
Der Einstieg in die ärztliche Karriere sollte ein wohlüberlegter Schritt sein, denn die erste Stelle kann wichtige Weichen für die weitere berufliche Entwicklung stellen. In der Schweiz stehen Ärzten zum Berufsstart unterschiedliche Arbeitsmöglichkeiten offen. Neben öffentlichen und privaten Spitälern kommen Praxen, Ärztezentren und Rehabilitationskliniken infrage. Daneben gibt es Tätigkeitsfelder ausserhalb der klassischen Patientenversorgung. Welcher Arbeitgeber am besten passt, hängt unter anderem von der gewünschten Fachrichtung, den Weiterbildungszielen, den Arbeitsbedingungen und persönlichen Prioritäten ab.
Inhaltsverzeichnis
- Arbeitsmöglichkeiten für Ärzte in der Schweiz
- Arbeiten im Spital: Öffentliche und Private Kliniken
- Arbeiten in einer Einzelpraxis
- Gruppenpraxen und Ärztezentren
- Arbeiten in Rehabilitationskliniken und Rehazentren
- Alternative Arbeitsmöglichkeiten für Ärzte in der Schweiz
- Wichtige Kriterien zur Wahl des Arbeitgebers für Berufseinsteiger
- Tipps zur Vorbereitung und Bewerbung
- Fazit
Das Wichtigste in Kürze
- Für Assistenzärzte sind Fachrichtung, SIWF-Anerkennung der Weiterbildungsstätte und Weiterbildungskategorie zentrale Kriterien bei der Arbeitgeberwahl.
- Öffentliche und private Spitäler lassen sich nicht pauschal nach Versorgungsumfang, Arbeitsbelastung oder Weiterbildungsqualität unterscheiden.
- Anerkannte Weiterbildungsstätten bieten eine strukturierte ärztliche Weiterbildung. Für die interne strukturierte Weiterbildung sind grundsätzlich vier Stunden pro Woche vorgesehen.
- Einzelpraxen, Gruppenpraxen und Ärztezentren können Alternativen zum Spital sein. Arbeitszeit, Weiterbildung und Verantwortung hängen jedoch stark von der konkreten Stelle ab.
- Assistenzärzte sollten neben Weiterbildungsmöglichkeiten insbesondere Supervision, Dienstmodell, Arbeitszeiten, Rotationen, Teamkultur und Standort prüfen.
- Alternative Karrierewege bestehen unter anderem in Arbeitsmedizin, Forschung, Lehre sowie bei internationalen Organisationen und NGOs.
Arbeitsmöglichkeiten für Ärzte in der Schweiz
Die klassische Patientenversorgung ist für viele Ärzte nach dem Studium der erste Schritt ins Berufsleben. Besonders häufig beginnt die ärztliche Weiterbildung in einem Spital. Daneben gibt es Beschäftigungsmöglichkeiten im ambulanten Bereich, etwa in Einzel- oder Gruppenpraxen sowie Ärztezentren beziehungsweise ambulanten ärztlichen Einrichtungen.
Auch Rehabilitationskliniken bieten ärztliche Stellen, beispielsweise für Ärzte mit Interesse an langfristiger Betreuung und Rehabilitation. Ausserhalb der direkten Patientenversorgung gibt es weitere Karrierewege, etwa in Arbeitsmedizin, Forschung, Lehre oder bei internationalen Organisationen und NGOs.
Arbeiten im Spital: Öffentliche und Private Kliniken
Spitäler sind für viele Ärzte der erste Arbeitgeber nach dem Medizinstudium. Sie ermöglichen den Kontakt mit unterschiedlichen Krankheitsbildern, die Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachrichtungen und häufig eine strukturierte Facharztweiterbildung.
Welche Leistungen ein Spital erbringt, hängt unter anderem von der kantonalen Spitalplanung, der Spitalliste und den jeweiligen Leistungsaufträgen ab. Sowohl öffentliche als auch private Spitäler können Teil der kantonalen Spitalversorgung sein.
Für Assistenzärzte ist deshalb weniger die Trägerschaft entscheidend als die konkrete Abteilung und deren Weiterbildungsangebot. Vor Stellenantritt sollte geprüft werden, ob die Klinik beziehungsweise Abteilung für das gewünschte Fachgebiet vom SIWF anerkannt ist und welcher Weiterbildungskategorie sie angehört.
