
Die Kinder- und Jugendpsychiatrie verfügt in der Schweiz über einen vom SIWF geführten Schwerpunkt: die forensische Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, die medizinisches Fachwissen mit rechtlichen Fragestellungen verbindet. Dabei stehen sowohl die Begutachtung als auch die Behandlung im Mittelpunkt. Wer sich für diesen Schwerpunkt interessiert, findet ein vielseitiges und verantwortungsvolles Tätigkeitsfeld. Im Folgenden wird ein Überblick über Inhalte, Weiterbildung, Voraussetzungen sowie Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten gegeben.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Dauer: Zwei Jahre an anerkannten Weiterbildungsstätten. Maximal ein Jahr kann bereits während der Facharztweiterbildung absolviert werden.
- Voraussetzungen: Vorausgesetzt wird der Facharzttitel in Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Für den Erwerb des Schwerpunktes muss zudem die Schwerpunktprüfung bestanden werden.
- Inhalte: Forensische Begutachtungen, Jugendstrafrecht, Zivilrecht, Gutachtentechnik und forensische kinder- und jugendpsychiatrische Therapien.
- Gehalt: Kein schweizweit einheitlicher Schwerpunktlohn. Die Vergütung hängt unter anderem von Funktion, Berufserfahrung, Arbeitgeber und Kanton ab.
Schwerpunkt-Weiterbildung Forensische Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie – Relevanz und Tätigkeitsfeld
Die forensische Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie ist der vom SIWF geführte Schwerpunkt innerhalb der Kinder- und Jugendpsychiatrie. In diesem Bereich wenden Fachpersonen wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie gezielt auf rechtliche Fragestellungen an. Dabei verbinden sie medizinisches Wissen mit Themen aus dem Strafrecht, dem Straf- und Massnahmenvollzug sowie dem Zivil- und Versicherungsrecht. Gleichzeitig umfasst das Fach nicht nur die klinische Arbeit mit jungen Patienten, sondern auch Lehre und Forschung in diesem speziellen Kontext.
Ein forensischer Kinder- und Jugendpsychiater ist ein ausgebildeter Facharzt, der sich zusätzlich auf Begutachtungen und Behandlungen im forensischen Bereich spezialisiert. Er bringt sein Wissen aktiv in die Zusammenarbeit mit anderen Fachpersonen und Institutionen ein und steht auch der Öffentlichkeit beratend zur Verfügung. Besonders wichtig ist dabei die enge Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen, vor allem mit der Rechtswissenschaft, um fundierte und nachvollziehbare Entscheidungen zu ermöglichen.
Schwerpunkt-Weiterbildung Forensische Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie – Die Weiterbildung im Überblick
In der Schweiz regelt das Schweizerische Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) die Anforderungen und Inhalte der Schwerpunktweiterbildung in Forensischer Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Grundlage ist die Facharztweiterbildung in Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Für den Erwerb des Schwerpunktes muss der entsprechende Facharzttitel vorliegen. Ein Teil der Schwerpunktweiterbildung kann allerdings bereits während der Facharztausbildung absolviert werden. Die Weiterbildung erfolgt an anerkannten forensischen kinder- und jugendpsychiatrischen Weiterbildungsstätten.
Dauer und Aufbau
Die Schwerpunkt-Weiterbildung in Forensischer Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie dauert insgesamt zwei Jahre. Sie verbindet die praktische Arbeit mit forensischen Begutachtungen und Therapien mit einer strukturierten theoretischen Ausbildung. Dabei gelten klare Vorgaben zu Weiterbildungszeiten, praktischen Nachweisen und Supervisionen:
- Gesamtdauer: 2 Jahre
- Anrechnung: Maximal ein Jahr kann bereits während der Facharztweiterbildung absolviert werden. Bis zu sechs Monate sind in anerkannten Arztpraxen anrechenbar.
- Gutachten: Mindestens 20 supervidierte Gutachten, davon mindestens fünf strafrechtliche und fünf familienrechtliche Gutachten.
- Forensische Therapien: Mindestens zehn supervidierte forensische kinder- und jugendpsychiatrische Therapien mit jeweils mindestens 20 Sitzungen.
- Supervision: Mindestens 20 Stunden Therapie-Supervision sowie mindestens zehn weitere forensische Supervisionen. Zusätzlich ist für jedes der 20 Gutachten eine Supervisionsstunde vorgesehen.
- Theoretische Weiterbildung: Insgesamt 180 Credits, davon 40 Credits für propädeutische Grundlagen, 80 Credits für fachspezifischen Unterricht und 60 Credits für anerkannte Fortbildungsveranstaltungen wie Kongresse, Seminare und Workshops.
- Schwerpunktprüfung: Für den Erwerb des Schwerpunktes muss eine theoretisch-schriftliche und praktisch-mündliche Prüfung bestanden werden.
Die Credits der theoretischen Weiterbildung dürfen nicht gleichzeitig für den Facharzttitel und den Schwerpunkt angerechnet werden.
