
Infektionsprävention gehört zu den zentralen Aufgaben moderner Spitäler. Healthcare-assoziierte Infektionen, multiresistente Erreger und institutionelle Ausbrüche erfordern spezialisierte medizinische Expertise. Für Fachärzte der Infektiologie gibt es in der Schweiz deshalb den Schwerpunkt Infektionsprävention und -kontrolle im Gesundheitswesen. Er verbindet klinische Infektiologie mit Epidemiologie, Spitalhygiene, Surveillance, Qualitätsmanagement und Patientensicherheit.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste auf einen Blick
- Schwerpunkt: Infektionsprävention und -kontrolle im Gesundheitswesen
- Einordnung: privatrechtlicher SIWF-Schwerpunkt zum Facharzttitel Infektiologie
- Dauer: 12 Monate Weiterbildung
- Anrechnung: Bis zu 6 Monate können bereits während der Weiterbildung zum Facharzttitel Infektiologie absolviert werden
- Teilzeit: möglich ab einem Pensum von 50 Prozent
- Voraussetzungen: Facharzttitel Infektiologie, dokumentierte Lernziele, wissenschaftliche Publikation und Schwerpunktprüfung
- Tätigkeitsfelder: Spitalhygiene, Surveillance, Ausbruchsmanagement, Patientensicherheit und Qualitätsmanagement
Relevanz und Tätigkeitsfeld
Die Infektionsprävention und -kontrolle beschäftigt sich damit, Infektionen im Zusammenhang mit medizinischer Versorgung zu verhindern, frühzeitig zu erkennen und ihre Ausbreitung einzudämmen. Dazu gehören insbesondere healthcare-assoziierte Infektionen, die auch als nosokomiale Infektionen oder Spitalinfektionen bezeichnet werden.
Die Bedeutung des Fachgebiets ist hoch: Bei der Schweizer Punktprävalenz-Erhebung 2025 wurde bei 5,3 Prozent der untersuchten Patienten mindestens eine healthcare-assoziierte Infektion festgestellt. Im Rahmen der nationalen Strategie NOSO soll dieser Anteil weiter reduziert werden.
Ärzte mit dem Schwerpunkt Infektionsprävention und -kontrolle übernehmen dabei Aufgaben, die weit über die Behandlung einzelner Patienten hinausgehen. Sie betrachten Infektionsrisiken auf Ebene ganzer Abteilungen oder Institutionen und entwickeln Strategien, um diese nachhaltig zu reduzieren.
Zu den typischen Tätigkeiten gehören:
- Überwachung und Auswertung von Infektionsdaten
- Aufbau und Weiterentwicklung von Surveillance-Systemen
- Untersuchung und Management von Infektionsausbrüchen
- Prävention healthcare-assoziierter Infektionen
- Beratung zu Isolation, Hygiene und multiresistenten Erregern
- Entwicklung von Hygiene- und Präventionskonzepten
- Schulung von medizinischem Personal
- Beratung bei Bau- und Umbauprojekten
- Mitarbeit im Qualitäts- und Risikomanagement
- Zusammenarbeit mit Mikrobiologie, Pflege, Spitalleitung und Behörden
Das Tätigkeitsfeld verbindet damit medizinische Expertise mit epidemiologischer Analyse, Organisationsentwicklung und Patientensicherheit.
Die Weiterbildung im Überblick
Dem Facharzttitel Infektiologie ist in der Schweiz aktuell ein privatrechtlicher Schwerpunkt des Schweizerischen Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung SIWF zugeordnet: Infektionsprävention und -kontrolle im Gesundheitswesen. Tropen- und Reisemedizin ist dagegen ein eigenständiger Facharzttitel und kein weiterer Schwerpunkt der Infektiologie.
Die Weiterbildung dauert insgesamt 12 Monate und muss an einer für den Schwerpunkt anerkannten Weiterbildungsstätte absolviert werden. Bis zu sechs Monate können bereits während der Weiterbildung zum Facharzttitel Infektiologie angerechnet werden.
