
Erfahrung kann Orientierung geben, ohne fertige Antworten vorzugeben. Als Mentor unterstützt Du Ärzte dabei, berufliche Möglichkeiten zu prüfen, Entscheidungen zu reflektieren und eigene Lösungen zu entwickeln. Davon kann auch Deine Arbeit profitieren: Mentoring eröffnet neue Perspektiven und schärft die Kommunikations- und Führungskompetenz.
Inhaltsverzeichnis
Überblick: Als Arzt Mentor werden
- Als Mentor begleitest Du einen Arzt bei beruflichen und persönlichen Entwicklungsfragen.
- Mentoring ersetzt weder klinische Supervision noch Weiterbildung, Therapie oder Rechtsberatung.
- In der Schweiz kannst Du Dich über Spitäler, Universitäten, Fachgesellschaften oder „Coach my Career“ engagieren.
- Klare Ziele, feste Gesprächstermine und geregelte Vertraulichkeit bilden die Grundlage.
- Patientenfälle dürfen nur unter Wahrung des Berufsgeheimnisses besprochen werden.
Was bedeutet Mentoring in der Medizin?
Mentoring ist eine freiwillige, entwicklungsorientierte Beziehung. Eine erfahrene Person stellt Wissen, Perspektiven und Kontakte zur Verfügung. Der Mentee bleibt jedoch für seine Ziele und Entscheidungen verantwortlich. Er muss nicht zwingend jünger sein. Entscheidend ist Dein Erfahrungsvorsprung im jeweiligen Entwicklungsfeld.
Mentoring richtet sich vor allem auf Themen ausserhalb des klinischen Tagesgeschäfts. Dazu gehören Fachrichtungswahl, Laufbahnplanung, Forschung, Führung, Praxisgründung oder Vereinbarkeit. Die unmittelbare Anleitung bei Behandlungen bleibt dagegen Aufgabe der zuständigen Supervision.
Rolle Hauptaufgabe Typischer Fokus Formelle Verantwortung Mentor Berufliche Entwicklung begleiten Karriere, Orientierung, Netzwerke In der Regel keine Beurteilung Supervisor Fachliche Aufsicht übernehmen Patientenversorgung, klinische Entscheidungen Ja Coach Selbstreflexion unterstützen Konkrete Entwicklungsziele Abhängig vom Auftrag Vorgesetzter Mitarbeiter führen Leistung, Organisation, Personalentscheide Ja
So wirst Du Mentor
Du kannst über ein Mentoring-Programm Deines Spitals, einer Universität, einer Fachgesellschaft oder eines Praxisnetzes Mentor werden. Möglich ist auch eine informelle Begleitung. Prüfe vorher, welche Erfahrungen Du einbringen kannst und wie viel Zeit Dir zur Verfügung steht.
Voraussetzungen für einen Mentor
Eine gesetzlich vorgeschriebene Mentoring-Ausbildung gibt es nicht. Formelle Programme können jedoch eigene Anforderungen festlegen. Hilfreich sind Erfahrung in Weiterbildung oder Führung sowie Kompetenzen in Gesprächsführung, Feedback, Konfliktklärung und Datenschutz.
Prüfe ausserdem mögliche Rollenkonflikte. Wenn Du gleichzeitig Vorgesetzter, Beurteiler oder potenzieller Arbeitgeber bist, muss der Umgang mit vertraulichen Informationen klar geregelt sein. Bei sensiblen Themen kann ein externer Mentor besser geeignet sein.
Mentor bei „Coach my Career“ werden
Eine konkrete Möglichkeit bietet das generationenübergreifende Programm „Coach my Career“. FMH, mfe, SIWF, swimsa, VLSS und vsao haben es 2018 gemeinsam lanciert. Administrativ betreut wird es vom VLSS.
Als Mentoren engagieren sich dort erfahrene, teilweise pensionierte Chef- und Kaderärzte, etablierte Hausärzte sowie andere erfahrene Mediziner. Viele verfügen über Erfahrung in der ärztlichen Weiterbildung. Mentoren leisten Freiwilligenarbeit. Reisespesen können auf Wunsch geltend gemacht werden. Die Anmeldung ist direkt über den möglich.
Mentoring in sieben Schritten
Ein wirksames Mentoring braucht keine komplizierte Methode. Die folgenden Schritte schaffen einen verlässlichen Rahmen.
1. Motivation und Kapazität prüfen
Kläre, welche Themen Du begleiten kannst. Berücksichtige neben den Gesprächen auch Vorbereitung, Terminabstimmung und kurze Nachbereitungen.
2. Passung gemeinsam prüfen
Ein unverbindliches Kennenlerngespräch zeigt, ob Ziele, Werte, Fachbezug und Kommunikationsstil zusammenpassen. Beide Seiten sollten die Zusammenarbeit ohne Rechtfertigungsdruck ablehnen können.
