
In der Schweiz gilt für Assistenzärzte ein Arbeitszeitlimit von 50 Stunden pro Woche. Eine Regelung, die seit 2005 für die Weiterbildung im Spitalbereich gesetzlich verankert ist. Damit verbunden sind formal acht bis neun Ruhetage pro Monat, was im internationalen Vergleich hoch erscheint. Doch die Realität weicht davon ab: Studien und Befragungen zeigen, dass viele Assistenzärzte deutlich mehr arbeiten – im Schnitt etwa 55 Stunden pro Woche. Bereits frühere Erhebungen zeigten, dass rund zwei Drittel der Ärzte ihre Arbeitszeitgrenze regelmässig überschreiten. Diese Arbeitsbedingungen belasten nicht nur die Betroffenen, sondern werfen auch Fragen zur Einhaltung des Arbeitsgesetzes auf.
Inhaltsverzeichnis
Überblick: Arbeitsbedingungen für Assistenzärzte
- Die gesetzlich erlaubte Höchstarbeitszeit liegt bei 50 Stunden pro Woche – wird aber häufig überschritten.
- Schweizer Assistenzärzte haben im europäischen Vergleich viele Ruhetage, aber eine geringe Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance.
- Mehr als die Hälfte kann die gesetzlichen Ferien nicht vollständig beziehen.
- Initiativen einzelner Spitäler setzen auf reduzierte Arbeitszeiten – ein Trend mit Signalwirkung.
- Verbesserte Arbeitsbedingungen sind entscheidend für Gesundheit, Nachwuchsförderung und langfristige Berufsbindung.
Widerspruch zwischen Ruhetagen und Work-Life-Balance
Die REST-JD-Studie der European Junior Doctors Association beleuchtet die paradoxe Lage: Schweizer Assistenzärzte erhalten mehr Ruhetage als Kollegen in anderen Ländern – empfinden ihre Work-Life-Balance aber als deutlich schlechter.
Die Gründe liegen auf der Hand:
- Überstunden und 24-Stunden-Dienste sind vielerorts üblich.
- Gesetzlich garantierte Ferien bleiben oft ungenutzt.
- Fehlende Planbarkeit und kurzfristige Dienständerungen erschweren die private Lebensgestaltung.
Das zeigt: Gute Arbeitsbedingungen bestehen nicht nur aus Ruhetagen – sondern aus realer Entlastung im Alltag.
Modellprojekte und strukturelle Herausforderungen
Einzelne Spitäler, wie das Universitätsspital Zürich, haben bereits reagiert und die Wochenarbeitszeit schrittweise reduziert – mit zusätzlicher Weiterbildungszeit innerhalb der regulären Arbeitszeit. Lokale politische Forderungen, etwa nach einer 42-Stunden-Woche, unterstreichen die Relevanz des Themas auf gesundheitspolitischer Ebene.
Die Diskussion um bessere Arbeitsbedingungen geht jedoch über reine Zeitfragen hinaus: Es braucht flexible Arbeitsmodelle, verlässliche Dienstpläne und faire Weiterbildungsmöglichkeiten. Nur so bleibt der ärztliche Beruf attraktiv.
Warum die Arbeitsbedingungen über den Beruf hinaus wirken
Schlechte Arbeitsbedingungen gefährden nicht nur das Wohlbefinden der Ärzte, sondern auch die Qualität der Patientenversorgung und die Stabilität des Gesundheitssystems.
Mehrere Studien machen deutlich:
- Eine schlechte Work-Life-Balance korreliert mit erhöhter psychischer Belastung.
- Junge Ärzte ziehen einen Berufswechsel oder eine Tätigkeit im Ausland in Betracht.
- Trotz Arbeitszeitgesetzen lassen sich keine positiven Effekte auf die Patientensicherheit feststellen, solange strukturelle Mängel bestehen bleiben.
Damit wird klar: Die Arbeitsbedingungen von Assistenzärzten sind nicht nur ein internes Spitalthema, sondern eine zentrale Zukunftsfrage für die medizinische Versorgung in der Schweiz.
Häufige Fragen
- Wie sind die Arbeitsbedingungen für Assistenzärzte gesetzlich geregelt?
- Warum empfinden viele Assistenzärzte ihre Arbeitsbedingungen als belastend, trotz vieler Ruhetage?
- Welche Spitäler verbessern aktiv die Arbeitsbedingungen von Assistenzärzten?
- Wie wirken sich schlechte Arbeitsbedingungen auf die Gesundheitsversorgung aus?
- Was müsste sich ändern, damit die Arbeitsbedingungen nachhaltiger werden?
Die Arbeitsbedingungen sehen eine maximale Wochenarbeitszeit von 50 Stunden vor – inklusive Weiterbildung. Diese Grenze wird jedoch in vielen Fällen überschritten.
Weil die tatsächliche Arbeitsbelastung, inklusive Nacht- und Wochenenddiensten, oft höher ist, als es die formalen Arbeitsbedingungen vermuten lassen. Auch Ferien können oft nicht bezogen werden.
Beispielsweise das Universitätsspital Zürich reduziert die Arbeitszeit schrittweise und integriert Weiterbildung in die reguläre Arbeitszeit – ein Modell für bessere Arbeitsbedingungen im Spitalalltag.
Langfristig gefährden ungünstige Arbeitsbedingungen die psychische Gesundheit der Ärzte, senken die Motivation und führen zu Fachkräftemangel, was sich negativ auf die Patientenversorgung auswirkt.
Neben einer konsequenten Einhaltung gesetzlicher Arbeitszeitregeln braucht es flexible Modelle, verlässliche Dienstpläne und eine klare Trennung von Arbeitszeit und Erholungsphasen, damit gute Arbeitsbedingungen Realität werden.











