
Kennzahlen sind messbare Grössen, mit denen sich Leistung, Qualität und Wirtschaftlichkeit eines Spitals steuern, vergleichen und verbessern lassen. Das BAG veröffentlicht dafür öffentliche Betriebskennzahlen und Qualitätsindikatoren, das BFS liefert die Spitalstatistik, und der ANQ ergänzt national verbindliche Qualitätsmessungen.
Inhaltsverzeichnis
Überblick: Kennzahlen im Spital
- Kennzahlen verdichten medizinische Leistung, Qualität und Wirtschaftlichkeit zu steuerbaren Messgrössen.
- In der Schweiz stützen sich Spitäler dabei vor allem auf Daten von BAG, BFS, SwissDRG und ANQ.
- Für den ärztlichen Alltag sind Fallzahl, Case Mix Index, Aufenthaltsdauer, Auslastung, Rehospitalisationen und Fallkosten besonders relevant.
- Einzelne Kennzahlen taugen nie allein, sondern müssen immer im Kontext von Fallschwere, Qualität und Versorgungsauftrag gelesen werden.
Warum Kennzahlen im Spital unverzichtbar sind
Ein Spital wird medizinisch geführt, aber auch betriebswirtschaftlich gesteuert. Gerade in der Schweiz ist Transparenz zentral, weil stationäre Leistungen öffentlich finanziert sind und die offiziellen Kennzahlen Struktur, Patienten, Leistungen, Personal, Finanzen und den mittleren Schweregrad der Hospitalisationen abbilden. Für Ärzte in Kaderfunktion sind Kennzahlen deshalb nicht bloss Controlling, sondern Grundlage für Kapazitätsplanung, Qualitätsarbeit und medizinische Priorisierung.
Wie relevant diese Daten sind, zeigt schon der nationale Rahmen: 2023 zählte die Schweiz 275 Spitäler mit 37’926 Betten und 185’775 Vollzeitäquivalenten. In der Akutpflege lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei 5,0 Tagen, die durchschnittlichen Kosten pro Spitaltag bei 2’625 Franken. Solche Referenzwerte helfen, die eigenen Kennzahlen realistisch einzuordnen.
Diese Kennzahlen sind für Ärzte besonders wichtig
Nicht jede Kennzahl ist für den klinischen Alltag gleich relevant. Für Ärzte sind vor allem jene Kennzahlen entscheidend, die Rückschlüsse auf Versorgung, Behandlungsqualität und Ressourceneinsatz zulassen.
Leistungskennzahlen
Leistungskennzahlen zeigen, wie viel ein Spital behandelt und wie effizient die Versorgung organisiert ist. Besonders wichtig sind Fallzahl, Bettenauslastung und Aufenthaltsdauer, weil sie Kapazität, Patientenfluss und Ressourceneinsatz direkt sichtbar machen. Das BFS definiert die durchschnittliche Aufenthaltsdauer über Pflegetage und Austritte; die Bettenbelegung ergibt sich aus Pflegetagen im Verhältnis zu den Betriebstagen der Betten.
In der Akutsomatik kommt der Fallschwere eine Schlüsselrolle zu. SwissDRG definiert den Case Mix als Summe der Kostengewichte aller Fälle und den Case Mix Index als durchschnittlichen Schweregrad eines Spitals. Genau deshalb sollte man Kennzahlen wie Fallzahl nie ohne CMI lesen: 1’000 standardisierte orthopädische Fälle bedeuten etwas anderes als 1’000 hochkomplexe onkologische oder intensivmedizinische Hospitalisationen. In der Schweiz ist das besonders relevant, weil stationäre Akutfälle über SwissDRG vergütet werden; in Psychiatrie und Rehabilitation gelten TARPSY beziehungsweise ST Reha.
Qualitätskennzahlen
Qualitätskennzahlen beantworten die entscheidende ärztliche Frage, ob das Ergebnis für den Patienten stimmt. Das BAG weist für Schweizer Akutspitäler Fallzahlen, Anteilswerte wie die Kaiserschnittrate, Mortalität bei bestimmten Krankheitsbildern und Eingriffen, ausgewählte Aufenthaltsdauern, Verlegungsraten und Behandlungen mit Mindestfallzahlen aus. Diese Kennzahlen sollen Transparenz schaffen und zugleich eine faktenbasierte Spitalwahl ermöglichen.