Die gesamte Schwerpunktweiterbildung ist auch in Teilzeit möglich. Das Pensum muss mindestens 50 Prozent betragen. Bei einem reduzierten Pensum verlängert sich die tatsächliche Weiterbildungsdauer entsprechend.
Für die Verleihung des Schwerpunktes muss der Facharzttitel Infektiologie vorliegen. Die Schwerpunktweiterbildung kann jedoch teilweise bereits vor Abschluss der Facharztweiterbildung absolviert werden.
Zu den weiteren Anforderungen gehören:
- Erfüllung und Dokumentation der vorgeschriebenen Lernziele
- Weiterbildung an einer anerkannten SIWF-Weiterbildungsstätte
- mindestens vier arbeitsplatzbasierte Assessments pro Weiterbildungsjahr
- wissenschaftliche Publikation im Bereich Infektionsprävention und -kontrolle
- Schwerpunktprüfung gemäss den jeweils gültigen SIWF-Bestimmungen
Für die wissenschaftliche Arbeit muss der Kandidat Erst- oder Letztautor einer bereits veröffentlichten oder zur Publikation angenommenen Peer-Review-Arbeit sein. Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch eine thematisch passende Dissertation angerechnet werden.
Inhaltlich umfasst die Weiterbildung unter anderem:
- Epidemiologie und Biostatistik
- Mikrobiologie und Antibiotikaresistenzen
- Surveillance healthcare-assoziierter Infektionen
- Management institutioneller Ausbrüche
- Hygiene- und Isolationsmassnahmen
- Desinfektion und Sterilisation
- Aufbereitung von Medizinprodukten
- Wasser-, Luft- und Umgebungshygiene
- Architektur und Gebäudetechnik
- Qualitäts- und Risikomanagement
- Patientensicherheit
- Kommunikation in Ausbruchssituationen
- rechtliche und gesundheitspolitische Grundlagen
Damit vermittelt die Weiterbildung sowohl medizinische als auch organisatorische und kommunikative Kompetenzen.
Für wen ist der Schwerpunkt geeignet?
Der Schwerpunkt eignet sich für Fachärzte der Infektiologie, die sich neben der klinischen Patientenversorgung für epidemiologische, organisatorische und präventive Fragestellungen interessieren.
Besonders passend ist die Weiterbildung für Ärzte, die gerne mit Daten arbeiten, komplexe Infektionsgeschehen analysieren und Präventionsmassnahmen auf Ebene ganzer Einrichtungen entwickeln.
Hilfreich sind insbesondere:
- analytisches und strukturiertes Denken
- Interesse an Epidemiologie und wissenschaftlichem Arbeiten
- Verantwortungsbewusstsein und Sorgfalt
- ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit
- Freude an interdisziplinärer und interprofessioneller Zusammenarbeit
- Interesse an Qualitätsmanagement und Patientensicherheit
- Fähigkeit, Veränderungen innerhalb von Organisationen zu begleiten
Da Präventionsmassnahmen häufig mehrere Berufsgruppen und Fachbereiche betreffen, spielt Kommunikation eine wichtige Rolle. Infektionsprävention funktioniert nur dann dauerhaft, wenn Empfehlungen nicht nur fachlich korrekt sind, sondern auch verständlich vermittelt und in den klinischen Alltag integriert werden.
Der Schwerpunkt eignet sich daher besonders für Ärzte, die medizinische Expertise mit systemischem Denken und organisatorischer Verantwortung verbinden möchten.
Karriere und Lohn in der Schweiz
Mit dem Schwerpunkt Infektionsprävention und -kontrolle eröffnen sich spezialisierte Tätigkeitsfelder innerhalb des Schweizer Gesundheitswesens.
Mögliche Arbeitgeber und Einsatzbereiche sind unter anderem:
- Akutspitäler und Universitätsspitäler
- Abteilungen für Infektiologie und Spitalhygiene
- Teams für Infektionsprävention und Patientensicherheit
- Qualitätsmanagement
- Forschung und universitäre Lehre
- kantonale oder nationale Gesundheitsinstitutionen
- Beratungs- und Expertengremien
Mit zunehmender Berufserfahrung kann der Schwerpunkt eine wichtige Qualifikation für leitende Aufgaben in der Spitalhygiene, Infektionsprävention oder Patientensicherheit darstellen. Ein automatischer Anspruch auf eine Führungsposition ergibt sich daraus allerdings nicht.
