, die eine Tätigkeit mit planbaren Arbeitszeiten bevorzugen, profitieren von der Rheumatologie. Der Alltag ist meist geprägt von ambulanten Terminen, geplanten Untersuchungen und geregelten Abläufen – im Gegensatz zu vielen akutorientierten Fächern.
Darüber hinaus bietet die Rheumatologie zahlreiche Möglichkeiten zur Forschung und Lehre, insbesondere an universitären Kliniken. Themen wie personalisierte Medizin, neue Therapieformen oder digitale Verlaufserfassung machen das Fach zukunftsorientiert und wissenschaftlich attraktiv.
Wo kann man als Rheumatologe arbeiten?
Rheumatologen arbeiten in unterschiedlichen Strukturen des Schweizer Gesundheitssystems. Beschäftigungsmöglichkeiten bestehen in:
- Universitären Kliniken und Spitälern mit Abteilungen für Rheumatologie oder Immunologie
- Kantonalen und regionalen Spitälern mit internistischen Schwerpunkten
- Ambulanten Praxen und Gruppenpraxen
- Rehabilitationszentren für muskuloskelettale Erkrankungen
- Gutachterstellen, Versicherungen und medizinischen Diensten
- Forschungseinrichtungen oder pharmazeutischen Unternehmen
Ein grosser Teil der Rheumatologen arbeitet heute im ambulanten Bereich. Die Zahl der rheumatologischen Praxen ist in den letzten Jahren gestiegen, da viele Patienten eine regelmässige Langzeitbetreuung benötigen.
In den grossen Städten – etwa Zürich, Bern, Basel oder Lausanne – sind zudem zahlreiche universitäre und kantonale Kliniken mit Forschungsabteilungen angesiedelt, die auch Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten. Rheumatologen, die sich wissenschaftlich orientieren möchten, finden dort besonders gute Rahmenbedingungen. Da die Rheumatologie ein spezialisiertes Fachgebiet ist, gibt es weniger Konkurrenz als in grossen klinischen Fächern – die Nachfrage nach Fachärzten ist stabil und regional hoch, insbesondere im ambulanten Bereich.
Passende Jobs
Rheumatologie – Wie hoch ist der Lohn?
Die Gehälter in der Rheumatologie orientieren sich an den allgemeinen Spitallöhnen für Fachärzte in der Schweiz und variieren je nach Institution, Kanton und Erfahrungsstufe.
Laut Lohnbuch 2025 und VSAO-Daten verdienen Assistenzärzte in der Schweiz zwischen CHF 80’000 und 110’000 pro Jahr. Fachärzte und Oberärzte erreichen Gehälter zwischen CHF 130’000 und 180’000, während leitende Positionen in Spitälern meist bei CHF 180’000 bis 220’000 liegen.
In Praxistätigkeit oder Gemeinschaftspraxen kann das Einkommen deutlich höher ausfallen, je nach Patientenstamm, Standort und Abrechnungssystem.
Zusätzliche Einkommensquellen entstehen durch Gutachtertätigkeiten, Forschung oder Lehrverpflichtungen. Mehr zum Lohn hier:
Häufige Fragen zur Facharztrichtung Rheumatologie
- Wie wird man Rheumatologe (FMH)?
- Welche Krankheiten behandelt die Rheumatologie am häufigsten?
- Welche Untersuchungen und Verfahren gehören zum Alltag?
- Wie sind die Arbeitszeiten in der Rheumatologie?
- Wo sind die Jobchancen für Rheumatologen am besten?
- Welche Rolle spielen moderne Therapien in der Rheumatologie?
Um Rheumatologe zu werden muss man nach dem Medizinstudium das eidg. Arztdiplom erhalten. Damit kann man die zugehörige Facharztweiterbildung Weiterbildung gemäss SIWF absolvieren.
Typische Krankheiten, die in der Rheumatologie behandelt werden sind: Rheumatoide Arthritis, Spondyloarthritiden (z. B. Morbus Bechterew), Lupus, Vaskulitiden/Kollagenosen, Gicht, Osteoporose, Weichteilrheumatismus/Fibromyalgie.
Zum Arbeitsalltag in der Rheumatologie gehören folgende Untersuchungen und Verfahren: Klinik, Labor (Serologie/Immunologie), Bildgebung (Ultraschall, Röntgen, MRT), Gelenkpunktionen/Injektionen, Verlaufsparameter (z. B. DAS28), Osteodensitometrie.
Rheumatologen arbeiten überwiegend ambulant mit gut planbaren Terminen; Notfallsituationen sind seltener als in akutorientierten Fächern.
Hohe Nachfrage nach Rheumatologen gibt es im ambulanten Bereich und in grossen Zentren (Zürich, Bern, Basel, Lausanne). Zusätzliche Optionen: Forschung, Lehre und Gutachterwesen.
Biologika und JAK‑Inhibitoren haben Verläufe rheumatischer Erkrankungen deutlich verbessert. Frühe Diagnosen und treat‑to‑target sind entscheidend zur Vermeidung von Folgeschäden.










