
In der täglichen Arbeit von Ärzten in Schweizer Spitälern ist Zeit ein äusserst knappes Gut. Der stetige Spagat zwischen medizinischer Versorgung, administrativen Aufgaben, Dokumentation und interdisziplinärer Kommunikation führt häufig zu Überstunden, Stress und ineffizientem Arbeiten. Wer die grössten Zeitfresser im Spital identifiziert und gezielt gegensteuert, kann nicht nur die eigene Arbeitsbelastung reduzieren, sondern auch die Qualität der Patientenversorgung verbessern. Dieser Beitrag zeigt praxisnahe Lösungsansätze, wie sich typische Zeitfallen vermeiden lassen.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste zu Zeitfressern im Spital in Kürze
- Zu den grössten Zeitfressern im Spital gehören Dokumentationsaufwand, häufige Unterbrechungen, unstrukturierte Kommunikation und ineffiziente organisatorische Abläufe.
- Ärzte in der Schweizer Akutsomatik verbringen laut FMH-Befragung 2025 durchschnittlich 114 Minuten pro Arbeitstag mit Arbeiten am Patientendossier. Bei Assistenzärzten sind es 183 Minuten.
- Strukturierte Visiten, klar geregelte Übergaben und geschützte Arbeitsphasen können helfen, vermeidbare Unterbrechungen zu reduzieren.
- Digitale Lösungen können Abläufe vereinfachen, müssen bei Patientendaten jedoch die Anforderungen an Datenschutz und Arztgeheimnis erfüllen.
Unstrukturierte Visiten – wertvolle Minuten gehen verloren
Visiten gehören zum zentralen Bestandteil der Patientenbetreuung, doch sie verlaufen häufig unkoordiniert. Es fehlen aktuelle Laborwerte, die elektronische Krankengeschichte ist unvollständig dokumentiert oder die Stationsärztin kennt den Patienten noch nicht. Das Resultat: lange Diskussionen, doppelte Untersuchungen und unproduktive Rundgänge.
Praxisansatz:
Eine standardisierte Vorbereitung, klar definierte Zuständigkeiten und Checklisten können dazu beitragen, Visiten strukturierter durchzuführen und fehlende Informationen frühzeitig zu erkennen.
Lösungsansätze:
- Einführung klarer Zeitfenster und fixer Tageszeiten für Visiten
- Standardisierte Visitenchecklisten für Pflege und Ärzte
- Vorab-Bereitstellung aller relevanten Informationen (Befunde, Medikation, Verlauf) im Klinikinformationssystem (KIS)
Hilfereiche Tipps speziell für Assistenzärzte finden sich hier:
Dokumentation: Wenn die Tastatur wichtiger wird als der Patient
Laut der FMH-Befragung zum ärztlichen Arbeitsumfeld 2025 wenden Ärzte in der Akutsomatik durchschnittlich 114 Minuten pro Arbeitstag für die Arbeit am Patientendossier auf. Bei Assistenzärzten sind es durchschnittlich 183 Minuten. Neben dem medizinischen Berichtswesen kommen administrative Anforderungen hinzu: Codierungen, Qualitätserfassungen, Versicherungsanfragen oder interne Rückmeldungen. Der Aufwand für das Patientendossier liegt seit mehreren Jahren auf hohem Niveau. Zusätzlich fallen weitere administrative und organisatorische Aufgaben an.
Praxisansatz:
Spracherkennung, standardisierte Textbausteine und eine benutzerfreundliche Gestaltung des KIS können eingesetzt werden, um Dokumentationsprozesse effizienter zu gestalten. Ob und wie viel Zeit dadurch eingespart wird, hängt jedoch vom jeweiligen System und Arbeitsablauf ab.
Lösungsansätze:
- Einsatz von Spracherkennungssoftware oder Diktierlösungen
- Automatisierte Textbausteine für Standardberichte
- Delegation nicht-medizinischer Dokumentationsaufgaben an administrative Fachkräfte
- Optimierung der Benutzeroberfläche im KIS (Usability-Check)
Kommunikation – zu viel, zu unkoordiniert
Die Zusammenarbeit im Spital erfordert permanente Kommunikation zwischen Ärzten, Pflege, Diagnostik, Verwaltung und externen Partnern. Wird diese Kommunikation jedoch nicht koordiniert, entstehen Verzögerungen, Wiederholungen und Missverständnisse – ein klassischer Zeitfresser im Spitalalltag.
Praxisansatz:
Klinikintern freigegebene digitale Kommunikationssysteme können Rückfragen bündeln und Informationen nachvollziehbar bereitstellen. Bei der Übermittlung von Patientendaten müssen allerdings das Arztgeheimnis sowie die geltenden Datenschutzvorgaben berücksichtigt werden.
Lösungsansätze:
- Einsatz klinikintern freigegebener, datenschutzkonformer Kommunikationslösungen
- Klare Kommunikationsregeln: Wer informiert wann wen, in welcher Form?