Ergänzend dazu misst der ANQ national verbindlich die Ergebnisqualität in Akutsomatik, Rehabilitation und Psychiatrie. In der stationären Akutsomatik gehören dazu unter anderem Patientenerfahrung, postoperative Wundinfektionen, ungeplante Rehospitalisationen, Sturz und Dekubitus sowie die SIRIS-Register für Hüft-, Knie-, Schulter- und Wirbelsäulenimplantate. Bei den ungeplanten Rehospitalisationen wird ausdrücklich geprüft, ob ein Patient innerhalb von 30 Tagen nach Austritt ungeplant erneut hospitalisiert wird. Diese Kennzahlen sind für Chefärzte besonders wertvoll, weil sie medizinische Qualität näher abbilden als reine Mengenwerte.
Wirtschaftlichkeitskennzahlen
Wirtschaftlichkeitskennzahlen sind heikel, aber unverzichtbar. Das BAG publiziert schweregradbereinigte Fallkosten, damit Spitäler trotz unterschiedlicher Fallschwere vergleichbar werden. Gleichzeitig weist das Bundesamt ausdrücklich darauf hin, dass hohe Kosten nicht automatisch auf Ineffizienz und tiefe Kosten nicht automatisch auf hohe Effizienz schliessen lassen, etwa bei Endversorgerspitälern oder bei Leistungen, die im Tarifsystem nur unvollkommen abgebildet sind.
Für den ärztlichen Blick auf Wirtschaftlichkeit sind deshalb Kombinationen wichtiger als Einzelwerte. Erst wenn Kennzahlen wie Fallkosten, CMI, Aufenthaltsdauer, Auslastung und Rehospitalisationen gemeinsam betrachtet werden, entsteht ein realistisches Bild der Abteilung oder des gesamten Spitals.
Kennzahlen richtig interpretieren
Gute Kennzahlen schaffen Klarheit, schlechte Kennzahlen schaffen Scheinsicherheit. Eine kurze Aufenthaltsdauer ist nur dann positiv, wenn Rehospitalisationen, Komplikationen und Patientenerfahrung stabil bleiben. Umgekehrt kann ein hoher CMI oder eine hohe Fallkostenposition Ausdruck eines anspruchsvollen Versorgungsauftrags sein und nicht eines ineffizienten Teams.
Für Chefärzte und leitende Ärzte reicht deshalb meist ein kompaktes Dashboard mit wenigen, aber belastbaren Kennzahlen: Fallzahl, CMI, Aufenthaltsdauer, Auslastung, Rehospitalisationen, Wundinfektionen oder Mortalität sowie schweregradbereinigte Fallkosten. Wer diese Kennzahlen regelmässig im Kader, mit Pflege und Controlling gemeinsam bespricht, steuert medizinisch und ökonomisch deutlich präziser.
Häufige Fragen
- Welche Kennzahlen sollte ein Chefarzt im Alltag zuerst im Blick haben?
- Warum dürfen Kennzahlen nie isoliert bewertet werden?
- Wo finden Ärzte in der Schweiz verlässliche Kennzahlen?
Die wichtigsten Kennzahlen für den ärztlichen Alltag sind Fallzahl, Case Mix Index, Aufenthaltsdauer, Auslastung, Rehospitalisationen und ausgewählte Qualitätskennzahlen wie Wundinfektionen oder Mortalität. Diese Kennzahlen verbinden medizinische Leistung mit Qualität und Wirtschaftlichkeit.
Kennzahlen dürfen nie isoliert bewertet werden, weil dieselbe Zahl je nach Fallschwere, Versorgungsauftrag und Tarifsystem etwas anderes bedeuten kann. Gerade bei Kennzahlen wie Fallkosten oder Aufenthaltsdauer ist der Kontext aus CMI, Qualität und Rehospitalisationen entscheidend.
Verlässliche Kennzahlen finden Ärzte in der Schweiz vor allem beim BAG, beim BFS, bei SwissDRG und beim ANQ. Diese Kennzahlen decken Betriebsdaten, Qualitätsindikatoren, Fallschwere und nationale Qualitätsmessungen ab.












