
Eine Schwerpunkt-Weiterbildung in der Gynäkologie und Geburtshilfe bietet viele Möglichkeiten, sich nach dem Facharzttitel weiter zu spezialisieren. Die möglichen gynäkologischen Schwerpunkte decken wichtige Bereiche ab, etwa Risikoschwangerschaften, operative Eingriffe, Krebserkrankungen, Brustgesundheit, Kinderwunschbehandlung, hormonelle Störungen und Beckenbodenbeschwerden. Dadurch können Fachärzte ihre Patientinnen in besonderen Lebenssituationen gezielt und fachlich spezialisiert betreuen. Gleichzeitig eröffnen die Schwerpunkte neue berufliche Perspektiven in Klinik, Praxis und spezialisierten Zentren. Der folgende Überblick zeigt, welche Schwerpunkte es gibt, wie die Weiterbildungen aufgebaut sind und für wen sie geeignet sind.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste zu gynäkologischen Schwerpunkten in Kürze
- Mögliche Schwerpunkte: Fetomaternale Medizin, Gynäkologische Onkologie, Gynäkologische Senologie, Operative Gynäkologie und Geburtshilfe, Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie, Urogynäkologie
- Relevanz: Die Schwerpunkt-Weiterbildung ermöglicht Ärzten, Patientinnen in komplexen Bereichen der Gynäkologie und Geburtshilfe besonders spezialisiert, sicher und umfassend zu betreuen.
- Dauer der Schwerpunkt-Weiterbildung: Die Schwerpunkt-Weiterbildung dauert je nach Schwerpunkt 1,5 bis 3 Jahre und erfolgt an anerkannten Weiterbildungsstätten.
- Voraussetzungen: Vorausgesetzt wird ein Schweizer oder anerkannter ausländischer Facharzttitel in Gynäkologie und Geburtshilfe. Manche dürfen schon während der Facharztausbildung begonnen werden. Je nach Weiterbildung gibt es zusätzliche Voraussetzungen.
Gynäkologie und Geburtshilfe – Überblick der Schwerpunkte
Die Gynäkologie und Geburtshilfe bietet verschiedene Schwerpunkte, in denen Fachärzte ihr Wissen vertiefen. Dadurch können sie Patientinnen in besonderen Situationen noch gezielter betreuen, sicher behandeln und bei komplexen Fragen mit anderen Fachpersonen zusammenarbeiten. Für alle Schwerpunkte ist die abgeschlossene Weiterbildung zum Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe erforderlich. Bei den Schwerpunkten gynäkologische Onkologie und Urogynäkologie kommt eine zusätzliche Voraussetzung dazu: Ärzte brauchen dafür auch den Schwerpunkt operative Gynäkologie und Geburtshilfe.
Die Schwerpunktweiterbildungen dauern je nach Gebiet 1,5 bis 3 Jahre. Die Weiterbildungen müssen an anerkannten Weiterbildungsstätten stattfinden und im Logbuch dokumentiert werden. Ausserdem können in mehreren Schwerpunkten bereits absolvierte Zeiten oder Tätigkeiten angerechnet werden. So kann zum Beispiel bei der fetomaternalen Medizin, der operativen Gynäkologie und Geburtshilfe sowie der gynäkologischen Senologie ein Teil der Schwerpunktweiterbildung bereits während der Facharztausbildung absolviert werden. Auch einzelne Operationen, fachspezifische Tätigkeiten, Forschung oder Weiterbildungszeiten im Ausland können je nach Schwerpunkt angerechnet werden. Dadurch kann sich der zusätzliche Aufwand nach dem Facharzttitel teilweise verkürzen.
Fetomaternale Medizin
In der fetomaternalen Medizin betreuen Ärzte Schwangere mit erhöhten Risiken für Mutter oder Kind. Sie führen pränatale Abklärungen durch, begleiten normale und schwierige Geburten und übernehmen auch geburtshilfliche Operationen mit höherem Schwierigkeitsgrad. Dieser Schwerpunkt ist wichtig, weil Mutter und Kind bei Risikoschwangerschaften besonders eng überwacht und geschützt werden müssen. Zudem arbeiten die Ärzte eng mit Fächern wie Neonatologie, Humangenetik, Kinderchirurgie und Ethik zusammen.
