
Viele behandelnde Ärzte beschäftigen sich täglich mit Menschen, die keinen Krankenversicherungsschutz haben. In Zürich wurde nun ein Modell geschaffen, das genau hier ansetzt: eine medizinische Grundversorgung für Menschen ohne Krankenversicherung – insbesondere für Sans‑Papiers. Was bedeutet das konkret für Dich in der Praxis? Hier findest Du eine kompakte Orientierung.
Inhaltsverzeichnis
Überblick: Grundversorgung für Sans-Papiers in Zürich
- Zürich führt eine städtisch finanzierte Grundversorgung für unversicherte Menschen ein, auch bei chronischen Erkrankungen.
- Das Stadtparlament hat jährlich rund 1,9 Mio. CHF bewilligt.
- Kritiker sehen Risiken, Befürworter sprechen von früherem Arztbesuch und Kosteneinsparungen.
- Als Arzt kannst Du diese Grundversorgung in Dein Versorgungsnetz einbinden.
Hintergrund: Grundversorgung in Zürich – Was ist neu?
Die Stadt Zürich hat beschlossen, eine dauerhafte medizinische Grundversorgung für Menschen ohne Krankenversicherung anzubieten. Das betrifft vor allem Sans‑Papiers und Personen, bei denen eine Krankenkasse sistiert wurde. Diese Menschen sollen künftig nicht nur in Notfällen, sondern auch bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten.
Bis anhin war dies ein Pilotprojekt, das seit 2022 lief. Nun hat das Stadtparlament diese Versorgung mit deutlicher Mehrheit beschlossen und jährlich rund 1,9 Millionen CHF dafür bewilligt.
Wesentliche Elemente der Grundversorgung
Die Grundversorgung umfasst:
- ärztliche Untersuchungen und Behandlungen analog zur obligatorischen Krankenpflegeversicherung;
- Abklärung über Möglichkeiten, eine Krankenversicherung abzuschliessen inklusive Prämienhilfe;
- Versorgung bei chronischen und akuten Erkrankungen, nicht nur im Notfall.
Zudem existieren bereits Anlaufstellen wie die Meditrina des Schweizerischen Roten Kreuzes, die unversicherten Patienten medizinische Grundversorgung anbietet.
Warum Grundversorgung gerade jetzt?
Die medizinische Versorgung von unversicherten Menschen stellt für Städte und Praxen eine zunehmende Herausforderung dar. Umso wichtiger ist es, nachhaltige Lösungen zu etablieren, die sowohl medizinisch als auch wirtschaftlich sinnvoll sind.
Frühzeitiger Zugang vermeidet spätere Kosten
Befürworter argumentieren, dass der Zugang zur Grundversorgung frühzeitig dazu führt, dass Patienten nicht erst in der Notaufnahme behandelt werden müssen. Stattdessen werden Probleme im Anfangsstadium erkannt und effizienter versorgt. Dies könne letztlich sogar städtische Gesundheitskosten senken.
Soziale Verantwortung und Menschenwürde
Für viele Stadtvertreter ist die Gewährleistung einer Grundversorgung mehr als nur ein ökonomisches Argument: Sie sehen darin eine Frage der Menschenwürde und gesellschaftlichen Solidarität.
Kritische Stimmen
Kritiker – etwa aus FDP und SVP – lehnen die Massnahme ab. Sie befürchten, dass eine kostenlose Versorgung einen sogenannten „Magnet‑Effekt“ erzeugen und mehr unversicherte Personen nach Zürich ziehen könnte. Gleichzeitig wird bemängelt, dass Kantone und Bund stärker in die Pflicht genommen werden sollten.
Praktische Tipps für Deinen Praxisalltag
Als Arzt kannst Du aktiv von dieser Entwicklung profitieren und Patienten entsprechend beraten:
1. Patienten gezielt informieren
Viele Sans‑Papiers wissen nicht, dass sie grundlegend medizinische Versorgung in Anspruch nehmen können. Klare Aufklärung über den Zugang zur Grundversorgung kann Vorbehalte abbauen.
2. Nutzbare Strukturen kennen
Verweise auf bestehende Angebotsstrukturen wie den Stadtärztlichen Dienst oder die Meditrina‑Anlaufstellen, wenn Patienten nicht direkt in Deine Praxis kommen können.
3. Hilfe beim Versicherungsschluss anbieten
Ein Teil der Grundversorgung ist die Prüfung und Unterstützung beim Abschluss einer Krankenkasse. Du kannst Deine Patienten aktiv dabei begleiten oder an Beratungsstellen weiterleiten.
4. Chronische Erkrankungen gezielt managen
Nutze die Chance, chronisch Kranke früh zu erfassen. Dies zahlt sich sowohl medizinisch als auch gesundheitspolitisch aus, da Spätfolgen und Notfallbehandlungen reduziert werden.
Fazit
Die Einführung einer städtisch finanzierten Grundversorgung für unversicherte Menschen in Zürich ist ein bedeutender Schritt in der lokalen Gesundheitsversorgung. Für Dich als Arzt bedeutet dies neue Rahmenbedingungen, aber auch Chancen: Du kannst zur frühzeitigen medizinischen Betreuung beitragen, unnötige Notfallbehandlungen vermeiden und vulnerable Personen nachhaltig betreuen. Mit Kenntnis der bestehenden Angebote und klarer Kommunikation lässt sich diese Grundversorgung gezielt in den Praxisalltag integrieren.
Häufige Fragen
- Was bedeutet Grundversorgung für meine Praxis?
- Welche Leistungen deckt die Grundversorgung ab?
- Wie stelle ich sicher, dass ein Patient Anspruch auf die Grundversorgung hat?
- Kann ich als Arzt direkt an der städtischen Grundversorgung teilnehmen?
Die Grundversorgung erlaubt Dir, unversicherte Personen (z.B. Sans‑Papiers) wie regulär zu behandeln und in Deinem medizinischen Netzwerk weiterzuvermitteln.
Die Grundversorgung umfasst ärztliche Untersuchungen, Behandlungen bei chronischen und akuten Erkrankungen sowie Abklärungen zur Krankenversicherung.
Kläre, ob er seinen Lebensmittelpunkt in Zürich hat und unversichert ist – das sind zentrale Kriterien für die Grundversorgung.
Ja: Du kannst Patienten behandeln, an spezialisierte Anlaufstellen überweisen oder aktiv in Versorgungsnetzwerke eingebunden werden, die Teil der Grundversorgung sind.