Vorteile
- Weiterbildungsmöglichkeiten: Viele Spitäler sind anerkannte SIWF-Weiterbildungsstätten.
- Breites Patientenspektrum: Je nach Klinik und Fachgebiet können Ärzte umfangreiche klinische Erfahrung sammeln.
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Die Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen erleichtert den fachlichen Austausch.
- Karrierechancen: Grössere Häuser ermöglichen häufig Rotationen und weitere Spezialisierungen.
Für die interne strukturierte Weiterbildung sind in den SIWF-Grundnormen grundsätzlich vier Stunden pro Woche vorgesehen.
Nachteile
- Je nach Fachgebiet können Nacht-, Wochenend- und Bereitschaftsdienste erforderlich sein.
- Die Arbeitsbelastung kann insbesondere in personalintensiven Bereichen hoch sein.
- Grössere Organisationsstrukturen können individuelle Gestaltungsmöglichkeiten einschränken.
Arbeiten in einer Einzelpraxis
Eine Einzelpraxis ermöglicht meist einen engen und langfristigen Kontakt zu Patienten. Ärzte können dort entweder angestellt tätig sein oder selbst eine Praxis führen.
Unternehmerische Verantwortung, wirtschaftliche Risiken und Praxismanagement betreffen in erster Linie den Praxisinhaber. Angestellte Ärzte tragen diese Verantwortung nicht in gleichem Umfang.
Vorteile
- Patientenbindung: Langfristige Arzt-Patienten-Beziehungen können leichter entstehen.
- Eigenverantwortung: Kleine Teams bieten häufig kurze Entscheidungswege.
- Gestaltungsmöglichkeiten: Praxisinhaber können Organisation und Ausrichtung ihrer Praxis weitgehend selbst bestimmen.
Nachteile
- Kleinere Teams: Der unmittelbare kollegiale Austausch kann geringer sein als in einem grossen Spital.
- Abhängigkeit von der Praxisstruktur: Arbeitszeitmodelle, Weiterbildungsmöglichkeiten und Vertretungsregelungen unterscheiden sich erheblich zwischen einzelnen Praxen.
- Unternehmerisches Risiko: Dieses betrifft vor allem Ärzte, die eine eigene Praxis gründen oder übernehmen.
Auch eine Arztpraxis kann als Weiterbildungsstätte anerkannt sein. Assistenzärzte sollten daher prüfen, ob die jeweilige Praxis beziehungsweise der Praxisweiterbildner im SIWF-Register aufgeführt ist und wie Supervision und Weiterbildung organisiert sind.
Gruppenpraxen und Ärztezentren
Gruppenpraxen und Ärztezentren verbinden ambulante Patientenversorgung mit der Zusammenarbeit mehrerer Ärzte. Je nach Einrichtung arbeiten Ärzte derselben oder verschiedener Fachrichtungen gemeinsam und teilen beispielsweise Personal, Räumlichkeiten und medizinische Infrastruktur.
Für Ärzte können solche Einrichtungen eine Alternative zwischen klassischer Einzelpraxis und Spital darstellen.
Vorteile
- Teamarbeit: Kollegen stehen für fachlichen Austausch und Rückfragen zur Verfügung.
- Gemeinsame Infrastruktur: Personal, Räume und Geräte können gemeinschaftlich genutzt werden.
- Arbeitsteilung: Grössere Teams können organisatorische Aufgaben und Patientenversorgung auf mehrere Personen verteilen.
- Arbeitszeitmodelle: Teilzeit oder flexible Modelle können organisatorisch leichter umsetzbar sein.
Nachteile
- Entscheidungen müssen teilweise mit mehreren Kollegen oder einer ärztlichen beziehungsweise kaufmännischen Leitung abgestimmt werden.
- Grössere Praxiseinheiten können komplexere Organisationsstrukturen haben.
- Der individuelle Gestaltungsspielraum hängt stark vom jeweiligen Anstellungsmodell ab.
Arbeiten in Rehabilitationskliniken und Rehazentren
Rehabilitationskliniken übernehmen die medizinische Behandlung und Begleitung von Patienten, deren Gesundheit und Funktionsfähigkeit nach Erkrankungen, Operationen oder Verletzungen wiederhergestellt oder verbessert werden sollen.
Im ärztlichen Alltag stehen häufig Verlaufskontrollen, Therapieplanung und die Zusammenarbeit mit Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie und weiteren Berufsgruppen im Mittelpunkt.