Dauer und weitere Voraussetzungen: Die Weiterbildung dauert 3 Jahre, wobei ein Jahr bereits während der Facharztausbildung angerechnet werden kann. Zusätzliche Voraussetzung: Ein Fähigkeitsausweis Schwangerschaftsultraschall wird benötigt.
Weitere Informationen zu den Inhalten der Schwerpunkt-Ausbildungen gibt es bei dem SIWF:
Gynäkologische Onkologie
In der gynäkologischen Onkologie erkennen und behandeln Ärzte Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane und der Brust. Sie stellen die Diagnose, entscheiden über die passende Operation und führen operative Behandlungen durch. Danach beraten sie die Patientinnen und leiten die weiteren Massnahmen ein.
Dauer und weitere Voraussetzungen: Die vertiefte Weiterbildung dauert 3 Jahre. Zusätzlich zum Facharzttitel für Gynäkologie und Geburtshilfe wird hier bereits der Schwerpunkt operative Gynäkologie und Geburtshilfe vorausgesetzt, da die onkologischen Eingriffe auf diesen operativen Fertigkeiten aufbauen.
Weitere Informationen zu den Inhalten der Schwerpunkt-Ausbildungen gibt es bei dem SIWF:
Gynäkologische Senologie
Die gynäkologische Senologie befasst sich mit gutartigen und bösartigen Erkrankungen der Brust. Ärzte untersuchen die Brust, stellen die Indikation zur Behandlung, führen operative Eingriffe durch und begleiten die Nachsorge. Am Ende steht eine zweiteilige Schwerpunktprüfung, bei der im mündlichen Teil (60–90 Minuten) mindestens drei eigene Fälle präsentiert werden müssen
Dauer: 2 Jahre
Weitere Informationen zu den Inhalten der Schwerpunkt-Ausbildungen gibt es bei dem SIWF:
Operative Gynäkologie und Geburtshilfe
In der operative Gynäkologie und Geburtshilfe führen Ärzte Operationen an den weiblichen Geschlechtsorganen durch und betreuen die Patientinnen vor und nach dem Eingriff. Dazu gehören auch urogynäkologische Eingriffe und Behandlungen an der Brust. Ausserdem begleiten sie normale und pathologische Geburten, führen geburtshilfliche Operationen durch und betreuen Frauen nach der Geburt.
Dauer: 2 Jahre
Weitere Informationen zu den Inhalten der Schwerpunkt-Ausbildungen gibt es bei dem SIWF:
Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie
In der Reproduktionsmedizin und gynäkologischen Endokrinologie klären Ärzte unerfüllten Kinderwunsch, wiederholte Fehlgeburten und hormonelle Störungen ab. Sie behandeln Infertilität, begleiten medizinisch assistierte Fortpflanzung, beraten zur Verhütung und betreuen hormonelle Fragen in verschiedenen Lebensphasen, etwa in der Jugend, während der Schwangerschaft oder in der Menopause.
Dauer: 3 Jahre
Weitere Informationen zu den Inhalten der Schwerpunkt-Ausbildungen gibt es bei dem SIWF:
Urogynäkologie
Die Urogynäkologie behandelt Beschwerden wie Harninkontinenz, Senkungen der Beckenorgane und andere Funktionsstörungen des unteren Harntraktes und des Beckenbodens. Ärzte stellen die Diagnose und wählen eine passende Therapie.
Dauer und weitere Voraussetzungen: Die Weiterbildung dauert 1,5 Jahre. Voraussetzung ist neben dem Facharzttitel auch der Schwerpunkt operative Gynäkologie und Geburtshilfe.
Weitere Informationen zu den Inhalten der Schwerpunkt-Ausbildungen gibt es bei dem SIWF:
Mehr zu Facharztausbildungen und Facharztrichtungen:
Gynäkologie und Geburtshilfe – Für sind die Schwerpunkt-Weiterbildung geeignet?
