
Die Herz- und thorakale Gefässchirurgie ist ein anspruchsvolles und hochspezialisiertes Weiterbildungsgebiet der Medizin. Es befasst sich mit der operativen Behandlung von Erkrankungen des Herzens und der grossen Gefässe im Brustraum. Die Facharztweiterbildung dauert etwa 6 Jahre und erfordert viel Engagement, fachliches Interesse und Durchhaltevermögen.
Inhaltsverzeichnis
Facharzt Herz- und thorakale Gefässchirurgie – Tätigkeiten
Fachärzte für Herz- und thorakale Gefässchirurgie (im Folgenden kurz Herzchirurgen genannt) behandeln Erkrankungen und Fehlbildungen des Herzens sowie der grossen Gefässe im Brustraum. Sie führen Untersuchungen wie das EKG durch, stellen Diagnosen und planen gezielt die passenden Eingriffe. Anschliessend setzen sie die Operationen eigenständig um, zum Beispiel durch das Einsetzen künstlicher Herzklappen oder Herzschrittmacher, den operativen Verschluss von Kammerverbindungen oder die Erweiterung verengter Herzkranzgefässe. Zudem leiten sie vorbeugende Massnahmen ein, erkennen Risiken frühzeitig und begleiten Patienten bei der Rehabilitation. Mehr zu Karriere und Aufgaben der Herzchirurgen hier:
Übersicht aller Facharztausbildungen und Fachrichtungen:
Weiterbildung Herz- und thorakale Gefässchirurgie – Voraussetzungen
Um die Weiterbildung zum Facharzt für Herz- und thorakale Gefässchirurgie beginnen zu können, braucht man das eidgenössische Arztdiplom oder eine gleichwertige Berufsberechtigung. Sozusagen beginnt die Ausbildung bereits mit dem Medizinstudium.
Weiterbildung Herz- und thorakale Gefässchirurgie – Dauer und Gliederung
Die Weiterbildung zum Facharzt für Herz- und thorakale Gefässchirurgie dauert insgesamt sechs Jahre und ist in zwei Abschnitte unterteilt:
Teil 1: 0,5 bis 2,5 Jahre nicht fachspezifische Weiterbildung
Zunächst absolvieren angehende Fachärzte eine nicht fachspezifische Weiterbildung. In dieser Zeit arbeiten sie mindestens sechs Monate in der Intensivmedizin oder Anästhesie. Zusätzlich können sie bis zu zwei Jahre in der Kardiologie oder einem chirurgischen Fachgebiet wie Handchirurgie, Kinderchirurgie oder Neurochirurgie tätig sein. Wer bereits eine MD- oder PhD-Ausbildung abgeschlossen hat, kann sich bis zu zwölf Monate dieser Tätigkeit anrechnen lassen, auch wenn diese nicht direkt mit der Herz- und thorakalen Gefässchirurgie zusammenhängt.
Teil 2: 3,5 bis 5,5 Jahre fachspezifische Weiterbildung
Anschliessend folgt die fachspezifische Weiterbildung. Diese muss an einer anerkannten Weiterbildungsstätte stattfinden. Dabei sind mindestens zwei Jahre an Kliniken der Kategorie A zu leisten. Bis zu vier Jahre dürfen an derselben Institution durchgeführt werden. Wer zusätzlich in der experimentellen Herz- und thorakalen Gefässchirurgie arbeitet, kann sich bis zu zwölf Monate anrechnen lassen, allerdings nicht im Rahmen der Kategorie A.