- Tägliche, interdisziplinäre Kurzbesprechungen mit Zeitlimit
- Checklistenbasierte Übergaben bei Schichtwechseln
Multitasking und Unterbrechungen: Konzentration ade
Eine Beobachtungsstudie an einem Schweizer Universitätsspital zeigte bei Assistenzärzten der Allgemeinen Inneren Medizin im Durchschnitt sogar einen Tätigkeitswechsel etwa alle vier Minuten. Je nach Tätigkeit lagen die Abstände zwischen etwa vier und zehn Minuten. Ursachen: Piepsende Pager, Anrufe, Rückfragen, spontane Unterbrechungen. Häufige Unterbrechungen und Tätigkeitswechsel können die Arbeitsbelastung erhöhen und den Arbeitsfluss beeinträchtigen.
Praxisansatz:
Für Aufgaben mit hohem Konzentrationsbedarf können Teams geschützte Arbeitsphasen festlegen, in denen nicht dringliche Unterbrechungen möglichst vermieden werden.
Lösungsansätze:
- Festlegen von „Stillarbeitszeiten“ pro Arztteam
- Abschalten nicht dringlicher Benachrichtigungen während konzentrierter Arbeitsphasen
- Delegation von Routinekommunikation an medizinische Sekretariate
- Visuelle Kennzeichnung von Arbeitsphasen, z. B. durch Türschilder oder Statusanzeigen
Überbordende Bürokratie und unnötige Meetings
Die administrative Belastung bleibt für Schweizer Ärzte ein relevantes Problem: Sitzungen ohne klaren Nutzen, überladene E-Mail-Postfächer, Kontrollberichte und Richtlinienpflege. Viele dieser Aufgaben dienen eher der Absicherung als der Patientenversorgung.
Praxisansatz:
Klare Regeln für Besprechungen können helfen, unnötige Sitzungen zu vermeiden. Dazu gehören ein definiertes Ziel, eine begrenzte Teilnehmerzahl, eine Agenda und ein verbindlicher Zeitrahmen.
Lösungsansätze:
- Einführung einer Meeting-Policy: Nur relevante, vorbereitete und zeiteffiziente Sitzungen
- Delegation administrativer Aufgaben an Case Manager oder Kodierfachkräfte
- Prüfen von Formularpflichten und Berichtsvorgaben auf tatsächlichen Nutzen
- Nutzung digitaler Tools für Protokolle, Aufgabenverteilung und Fortschrittskontrolle
Fazit: Effizienz braucht Struktur, Technik und Teamgeist
Die grössten Zeitfresser im Spital entstehen oft durch fehlende Struktur, veraltete Abläufe oder unklare Zuständigkeiten. Wer sich diese Schwachstellen bewusst macht und gezielt gegensteuert, kann die tägliche Arbeitszeit spürbar entlasten – und gleichzeitig die Versorgungsqualität verbessern. Es lohnt sich, regelmässig Prozesse zu hinterfragen und gemeinsam im Team nach Verbesserungen zu suchen. Denn ein effizienter Spitalalltag kommt letztlich allen zugute: Ärzten, Pflegenden – und den Patienten.
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Häufige Fragen zu Zeitfressern im Spital
- Was sind die grössten Zeitfresser im Schweizer Spital?
- Wie viel Zeit verbringen Schweizer Spitalärzte mit Dokumentation?
- Wie lassen sich Unterbrechungen im Spital reduzieren?
- Welche digitalen Lösungen können Ärzten im Spital Zeit sparen?
Zu den typischen Zeitfressern gehören Dokumentation und administrative Aufgaben, häufige Unterbrechungen, unkoordinierte Kommunikation sowie ineffiziente Visiten, Übergaben und Besprechungen. Welche Faktoren besonders ins Gewicht fallen, hängt vom Fachgebiet und der Organisation des jeweiligen Spitals ab.
Ärzte in der Schweizer Akutsomatik verwendeten laut FMH-Befragung 2025 durchschnittlich 114 Minuten pro Arbeitstag für die Arbeit am Patientendossier. Bei Assistenzärzten waren es durchschnittlich 183 Minuten.
Mögliche Massnahmen sind geschützte Arbeitsphasen für konzentrierte Tätigkeiten, klare Zuständigkeiten, priorisierte Kommunikationswege und strukturierte Übergaben. Dringliche klinische Kommunikation muss dabei jederzeit möglich bleiben.
Je nach Spital können beispielsweise Spracherkennung, standardisierte Textbausteine, optimierte Klinikinformationssysteme und sichere interne Kommunikationslösungen Abläufe vereinfachen. Bei der Verarbeitung von Patientendaten müssen Datenschutz, Datensicherheit und Arztgeheimnis eingehalten werden.