Die Schwerpunkt-Weiterbildung in der Gynäkologie und Geburtshilfe eignen sich für Fachärzte, die sich in einem bestimmten Bereich vertiefen möchten und Freude an spezialisierten Fragestellungen haben. Da viele Patientinnen in sensiblen Lebensphasen betreut werden, braucht es ausserdem Empathie, gute Kommunikationsfähigkeit und ein hohes Mass an Vertrauen. Je nach Schwerpunkt sind operative Geschicklichkeit, Interesse an interdisziplinärer Zusammenarbeit, wissenschaftliches Denken oder Freude an langfristiger Patientinnenbetreuung wichtig. Wer sich fachlich weiterentwickeln, mehr Sicherheit in anspruchsvollen Behandlungen gewinnen und Patientinnen in einem spezialisierten Gebiet umfassend begleiten möchte, bringt gute persönliche Voraussetzungen für eine Schwerpunkt-Weiterbildung mit.
Gynäkologie und Geburtshilfe Schwerpunkte – Karriere und Lohn in der Schweiz
Mit einer Schwerpunkt-Weiterbildung in Gynäkologie und Geburtshilfe können Ärzte in vielen Bereichen arbeiten. Je nach Schwerpunkt stehen eher operative Tätigkeiten, Risikoschwangerschaften, Brust- und Tumorerkrankungen, hormonelle Fragen, Reproduktionsmedizin oder Urogynäkologie im Vordergrund. Die Berufsperspektiven sind gut, weil spezialisierte Fachpersonen in der Frauenheilkunde sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich gebraucht werden. Zudem können zusätzliche Schwerpunkte den Weg in Oberarztstellen, leitende Funktionen, spezialisierte Sprechstunden oder eine eigene Praxis erleichtern. Das ermöglicht auch ein höheres Einkommen.
Das Einkommen von Ärzten in der Schweiz hängt stark von Position, Berufserfahrung, Kanton, Arbeitszeit und Arbeitsumfeld ab. Als grobe Orientierung nennt das Lohnbuch 2025 für angestellte Ärzte in Spitälern, Kliniken und Krankenhäusern im Kanton Zürich bei 42 Wochenstunden durchschnittlich rund CHF 8’100 pro Monat für Assistenzärzte und etwa CHF 8’600 für Spitalärzte, während Oberärzte rund CHF 9’300, leitende Ärzte etwa CHF 12’100 und Chefärzte rund CHF 14’000 verdienen. Mehr zum Arzt-Lohn hier:
- Arzt Gehalt Schweiz – Welchen Lohn hat ein Arzt?
- Oberarzt Schweiz – Lohn & Gehalt im Überblick
- Chefarzt Schweiz – Lohn & Gehalt im Überblick
Wenn Dir unsere Artikel gefallen und Du keine neue Veröffentlichung verpassen möchtest, dann kannst Du hier mit nur einem Klick praktischarzt.ch zu Deinen präferierten Quellen bei Google hinzufügen.
Häufige Fragen zu gynäkologischen Schwerpunkten
- Welche Schwerpunkte gibt es in der Gynäkologie und Geburtshilfe?
- Welche Voraussetzung braucht man für eine Schwerpunkt-Weiterbildung in der Gynäkologie?
- Wie lange dauern die Schwerpunkt-Weiterbildungen?
- Für wen eignet sich eine gynäkologische Schwerpunkt-Weiterbildung?
In der Gynäkologie und Geburtshilfe gibt es die Schwerpunkte fetomaternale Medizin, gynäkologische Onkologie, gynäkologische Senologie, operative Gynäkologie und Geburtshilfe, Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie sowie Urogynäkologie.
Voraussetzung für die gynäkologischen Schwerpunkt-Weiterbildungen ist der Facharzttitel für Gynäkologie und Geburtshilfe. Für die Schwerpunkte gynäkologische Onkologie und Urogynäkologie ist zusätzlich der Schwerpunkt operative Gynäkologie und Geburtshilfe erforderlich.
Die Dauer der Schwerpunkt-Weiterbildungen in der Gynäkologie und Geburtshilfe hängen vom gewählten Schwerpunkt ab. Je nach Bereich dauert die Weiterbildung etwa 1,5 bis 3 Jahre. In manchen Fällen können bereits absolvierte Weiterbildungszeiten oder Tätigkeiten angerechnet werden.
Die Schwerpunkt-Weiterbildung eignet sich für Fachärzte, die sich fachlich vertiefen und Patientinnen in einem spezialisierten Bereich betreuen möchten. Wichtig sind Verantwortungsbewusstsein, Empathie, Genauigkeit und Interesse an komplexen medizinischen Fragestellungen.