Zusatzmöglichkeiten
Während der Weiterbildung müssen ausserdem folgende Leistungen erbracht werden:
- Teilnahme an mindestens zwei von der SGHC anerkannten fachspezifischen Weiterbildungsmodulen
- Nachweis der Teilnahme an vier fachspezifischen Kongressen, Symposien oder Kursen im In- oder Ausland im Umfang von mindestens 200 anerkannten Credits
- Verfassen einer wissenschaftlichen Publikation als Erst- oder Letztautor in einer peer-reviewten Zeitschrift oder eine anerkannte Dissertation
- Erwerb des Fähigkeitsausweises „Strahlenschutz in der Handchirurgie“ gemäss den entsprechenden Richtlinien
- Kontinuierliche Teilnahme an institutionellen multidisziplinären Herz-Team und Indikations Meetings
- Kontinuierliche Teilnahme an institutionellen multidisziplinären Morbiditäts- und Mortalitäts Konferenzen
Facharzt Herz- und thorakale Gefässchirurgie – Inhalte der Weiterbildung
Während der Facharztweiterbildung werden Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten in diesen Gebieten vermittelt:
Theoretisch-wissenschaftliches Gebiet
- Kenntnis der Anatomie und Physiologie, der pathologischen Anatomie und Pathophysiologie des Herz-Kreislaufsystems
- Kenntnis der Prinzipien der kardiologischen Pharmakotherapie
- Fähigkeit, wissenschaftliche Arbeiten kritisch zu analysieren und zu interpretieren
- Prinzipien der Begutachtung
- Sachkunde in Strahlenschutz
Klinischer Bereich
- Kenntnis der Epidemiologie, Ätiologie und Pathogenese der häufigsten Missbildungen und Krankheiten des kardiovaskulären Systems
- Kenntnis der Pathophysiologie von Verletzungen der Thorax- und Kreislauforgane
- Fähigkeit, einen Abklärungsplan aufzustellen und aus den gewonnenen Ergebnissen eine Differentialdiagnose beziehungsweise eine Diagnose abzuleiten
- Kenntnis der Indikation, Aussagekraft und Risiken der speziellen diagnostischen und interventionellen Methoden
- Kenntnis der rehabilitativen Massnahmen
- Kenntnis der Prognose der wichtigsten kardiovaskulären Affektionen
- Kenntnis der Prophylaxe von Herz- und Kreislaufkrankheiten
Technisches Gebiet
- Interpretation der folgenden Untersuchungsergebnisse: Ruhe- und Belastungs-EKG, Echokardiographie, nuklearmedizinische Untersuchung, Herzkatheter-Befunde
- Beurteilung spezieller bildgebender Untersuchungen (Angiographie, Cine-CT, NMR)
- Selbständige Durchführung fachspezifischer dosisintensiver Röntgenuntersuchungen, namentlich mit Durchleuchtung im Rahmen der diagnostischen Untersuchungen und therapeutischen Eingriffe
- Beurteilung und Behandlung von Verletzungen der Thorax- und Kreislauforgane
- Beherrschung der Indikationsstellung und Anwendung des extrakorporellen Kreislaufes und der mechanischen Kreislaufassistenz (IABP, ECMO, Impella)
- Beherrschung der Indikationsstellung und chirurgischen Therapie bei den häufigsten kardiovaskulären Erkrankungen: Selbständige Durchführung der im Operationskatalog aufgeführten Eingriffe und Assistenz bei Operationen höherer Schwierigkeitsgrade
- Beherrschung der Indikationsstellung und Anwendung der chirurgischen und interventionellen Therapie Strategien bei den häufigsten kardiovaskulären Erkrankungen
- Selbständige Durchführung der im Operationskatalog aufgeführten Eingriffe und Assistenz bei Operationen höherer Schwierigkeitsgrade
- Kenntnisse der Funktionsweise des multidisziplinären Herz-Team
- Kenntnis der Prophylaxe und Beherrschung der Früherfassung und Therapie postoperativer Komplikationen nach kardiovaskulären Eingriffen
Operationskatalog Herz- und thorakale Gefässchirurgie
Während der Weiterbildung zum Facharzt für Herz- und thorakale Gefässchirurgie müssen folgende Operationen als Operateuer (O) beziehungsweise als Assistent (A) durchgeführt werden (notwendige Mindestanzahl der Durchführungen in Klammern):