Arbeitszeiten und Dienstmodelle unterscheiden sich auch zwischen Rehabilitationskliniken erheblich. Charakteristisch ist deshalb weniger ein grundsätzlich ruhigeres Arbeiten als vielmehr der stärkere Fokus auf Rehabilitation und längerfristige Behandlungsziele.
Vorteile
- Patientenzentrierte Behandlung: Patienten werden häufig über längere Zeiträume betreut.
- Interprofessionelle Zusammenarbeit: Ärzte arbeiten eng mit therapeutischen und pflegerischen Berufsgruppen zusammen.
- Rehabilitationsmedizinischer Schwerpunkt: Der Fokus liegt stärker auf Funktionsfähigkeit, Teilhabe und längerfristiger Entwicklung.
Nachteile
- Für Ärzte, die vor allem Akutmedizin und Notfälle suchen, kann das Patientenspektrum weniger passend sein.
- Weiterbildungsmöglichkeiten hängen vom jeweiligen Fachgebiet und von der Anerkennung der konkreten Einrichtung ab.
Auch Rehabilitationskliniken können anerkannte SIWF-Weiterbildungsstätten sein. Entscheidend sind Fachgebiet, Kategorie und Weiterbildungskonzept der jeweiligen Einrichtung.
Alternative Arbeitsmöglichkeiten für Ärzte in der Schweiz
Nicht jeder Arzt möchte langfristig im klassischen Klinik- oder Praxisbetrieb arbeiten. Medizinische Qualifikationen eröffnen auch ausserhalb der unmittelbaren Patientenversorgung verschiedene Karrierewege.
Arbeitsmedizin
Arbeitsmediziner beschäftigen sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen der Arbeit und mit der Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen. Mögliche Arbeitgeber sind beispielsweise Unternehmen, arbeitsmedizinische Dienste oder Institutionen im Bereich Arbeitsschutz.
Tätigkeit in Forschung und Lehre
Universitäten, Universitätsspitäler und Forschungseinrichtungen bieten Ärzten Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Tätigkeit. Je nach Position kann Forschung mit klinischer Arbeit oder Lehre kombiniert werden.
Arbeit für NGOs und internationale Organisationen
Auch internationale Organisationen und Nichtregierungsorganisationen können medizinische Stellen anbieten. Tätigkeitsfelder reichen je nach Organisation von Gesundheitsprogrammen und Public Health bis zur medizinischen Versorgung in humanitären Einsätzen.
Wichtige Kriterien zur Wahl des Arbeitgebers für Berufseinsteiger
Die Wahl des ersten Arbeitgebers sollte nicht allein vom Ruf einer Klinik oder vom angebotenen Lohn abhängen. Besonders für Assistenzärzte beeinflusst die Stelle unmittelbar den Verlauf der Facharztweiterbildung.
Aufbau, Dauer und Inhalte der Weiterbildung werden durch das jeweilige SIWF-Weiterbildungsprogramm geregelt. Zusätzlich legt die Anerkennungskategorie einer Weiterbildungsstätte fest, welche Weiterbildungszeiten dort für den jeweiligen Facharzttitel absolviert werden können.
Besonders folgende Kriterien sollten Ärzte vor einer Bewerbung prüfen:
- Ist die Einrichtung als SIWF-Weiterbildungsstätte anerkannt?
- Welche Weiterbildungskategorie besitzt die Abteilung?
- Welche Rotationen werden angeboten?
- Wie ist die strukturierte Weiterbildung organisiert?
- Wie häufig und in welcher Form findet Supervision statt?
- Wie sehen Nacht-, Wochenend- und Bereitschaftsdienste aus?
- Wie werden Arbeitszeit und Mehrarbeit erfasst?
- Gibt es Teilzeitmodelle?
- Wie gross ist das Team?
- Wie erleben aktuelle oder ehemalige Assistenzärzte die Weiterbildung?
- Welche Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?
- Passt der Standort zur persönlichen Lebensplanung?
Gerade Arbeitszeit und Dienstmodell sollten bereits vor Vertragsabschluss konkret angesprochen werden. Assistenzärzte unterstehen seit dem 1. Januar 2005 grundsätzlich den Arbeits- und Ruhezeitbestimmungen des Schweizer Arbeitsgesetzes, auch wenn das betreffende Spital ansonsten vom Arbeitsgesetz ausgenommen ist.