Inhalte der Weiterbildung
Die Schwerpunktweiterbildung vermittelt vertiefte Kenntnisse an der Schnittstelle von Kinder- und Jugendpsychiatrie und Recht. Dazu gehören insbesondere das Schweizer Jugendstrafrecht, das Zivilrecht sowie die rechtlichen und ethischen Grundlagen forensischer Begutachtungen und Behandlungen.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Begutachtung von Kindern und Jugendlichen. Ärzte lernen, die Schuldfähigkeit, Entwicklungsaspekte und Rückfallrisiken zu beurteilen sowie Fragen des Kinderschutzes und der Erziehungsfähigkeit zu klären. Zudem vertiefen sie ihre Fähigkeiten in der Gutachtentechnik, von der Untersuchung und Aktenauswertung bis zur Erstellung und Erläuterung medizinischer Gutachten.
Im therapeutischen Bereich stehen die Behandlung psychisch erkrankter und straffällig gewordener Minderjähriger, deliktorientierte Therapiekonzepte und das Risikomanagement im Mittelpunkt. Auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Gerichten, Behörden und Einrichtungen des Jugendstraf- und Massnahmenvollzugs ist Bestandteil der Weiterbildung.
Weitere Informationen zu den Inhalten der Schwerpunkt-Weiterbildung gibt es beim SIWF:
Mehr zu Facharztausbildungen und Facharztrichtungen:
Für wen ist der Schwerpunkt Forensische Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie geeignet?
Die Schwerpunkt-Weiterbildung in der forensischen Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie eignet sich besonders für Ärzte, die sich für die Verbindung von Medizin und Recht interessieren und gerne interdisziplinär arbeiten. Wer diesen Weg einschlägt, sollte zudem Interesse an komplexen Fragestellungen mitbringen, da forensische Fälle oft eine sorgfältige Analyse und fundierte Beurteilung erfordern. Wichtig sind ausserdem Verantwortungsbewusstsein, Belastbarkeit und die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen objektiv und reflektiert zu bleiben. Da die Arbeit häufig im Austausch mit Gerichten, Behörden und anderen Fachpersonen stattfindet, sind gute Kommunikationsfähigkeiten und ein sicheres Auftreten ebenfalls von grosser Bedeutung.
Forensische Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie – Karriere und Lohn in der Schweiz
Die forensische Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie ist eine besonders relevante Fachrichtung, da sie an der Schnittstelle zwischen Medizin, Gesellschaft und Recht arbeitet. Fachpersonen in diesem Bereich leisten einen wichtigen Beitrag, indem sie psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen im rechtlichen Kontext beurteilen und behandeln. Dadurch unterstützen sie Gerichte, Behörden und Institutionen bei fundierten Entscheidungen. Arbeitsmöglichkeiten finden sich unter anderem in spezialisierten Kliniken, forensischen Abteilungen, ambulanten Einrichtungen, Gutachterstellen oder auch in der Zusammenarbeit mit Jugendstrafbehörden, Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB), Gerichten und Versicherungen. Durch die enge Vernetzung mit verschiedenen Disziplinen bietet dieses Fach ein abwechslungsreiches und verantwortungsvolles Tätigkeitsfeld.
Der Lohn von Ärzten mit diesem Schwerpunkt lässt sich nicht allein aus der Zusatzqualifikation ableiten. Entscheidend sind unter anderem Funktion, Berufserfahrung, Arbeitgeber, Kanton, Beschäftigungsgrad und Führungsverantwortung. Für die forensische Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es daher keinen schweizweit einheitlichen oder speziell für den Schwerpunkt festgelegten Monatslohn.
Mehr zum Arzt-Lohn hier:
- Arzt Gehalt Schweiz – welchen Lohn hat ein Arzt?
- Oberarzt Schweiz – Lohn & Gehalt im Überblick
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Häufige Fragen zu Forensischer Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
- Was ist forensische Kinder- und Jugendpsychiatrie?
- Wie lange dauert die Schwerpunkt-Weiterbildung?
- Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
- Welche Aufgaben haben Fachärzte in diesem Bereich?
- Wie sind die Karrierechancen?
Sie verbindet kinder- und jugendpsychiatrisches Fachwissen mit rechtlichen Fragestellungen, zum Beispiel im Straf- oder Zivilrecht.
Die Weiterbildung dauert zwei Jahre. Maximal ein Jahr kann bereits während der Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie absolviert werden.
Vorausgesetzt wird ein Facharzttitel in Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Zusätzlich müssen die Anforderungen des Weiterbildungsprogramms erfüllt und die Schwerpunktprüfung bestanden werden.
Fachärzte in diesem Bereich erstellen Gutachten, führen Therapien durch und arbeiten eng mit Gerichten, Behörden und anderen Fachpersonen zusammen.
Der Schwerpunkt eröffnet spezialisierte Tätigkeitsmöglichkeiten insbesondere in kinder- und jugendpsychiatrischen und forensischen Einrichtungen, in der Begutachtung sowie an den Schnittstellen zu Justiz und Behörden. Die konkreten Stellenmöglichkeiten hängen jedoch von Region und Arbeitgeber ab.