- Eingriffe mit Herz-Lungenmaschine (HLM) wegen Herzkrankheiten (A 400)
- Isolierte klappenchirurgische Eingriffe (O 30)
- Isolierte Eingriffe wegen koronarer Herzkrankheit inklusive OPCAB (O 50)
- Kombinierte Klappen- und koronarchirurgische Eingriffe (O 20)
- Andere HLM-Eingriffe wegen erworbenen Herzkrankheiten zum Beispiel Pulmonalisembolektomie, Entfernung eines intrakardialen Tumors oder Fremdkörpers (O 5)
- Eingriffe mit Herz-Lungenmaschine an der Aorta thoracica
- Ascendens Ersatz (O 5)
- Ascendens Ersatz bei Aortendissektion Typ A (A 10)
- Geschlossene Eingriffe wegen erworbenen Herzkrankheiten zum Beispiel bei
Perikarderkrankungen (Drainage, Fensterung oder Perikardektomie) (O 20) - Revisionen zum Beispiel Blutungskomplikationen, Sternumrevisionen (O 20)
- Schrittmacherchirurgie
- Einbau eines definitiven endovenösen PM-Systems, ICD, CRT (O 20)
- Revision wegen Dysfunktion beziehungsweise Infektion eines definitiven PM-Systems, Explantation, Batteriewechsel (O 5)
- Einbau eines definitiven epikardialen PM-Systems (O 5)
- Mechanische Kreislaufunterstützende Verfahren (O 20)
- Impella
- ECMO
- Intraaortale Ballonpumpe
- Endovaskuläre Eingriffe an der Aorta (O 5)
- Transkatheter-Implantation von Herzklappen alle Zugänge und Klappen (O 20, A 40)
Weiterbildung Facharzt Herz- und thorakale Gefässchirurgie – Facharztprüfung
Die Facharztprüfung am Ende der Weiterbildung zum Herzchirurgen ist aufgeteilt in die folgenden zwei Teile:
- Theoretische Prüfung: Erster Teil des European Board of Cardiothoracic Surgery (EBCTS) Examens, bei dem die Kenntnisse in den Teil-Bereichen Erwachsene-, kongenitale und Allgemeine Herzchirurgie sowie Thorax Chirurgie geprüft werden; es werden 180 Multiple-Choice-Fragen innerhalb von vier Stunden in englischer Sprache beantwortet
- Praktisch-Mündliche Prüfung: Durchführung eines operativen Eingriffes (Indikation, Vorbereitung, technische Durchführung, Nachsorge) und Besprechung von zwei bis drei klinischen Fällen aus der Herz- und thorakalen Gefässchirurgie innerhalb von drei bis fünf Stunden; ür (es kann zwischen den Sprachen Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch gewählt werden)
Beide Prüfungsteile werden separat durch Noten von 1 bis 6 bewertet, wobei mindestens die Note 4 erreicht werden muss, um zu bestehen. Beide Teile müssen bestanden werden, um die Facharztprüfung als Ganzes zu bestehen.
Dokumentation und Logbuch
Während der gesamten Weiterbildungszeit muss ein elektronisches Logbuch geführt werden. Darin werden alle Lernziele, Weiterbildungsabschnitte, durchgeführten Operationen sowie besuchte Kurse, Kongresse und weitere relevante Aktivitäten festgehalten. Das Logbuch ist wichtig für die regelmässige Beurteilung des Ausbildungsstands und Voraussetzung für die Zulassung zur Facharztprüfung.
Facharzt Herz- und thorakale Gefässchirurgie – Passende Jobs
Herz- und thorakale Gefässchirurgen arbeiten hauptsächlich in Kliniken und Spitälern, häufig an Universitätskliniken oder in spezialisierten Herzzentren mit moderner Ausstattung. Dort sind sie Teil interdisziplinärer Teams und arbeiten eng mit Kardiologen, Anästhesisten und Pflegefachpersonen zusammen. Darüber hinaus können sie auch in Facharzt- oder Gemeinschaftspraxen mit chirurgischem Schwerpunkt tätig sein. Ebenso bieten Unternehmen im Bereich Medizintechnik interessante Arbeitsfelder. Mit entsprechender Weiterbildung können Herzchirurgen zudem Führungspositionen übernehmen, zum Beispiel als leitende Ärztin oder in der Spitalleitung. Wer sich für Forschung oder Lehre interessiert, findet auch dort spannende Möglichkeiten.