Tipps zur Vorbereitung und Bewerbung
Wer den richtigen Arbeitgeber finden möchte, sollte sich nicht allein auf Stellenanzeigen verlassen. Einige Punkte können bereits vor einer Bewerbung geklärt werden:
- SIWF-Register prüfen: Ist die gewünschte Stelle beziehungsweise Abteilung als Weiterbildungsstätte anerkannt und in welcher Kategorie?
- Weiterbildungsprogramm lesen: Welche Weiterbildungszeiten und Inhalte verlangt der angestrebte Facharzttitel?
- Weiterbildungskonzept ansehen: Anerkannte Weiterbildungsstätten verfügen über ein Konzept, das beschreibt, wie die Lerninhalte vermittelt werden.
- Erfahrungen einholen: Aktuelle und ehemalige Assistenzärzte können wichtige Hinweise zu Arbeitsalltag, Supervision und Teamkultur liefern.
- Hospitation nutzen: Ein Besuch vor Ort kann helfen, Abläufe und potenzielle Kollegen kennenzulernen.
- Arbeitsbedingungen ansprechen: Dienstplan, Arbeitszeiterfassung, Überstunden, Teilzeit und Weiterbildung sollten möglichst konkret besprochen werden.
- Bewerbung individualisieren: Lebenslauf und Anschreiben sollten zur jeweiligen Stelle und zum angestrebten Karriereweg passen.
Fazit
Den einen idealen Arbeitgeber für Ärzte gibt es nicht. Entscheidend ist, ob eine Stelle zur angestrebten Fachrichtung, zur persönlichen Lebensplanung und zu den eigenen Erwartungen an Arbeitsalltag und Karriere passt.
Für Assistenzärzte sollte die SIWF-Anerkennung der Weiterbildungsstätte besonders weit oben auf der Checkliste stehen. Ebenso wichtig sind Weiterbildungskonzept, Supervision, Arbeitszeiten, Dienstbelastung und Teamkultur.
Wer diese Kriterien vor einer Bewerbung systematisch prüft und sich nicht nur auf Arbeitgeberimage oder Stellenanzeige verlässt, kann deutlich besser einschätzen, welcher Arbeitgeber zum eigenen Berufsstart passt.
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Häufige Fragen zum Thema: Den richtigen Arbeitgeber als Arzt finden
- Wie finde ich als Assistenzarzt den richtigen Arbeitgeber in der Schweiz?
- Woran erkenne ich einen guten Arbeitgeber für die Facharztweiterbildung?
- Wie viel strukturierte Weiterbildung sollte ein Arbeitgeber für Assistenzärzte anbieten?
- Ist ein öffentlicher oder privater Arbeitgeber für Assistenzärzte besser?
Um den richtigen Arbeitgeber zu finden, sollte ein Assistenzarzt insbesondere die SIWF-Anerkennung und Weiterbildungskategorie der Stelle prüfen. Zusätzlich sind Weiterbildungskonzept, Supervision, Rotationen, Arbeitszeiten, Dienstmodell, Teamkultur und Standort wichtige Entscheidungskriterien. Das SIWF-Register zeigt, welche Einrichtungen aktuell als Weiterbildungsstätten anerkannt sind.
Ein guter Arbeitgeber für die Facharztweiterbildung bietet eine strukturierte und nachvollziehbare Weiterbildung, ausreichende Supervision sowie Möglichkeiten, die im Weiterbildungsprogramm geforderten Kompetenzen zu erwerben. Anerkannte Weiterbildungsstätten müssen hierfür ein Weiterbildungskonzept erstellen.
Für die interne strukturierte Weiterbildung sind im Rahmen der SIWF-Grundnormen vier Stunden pro Woche vorgesehen. Dazu können beispielsweise Seminare, Journal Clubs, moderierte Fallbesprechungen, Bedside Teaching oder Arbeitsplatz-basierte Assessments gehören.
Weder ein öffentlicher noch ein privater Arbeitgeber ist grundsätzlich besser. Private und öffentliche Spitäler können Leistungsaufträge übernehmen und anerkannte SIWF-Weiterbildungsstätten sein. Für Assistenzärzte sind deshalb die konkrete Abteilung, Weiterbildungskategorie, Supervision, Arbeitsbedingungen und Teamkultur wichtiger als die Trägerschaft des Spitals.