Auch beim Lohn ist nicht allein der Schwerpunkt entscheidend. Einen belastbaren schweizweiten Durchschnittslohn speziell für Ärzte mit dem Schwerpunkt Infektionsprävention und -kontrolle gibt es nicht. Ebenso besteht kein einheitlicher Zuschlag allein aufgrund des erworbenen Schwerpunktes.
Für den tatsächlichen Lohn sind insbesondere folgende Faktoren relevant:
- Funktion und Kaderstufe
- Arbeitgeber und Kanton
- Berufs- und Führungserfahrung
- Verantwortungsumfang
- Beschäftigungsgrad
- Nacht-, Wochenend- und Bereitschaftsdienste
- institutionelle oder individuelle Lohnregelungen
Ein Facharzt mit Schwerpunkt kann deshalb je nach Position deutlich anders verdienen als ein Oberarzt, Leitender Arzt oder Chefarzt mit derselben Zusatzqualifikation.
Für die Lohnentwicklung ist damit vor allem entscheidend, welche Funktion und Verantwortung mit der Spezialisierung übernommen werden. Der Schwerpunkt kann den Zugang zu spezialisierten oder leitenden Positionen verbessern, führt aber nicht automatisch zu einem bestimmten Lohnniveau.
Mehr zum Arzt-Lohn hier:
- Arzt Gehalt Schweiz – welchen Lohn hat ein Arzt?
- Assistenzarzt Gehalt Schweiz – diesen Lohn haben Assistenzärzte
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Häufige Fragen zum Schwerpunkt Infektionsprävention
- Welchen Schwerpunkt Infektionsprävention gibt es in der Infektiologie?
- Wie lange dauert der Schwerpunkt Infektionsprävention und -kontrolle im Gesundheitswesen?
- Welche Voraussetzungen gelten für den Schwerpunkt Infektionsprävention und -kontrolle im Gesundheitswesen?
- Muss für den Schwerpunkt Infektionsprävention und -kontrolle im Gesundheitswesen eine Prüfung absolviert werden?
Der Schwerpunkt Infektionsprävention und -kontrolle im Gesundheitswesen ist der aktuell dem Facharzttitel Infektiologie zugeordnete privatrechtliche SIWF-Schwerpunkt. Er vertieft insbesondere Kompetenzen in Spitalhygiene, Surveillance, Epidemiologie, Patientensicherheit und Ausbruchsmanagement.
Der Schwerpunkt Infektionsprävention und -kontrolle im Gesundheitswesen dauert insgesamt zwölf Monate. Bis zu sechs Monate können bereits während der Weiterbildung zum Facharzttitel Infektiologie absolviert werden. Die gesamte Schwerpunktweiterbildung ist ab einem Pensum von 50 Prozent auch in Teilzeit möglich.
Für den Schwerpunkt Infektionsprävention und -kontrolle im Gesundheitswesen sind der Facharzttitel Infektiologie, zwölf Monate an einer anerkannten Weiterbildungsstätte, die Erfüllung der dokumentierten Lernziele, arbeitsplatzbasierte Assessments und eine wissenschaftliche Publikation erforderlich. Zusätzlich ist eine Schwerpunktprüfung vorgesehen.
Für den Schwerpunkt Infektionsprävention und -kontrolle im Gesundheitswesen sieht das Weiterbildungsprogramm eine Schwerpunktprüfung vor. Für Kandidaten, welche die Weiterbildung nicht bis zum 31. Dezember 2023 abgeschlossen hatten, muss für die Titelerteilung mindestens eine Bestätigung über die Teilnahme an der Schwerpunktprüfung vorliegen. Massgeblich sind die jeweils aktuellen SIWF-Bestimmungen.










