
Der Ärztemangel ist in der Schweiz seit Jahren ein Dauerthema. Umso aufmerksamer blickt die Branche auf Projekte, die nicht nur Symptome verwalten, sondern den ärztlichen Nachwuchs systematisch stärken sollen. Genau hier setzt Med500+ an: Das Zürcher Vorhaben ist weit mehr als ein Ausbau von Studienplätzen – es ist ein Signal dafür, wie ernst Politik und Universität den künftigen Bedarf an Ärzten inzwischen nehmen.
Inhaltsverzeichnis
Überblick: Med500+
- Med500+ ist das Zürcher Ausbauprojekt, mit dem die Universität Zürich ihre Humanmedizin-Studienplätze bis 2030 von 430 auf 700 pro Jahr erhöhen will.
- Der Zürcher Kantonsrat hat dafür einen Objektkredit von 25 Millionen Franken bewilligt; insgesamt rechnet der Kanton in der Aufbauphase bis 2036 mit einer zusätzlichen Finanzierung von 498,5 Millionen Franken.
- Geplant sind unter anderem ein modernisiertes Curriculum, eine integrierte Simulationsklinik, zusätzliche Ausbildungsflächen von rund 24’000 Quadratmetern sowie 10 neue Professuren und rund 140 zusätzliche Mitarbeitende.
- Der Ausbau ist auch gesundheitspolitisch relevant, weil in der Schweiz 41,3 Prozent der berufstätigen Ärzte ihr Medizinstudium im Ausland abgeschlossen haben und die Grundversorgung laut FMH weiterhin zu dünn besetzt ist.
Was hinter Med500+ steckt
Mit Med500+ reagiert der Kanton Zürich auf einen Engpass, der für Spitäler, Praxen und die universitäre Medizin längst spürbar ist. Der Regierungsrat und die Universität Zürich wollen die Zahl der Studienplätze in Humanmedizin von heute 430 auf 700 pro Jahr erhöhen. Die erste vergrösserte Kohorte soll im Herbstsemester 2030 starten; die ersten zusätzlich ausgebildeten Ärzte würden damit ab 2036 ins Berufsleben eintreten.
Der Name wirkt technisch, die Dimension ist es nicht: Laut kantonalem Regierungsantrag braucht das Projekt in der Aufbauphase von 2025 bis 2036 eine zusätzliche maximale Finanzierung von 498,5 Millionen Franken. Dazu kommt der bereits beschlossene Objektkredit von 25 Millionen Franken für Projektaufbau, Ausstattung und Möblierung. Im Vollausbau ab 2037 rechnet der Kanton mit jährlich wiederkehrenden Nettokosten von 78,8 Millionen Franken.
Warum Med500+ für Ärzte relevant ist
Für Ärzte in der Schweiz ist Med500+ mehr als ein Hochschulprojekt. Es ist ein Signal, dass Ausbildungskapazitäten wieder als Teil der Versorgungssicherheit verstanden werden. Der Kanton Zürich verweist darauf, dass aktuell rund 40 Prozent des ärztlichen Personals aus dem Ausland stammen und bis 2040 schweizweit 5’500 bis 8’700 Ärzte fehlen könnten. Engpässe erwartet der Kanton besonders in der Hausarztmedizin, Kinder- und Jugendmedizin sowie Psychiatrie.
Die FMH liefert dazu die strukturelle Einordnung. 2024 waren in der Schweiz 42’602 Ärzte berufstätig, doch die Grundversorgerdichte lag nur bei 0,8 Vollzeitäquivalenten pro 1’000 Einwohner. Gleichzeitig hatten 41,3 Prozent der berufstätigen Ärzte ein ausländisches Diplom – weit über dem OECD-Durchschnitt von 19 Prozent. Genau hier setzt Med500+ politisch an: mehr inländischer Nachwuchs, langfristig breitere personelle Basis.
Was sich an der Ausbildung konkret ändern soll
Der Ausbau soll nicht nur mehr Plätze schaffen, sondern auch die Ausbildung modernisieren. Laut Universität Zürich und Kanton Zürich umfasst Med500+ eine Curriculumsreform, mehr klinische Ausbildungsplätze und eine moderne Infrastruktur. Kernstück ist ein neues Lernzentrum Medizin mit integrierter Simulationsklinik, das die klassische Lehre am Patientenbett ergänzen soll.
Dafür braucht es zusätzliche Flächen und Personal. Der Regierungsantrag nennt rund 24’000 Quadratmeter Hauptnutzfläche, zehn neue Professuren und etwa 140 zusätzliche Mitarbeitende für Ausbildung und Betrieb. Für Spitäler und Lehrkliniken bedeutet das mittelfristig mehr Lehraufwand, aber auch die Chance, den ärztlichen Nachwuchs gezielter an universitäre Medizin, Akutversorgung und Grundversorgung heranzuführen.
Chancen und Grenzen von Med500+
Med500+ ist ein wichtiger Schritt, aber keine Sofortlösung. Die zusätzlichen Studienplätze wirken erst mit Verzögerung, weil zwischen Studienstart und Facharzttätigkeit Jahre liegen. Gleichzeitig bleibt der Nutzen davon abhängig, ob Arbeitsbedingungen, Weiterbildungskapazitäten und Attraktivität der Grundversorgung mitziehen. Auch die FMH fordert deshalb nicht nur mehr Ausbildung, sondern ebenso bessere Rahmenbedingungen und weniger administrative Belastung.
Unterm Strich ist Med500+ dennoch eines der grössten medizinpolitischen Ausbildungsprojekte der letzten Jahre in der Schweiz. Für Ärzte zeigt es, dass der Nachwuchsmangel nicht mehr nur als Statistik behandelt wird, sondern als Infrastruktur-, Curriculums- und Versorgungsfrage.
Häufige Fragen
- Was ist Med500+?
- Warum ist Med500+ für die medizinische Versorgung wichtig?
- Was kostet Med500+ den Kanton Zürich?
Med500+ ist das Zürcher Ausbauprojekt der Universität Zürich, mit dem die Zahl der Studienplätze in Humanmedizin bis 2030 von 430 auf 700 pro Jahr steigen soll. Med500+ verbindet also mehr Ausbildungskapazität mit einer Reform von Curriculum und Infrastruktur.
Med500+ ist wichtig, weil die Schweiz stark von im Ausland ausgebildeten Ärzten abhängt und zugleich die Grundversorgung unter Druck steht. Med500+ soll helfen, langfristig mehr inländische Ärzte für Spitäler, Praxen und psychiatrische Versorgung auszubilden.
Med500+ kostet in der Aufbauphase laut Regierungsantrag zusätzlich bis zu 498,5 Millionen Franken von 2025 bis 2036. Im Vollausbau verursacht Med500+ ab 2037 jährlich wiederkehrende Nettokosten von 78,8 Millionen Franken.