3. Mentoring-Vereinbarung treffen
Haltet zu Beginn die wichtigsten Punkte fest:
- Ziele und Themen
- Laufzeit und Gesprächsfrequenz
- erlaubte Kommunikationswege
- Vertraulichkeit und Umgang mit Notizen
- mögliche Interessenkonflikte
- Überprüfung und Abschluss der Zusammenarbeit
Vereinbart zunächst eine befristete Zusammenarbeit. Legt zugleich einen Termin fest, an dem Ihr Passung, Ziele und Fortsetzung prüft.
4. Entwicklungsorientiert sprechen
Stelle offene Fragen und höre aufmerksam zu. Hilf dem Mentee, Möglichkeiten und Konsequenzen zu prüfen. Teile eigene Erfahrungen als Perspektive, nicht als einzig richtigen Weg.
5. Konkretes Feedback geben
Feedback sollte respektvoll, nachvollziehbar und auf beobachtbares Verhalten bezogen sein. Allgemeine Urteile wie „Du bist nicht belastbar“ helfen kaum. Nützlicher ist eine konkrete Beobachtung mit einer Frage nach möglichen Ursachen und Lösungen.
6. Verantwortung beim Mentee lassen
Du kannst Orientierung geben, Kontakte vermitteln und Entscheidungen reflektieren. Die Entscheidung selbst trifft der Mentee. Übernimm nicht seine Aufgaben und vermeide persönliche Abhängigkeiten.
7. Wirkung regelmässig prüfen
Fragt in vereinbarten Abständen: Sind die Ziele noch relevant? Ist die Begleitung hilfreich? Muss sich die Gesprächsfrequenz ändern? Eine Mentoring-Beziehung darf enden, wenn Ziele erreicht sind, die Passung fehlt oder ein Interessenkonflikt entsteht.
Grenzen für einen ärztlichen Mentor
Persönliche Nähe und ein professioneller Rahmen schliessen sich nicht aus. Dennoch sollte jederzeit klar bleiben, welche Themen zum Mentoring gehören und wann andere Ansprechpartner erforderlich sind.
Patientenfälle vertraulich behandeln
Klinische Situationen können wertvolle Lernanlässe sein. Patientenfälle dürfen gegenüber Personen, die nicht an der Behandlung beteiligt sind, jedoch nur besprochen werden, wenn der Patient nicht identifizierbar ist oder eine andere rechtliche Grundlage besteht.
Das Weglassen des Namens genügt nicht immer. Auch Alter, Wohnort, seltene Diagnose oder besondere Umstände können Rückschlüsse auf eine Person ermöglichen. Für sensible Informationen dürfen nur die zugelassenen Kommunikationswege der Institution genutzt werden. Das Schweizer Berufsgeheimnis untersagt grundsätzlich die Weitergabe patientenbezogener Informationen ohne Einwilligung oder gesetzliche Grundlage.
Bei Krisen weiterverweisen
Ein Mentor darf Belastungen ansprechen, zuhören und bei der Suche nach Unterstützung helfen. Er ersetzt aber keine medizinische, psychotherapeutische oder rechtliche Beratung.
Bei anhaltender Überforderung, Suchtproblemen, Mobbing, möglicher Gefährdung oder schweren Konflikten sollten geeignete Fachstellen einbezogen werden. Dazu gehören betriebliche Anlaufstellen, Ärzte, Psychotherapeuten und das Unterstützungsnetzwerk.
Was bringt Mentoring?
Studien bringen Mentoring unter anderem mit beruflicher Orientierung, Karriereentwicklung, Netzwerken, Führungskompetenz und persönlichem Wachstum in Verbindung. Mentoren können zugleich ihre Erfahrungen reflektieren und neue Sichtweisen auf den ärztlichen Berufsalltag gewinnen.
Diese Vorteile entstehen jedoch nicht automatisch. Untersuchungen zeigen grosse Unterschiede bei Struktur, Training und Erfolgsmessung von Mentoring-Programmen. Entscheidend sind eine gute Passung, klare Rollen, ausreichende Zeit und regelmässige Reflexion.
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Häufige Fragen zum Mentoring
- Brauche ich als Mentor eine spezielle Ausbildung?
- Wie lange sollte ein Mentor einen Mentee begleiten?
- Kann ein Mentor mehrere Mentees gleichzeitig begleiten?
Ein Mentor benötigt für informelles Mentoring keine allgemein vorgeschriebene Ausbildung. Schulungen in Gesprächsführung, Feedback, Rollenklärung und Datenschutz sind für einen Mentor dennoch sinnvoll. Formelle Programme können eigene Voraussetzungen festlegen.
Wie lange ein Mentor einen Mentee begleitet, hängt vom Ziel und vom jeweiligen Format ab. Mentor und Mentee sollten zunächst einen Zeitraum sowie einen Termin zur gemeinsamen Überprüfung vereinbaren.
Ein Mentor kann mehrere Mentees begleiten, wenn ausreichend Zeit vorhanden ist. Der Mentor muss jede Beziehung vertraulich und verbindlich führen sowie jedem Mentee genügend Aufmerksamkeit geben können.
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